Rallye

#OTRAllye2019: Tag 4 – Die finale Etappe nach Prag & Auswertung

von Robert 4. August 2019 0 Kommentare

Vorbereitung: Start in der grünen Lunge

Budapest hat als Stadt viele Vorzüge. Einer davon ist, dass die ungarische Metropole ganz unterschiedliche Charaktere sehr stilvoll miteinander verbindet: rechts der Donau das quirlige Pest mit seinen Szenebars und alternativen Stadtvierteln, links davon das ehrwürdige Buda mit Schlössern und Palästen. Wenn man sich in Budapest der Großstadthektik entziehen will, hat man jedoch noch eine dritte Option – die Margareteninsel mitten im Fluss. Auf dieser befindet sich, neben zwei Hotels, im wesentlichen ein großer Park, der zum Verweilen und Relaxen einlädt.

Wegen der zentralen Lage in der Mitte der Stadt und der entspannten Atmosphäre bietet sich die Location  als Startort für die letzte Etappe der #OTRAllye2019 in Kooperation mit GETCHARLIE.de an. Dass sich auch das Orga-Hotel auf der Insel befindet, hat dazu nur unwesentlich beigetragen ;). Bis 09:30 Uhr hatten sich alle Teilnehmer also am vereinbarten Treffpunkt, einem Pavillon im Norden der Insel, eingefunden. Diesmal allerdings, dank des vorangegangenen Präsenztages, deutlich ausgeschlafener als beim Start in Ljubljana.

Da war sie also – die dritte und finale Etappe der diesjährigen Rallye. Wie schon bei der Auswertung der letzten Tage, ist das Feld immer noch unglaublich dicht gedrängt. Zu Beginn der letzten Etappe ist alles offen – jedes Team hat sehr realistische Chancen auf den Gesamtsieg, auch wenn GETCHARLIE.de mit leichter Punkteführung in den Tag geht. Damit die anderen Teams die Gelegenheit haben, Matze und Michi vom ersten Platz zu verweisen, wurden zunächst wieder Fotochallenges gezogen. Die Losfeen haben dabei folgende Locations bestimmt:

  • Autodromo, Brünn, Tschechien (2 Punkte)
  • Jemniště Castle, Postupice, Tschechien (3 Punkte)
  • St.-Adalbert-Kathedrale, Esztergom, Ungarn (4 Punkte)
  • Burg Pernštejn, Nedvědice, Tschechien (4 Punkte)
  • Ursprung, Österreich (5 Punkte)
  • Budweiser-Zentrale, České Budějovice (5 Punkte)

Durchaus spannende Ziehung! Gleich zwei 5-Punkte-Challenges, die sich routentechnisch auch noch gut kombinieren lassen, wenn man über Wien und Budweis fährt. Auch die Burg Pernštejn und das Autodromo lassen sich gut für zusammen 6 Punkte gut verbinden. Das Jemniště Castle liegt knapp vor dem Rallyeziel Prag … wird das vielleicht Strohhut dazu veranlassen, von der “Durchfahren”-Strategie abzuweichen? Sind alle Teilnehmer nach dem Chilltag nüchtern genug, um Fotochallenges anzufahren 😉 ?

Fragen über Fragen, deren Beantwortung allerdings noch warten muss, denn zunächst wird die Startreihenfolge bestimmt. Auch an diesem Morgen lagen die GETCHARLIE.de-Jungs vorn und mussten als letzte starten – soweit, so klar. Allerdings hatten wir aufgrund des engen Felds diverse Gleichstände aufzulösen – und das hieß abermals: Quiztime! Soll mal einer behaupten, dass man bei einer Rallye nichts lernt. Habt ihr gewusst, dass die erste Brauerei auf dem heutigen Staatsgebiet von Tschechien bereits 994 eröffnet wurde? Oder dass die Slowakei gerade mal 705 Autobahn-Kilometer hat? Die Teilnehmer jedenfalls wussten es nicht, aber manche waren näher dran als andere. Karol, der das Team DREIst vertreten hat, hatte oftmals das beste Gespür bewiesen und somit startete der Superb, wie am Vortag auch, an erster Stelle. Der Rest reiht sich wie folgt ein:

  1. Team DREIst
  2. Team AllgäuRacing
  3. Team Strohhut
  4. Das A-Team
  5. Team GETCHARLIE.de

Da nun die Formalien geklärt waren, ging es an die teaminterne Klärung der Tagesstrategie. Diese dürfte sich, neben dem Punkt, wie mit den Fotochallenges umzugehen ist, in erster Linie um ein Thema drehen: Die Mottochallenge. Für unsere Teilnehmer heißt es auf der letzten Etappe: “Steady wins the race! – Erreiche eine Durchschnittsgeschwindigkeit von möglichst genau 90km/h”. Ab anvisiertem Startpunkt um 11:00 Uhr entspricht das bei einer Strecke von 561 Kilometern … in der Schule gut aufgepasst? … einer Ankunftszeit von ziemlich genau 17:14 Uhr auf der Google-Route.

Allerdings müssen hier natürlich Umleitungen, Fotochallenges, Pausen und auch sonst alles, was sich auf die gefahrene Strecke auswirkt, berücksichtigt werden, da sich mit jedem zusätzlich gefahrenen Kilometer natürlich auch die Ankunftszeit nach hinten verschiebt. Keine leichte Aufgabe … soll es aber für 8 Punkte auch nicht sein. Da hier kein Auto oder Team besondere Vor- oder Nachteile hat, ist diese Challenge “anybody’s race” – es hat jeder gleichermaßen gute Chancen auf den Sieg, was diese Etappe nochmals spannender macht.

Legen wir los?! Leider ist das an diesem Tag noch etwas leichter gesagt als getan. Durch leichte Konfusion und mangelnde Orga-Präsenz haben sich die Teilnehmer nicht auf der Parkplatzseite der Schranke versammelt, sondern im Einfahrtsbereich, sehr zum Leidwesen kurz zuvor eingetroffener Polizisten. Die netten Damen und Herren in Uniform haben uns unmissverständlich bedeutet, wir mögen doch bitte den Platz räumen, wenn wir kein Bußgeld haben wollten. In einer ruhigen Ecke 100 Meter weiter konnten wir zum Glück die 3 Minuten für den versetzten Start noch rausschinden und sauber gemäß Prozedere starten – fast pünktlich um 11:06 Uhr. Auf geht’s zur letzten und buchstäblich alles entscheidenden Etappe nach Prag!

Die ersten Meter: DREIst und der Rest

Während des ersten Teils der Etappe war es relativ ruhig. Effektiv zu Wort gemeldet haben sich nur Karol und Robert. Das zeigt sich schon in der Routenwahl unmittelbar ab Start. Während alle anderen Teams die Margareteninsel in westlicher Richtung verlassen, folgt der Superb dem Google-Vorschlag und verlässt Budapest entlang des Ostufers. Allerdings bietet keine von beiden Strategien einen klaren Vorteil, denn DREIst ordnet sich mit dem Auffahren auf die Autobahn wieder mitten im Feld ein.

Mit dem Näherrücken der ersten Fotochallenge kam auch die erste Entscheidung: Runterfahren oder nicht? Die St.-Adalbert-Kathedrale liegt mitten im ungarischen Niemandsland und ist nur über, teils sehr kurvige, Landstraßen zu erreichen. Zudem ist sie von der Autobahn gut und gerne 50 km entfernt und es muss gut die Hälfte des Weges auf derselben Strecke zurückgefahren werden, was unmittelbaren Zeitverlust bedeutet. Eine Stunde Umweg ist bestimmt einzuplanen und damit verschiebt sich auch die 90km/h-Zeit nach hinten. Runterfahren oder nicht? Karol und Robert entscheiden sich als einziges Team dafür, es gibt ja schließlich trotz der ganzen Nachteile 4, möglicherweise entscheidende, Punkte. Nach einer schicken Fahrt durch die Pampa auf teils sehr spektakulären Straßen, die mit etwas Neid aufs TT-Team blicken lassen, wurden der Mut belohnt und die Punkte gutgeschrieben.

Aber lohnt es sich unterm Strich? Das wird sich mit Gewissheit erst am Abend sagen lassen. Dennoch sagt man ja so schön “Das Glück ist mit den Tüchtigen”. Dies bestätigt sich auch in diesem Fall, denn die DREIsten können von einer Neuerung der diesjährigen Rallyeausgabe profitieren: der PopUp-Challenge. Irgendwann im Verlauf einer Etappe spielt Orga Willy eine Challenge ein, die vorher nicht bekannt gegeben wird. Wer sie als Erster sieht und dann auch löst, bekommt 2 Punkte. Auf dem Rückweg zur Autobahn hat Robert das RMS gecheckt, um zu prüfen, ob inzwischen andere Challenges eingereicht wurden, und hat dabei die PopUp-Challenge entdeckt. Sie bestand darin, ein Foto mit beiden Teamteilnehmern und dem kompletten Sicherheitsequipment zu machen, d. h. Warnwesten, Warndreieck und Verbandskasten.

Eine faire Challenge, kann sie doch von allen gleichermaßen gut gelöst werden. Zugegeben hat man in den wenigstens Fällen all das griffbereit, sondern lagert es im Kofferraum. Dabei ist es durchaus förderlich, auf der Landstraße zu sein, wo man relativ problemlos mal rechts ranfahren kann, anstatt auf den nächsten Rasthof hoffen zu müssen. In der Retrospektive nicht so unpraktisch, dass die erste Fotochallenge für DREIst so lange gedauert hat, denn nach dem Realisieren der Challenge und dem Ansteuern eines geeigneten Halteplatzes hatten sie die 80 Meter entfernte Autobahn bereits in Sichtweite. Eine Minute später wäre zu spät gewesen, aber hey, das ist Rallye :D. Wisst ihr btw, wo bei einem Skoda Superb das Warndreieck ist? INNEN IN DER LADEKANTE DES KOFFERAUMS – von außen quasi unmöglich zu sehen. Praktisch verstaut, zugegeben, aber im Notfall bestimmt super, wenn man es nicht weiß ;).

Mit diesen 6 zusätzlichen Punkten übernehmen Karol und Robert zwischenzeitlich sogar erstmal die Gesamtführung. Ansonsten gab es für aufmerksame Beobachter des Rallye Management Systems noch einen anderen Aha-Moment. Unsere Rallye-Veteranen, Uwe & Thomas, haben, erfahren und clever wie sie sind, direkt einen Weg gefunden, um sich durch unser neues Startprozedere einen Vorteil zu verschaffen. Es zählt bei der Vergabe der Startplätze immer der GESAMTPunktestand am jeweiligen Morgen, inklusive aller bislang errungenen Etappenpunkte. Allerdings zählen auch die Punkte der Rallyechallenges, die man über die komplette Dauer der Veranstaltung einreichen kann, dazu.

Für den Orga-Pit-Stop, den günstigsten Kraftstoff, das Fahrzeug unter 100.000 Euro Listenpreis oder das Geschenk für ein anderes Team ist es völlig unerheblich, ob die Challenge direkt nach Erledigung oder kurz vor Rallyeende eingereicht wird. Allerdings ist den Strohhüten als einzigen aufgefallen, dass eine Einreichung vor der letzten Etappe potentiell nachteilig für den Startplatz ist, denn je mehr Punkte, desto weiter hinten wird gestartet. Sehr respektabler Move, der mit Sicherheit Schule machen wird!

Die Challengejagd: Heißer Fight um jedes Foto!

Beim Erreichen der Autobahn sind Karol und Robert natürlich deutlich (über 100 km) hinter den anderen und bekommen nicht mit, mit welch harten Bandagen um die letzten Fotopunkte gekämpft wird. Basierend auf der Erfahrung der letzten Tage kann wohl als gesichert gelten, dass Strohhut durchfährt. Ansonsten haben wir zwei Gruppen, die auf Challengejagd sind. Im Dreiländereck Ungarn – Österreich – Slowakei entscheidet sich die weitere Route. Während Andrea & Alex sich im TT über Österreich Richtung “Ursprung” bewegen, fahren die anderen Teams über die Slowakei und sind damit auf direkt(er)em Weg nach Prag.

Die Teams AllgäuRacing, Strohhut und GETCHARLIE.de bewegen sich somit als Dreiergruppe in Richtung der zweiten Challege, dem Autodromo Brünn. Tatsächlich entscheiden sich die Strohhüte zum Weiterfahren, wohingegen der Fiesta und der 3er zur Rennstrecke abbiegen. Aufgrund eines kleinen, aber entscheidenden Vorsprungs wird diese von Phillip und Matthias zuerst erreicht. Michi und Matze erreichen die Location 6 Minuten später – und damit leider zu spät. Wie eingangs erwähnt, lohnt sich die Brno-Challenge in erster Linie dann, wenn man sie von der Route her mit der Burg Pernštejn kombiniert, welche von der Rennstrecke nur ca. 40 km entfernt liegt und das auch noch mehr oder weniger in der richtigen Richtung. Diesen Gedanken haben auch beide Teams.

So wiederholt sich dieses Spiel auf für GETCHARLIE.de schmerzhafte Weise an der Burg. Abermals nehmen sie den Umweg in Kauf und abermals gewinnt AllgäuRacing mit wenigen Minuten Vorsprung. Damit haben Matze und Michi Zeit und Ressourcen für 6 Punkte investiert und nicht einen erhalten. Das sind die bitter-süßen Momente der Rallyetragik. Wie tragisch der Punkteverlust aber tatsächlich für Team GETCHARLIE.de war, wird knapp eine halbe Stunde später offenbar, als eine Nachricht von GETCHARLIE.de die Rallye-WhatsApp-Gruppe erreicht. Aufgrund entscheidender Fehler seien die Siegesaussichten und auch die Chancen auf die Mottochallenge so gering, dass eine weitere Teilnahme keinen Sinn mehr mache. Glücklicherweise konnten die Orgas die beiden doch vom Gegenteil überzeugen, aber das zeigt, wie emotional es auf einer Rallye manchmal zugeht.

In der Zwischenzeit ist das A-Team allein in Österreich unterwegs. Wie zu erwarten, steuern Andrea & Alex die beiden 5-Punkte-Challenges am Stück an. Da sie das ohne Konkurrenz tun, ist das eine ziemlich sichere Bank. Erkauft werden müssen die 10 Punkte dennoch mit dem Verlust der Punkte für die kürzeste Strecke, Strafpunkten wegen Verspätung und sehr geringen Aussichten auf die Mottochallenge. Dennoch: 10 Punkte sicher haben als ca. 12 eventuell ist natürlich ein gewaltiger Anreiz. So steuert das TT Cabrio den winzigen (und Navis oft unbekannten) Ort “Ursprung” an und etwa 2 Stunden später – wie zu erwarten – die Zentrale der Budweiser-Brauerei in Tschechien. Damit sind die beiden heiße Anwärter auf den Tagessieg und haben immer noch realistische Aussichten auf den ersten Gesamtplatz.

Als letzte Challenge bleibt das “Jemniště Castle”, ca. 50 Kilometer vor Prag, für immerhin 3 Punkte. Spannenderweise liegt das Schloss an einer Steller, an der beide Routen wieder zusammenlaufen. Inzwischen hatte aufgrund der zwei Challenges von AllgäuRacing auch der Superb wieder aufgeschlossen und fährt Tandem mit dem roten Fiesta von Philipp und Matthias, GETCHARLIE.de wenige Kilometer dahinter. Allerdings kommt ein Runterfahren zur letzten Challenge für Robert und Karol nicht in Frage, da die St. Adalbert-Kathedrale streckentechnisch schon zuviel gekostet hat, um mit 90 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit noch ohne viele Strafpunkte in Prag zu sein. Der Umweg der Allgäuer und von GETCHARLIE.de war allerdings deutlich kürzer und somit war noch Potential da.

Beide Teams fahren daher runter und die Challenge an. Spannenderweise tut das natürlich auch das A-Team, von der anderen Richtung aus Budweis kommend, und während Philipp und Matthias die Challenge einreichen, sind diese wortwörtlich um die Ecke – 200 Meter die Straße runter hinter der nächsten Landstraßenkurve. Die Einreichungen im RMS liegen keine 2 Minuten auseinander. Auch Matze und Michi haben die Challenge angefahren, mussten sich aber – zum dritten Mal an diesem Tag – dem Team AllgäuRacing knapp geschlagen geben, welches inzwischen bereits wieder 5 Kilometer vorne lag. Von dem Dreikampf um die letzte Challenge, die ja aber nur einer gewinnen kann, profitieren vor allem die DREIsten, die sich inzwischen wieder auf den zweiten Platz gesetzt hatten.

Zieleinlauf: Von Stickern, Stahleiern und Sekundengenauikeit

Die ersten, die das Rallyeziel erreichen, sind die Strohhüte – mal wieder. Hier hat sich also die “Durchfahren”-Vermutung bestätigt. Allerdings muss auch Ankunftszeitpunkt nicht gleich Abschlusszeit sein, denn es zählt die Einreichungszeit im RMS! Das ist besonders praktisch, um den Abschluss für die Durchschnittsgeschwindigkeits-Challenge zu timen, denn so kann (und muss) man sekundengenau auf den Button drücken. Da der Ankunftszeitpunkt für die 90km/h für Strohhut deutlich hinter dem tatsächlichen Ankommen lag, haben sie sich auch hier wieder sehr clever verhalten. Da auf dem Zielbild (wie auf allen anderen auch) entweder beide Teammitglieder oder mindestens ein Teammitglied und das Auto zu sehen sein müssen, haben Sie ihren Wagen einige Kilometer vom Ziel entfernt abgestellt.

Die Gründe dafür sind folgende: Sie können die Strecke genau kontrollieren und haben keine Variablen mehr kurz vor Abschluss drin, wie z. B. die Suche nach einem Parkplatz. Außerdem gibt es als Special-Challenge dieses Jahr die Aufkleberjagd. Robert und Willy hatten im Mai, etwa zwei Wochen vor der Rallye, das Vergnügen, dem Konzert der Besten Band der Welt in der Prager Lucerna Music Hall beizuwohnen. Den Aufenthalt haben die beiden genutzt, um ca. 20 “On The Road Again”-Aufkleber in der City und rund ums Ziel zu verteilen. Das erste Team, welches einen davon findet, bekommt 3 Punkte zusätzlich. Thomas und Uwe laufen also zum Ziel und begeben sich dabei – wieder strategisch klug auf unterschiedlichen Routen – durch die Stadt, alles im Blick behaltend was irgendwie nach Sticker aussieht.

Tatsächlich finden die beiden auch, wenige Meter vom Ziel entfernt, einen der nächstgelegenen Sticker und kassieren nochmal drei Punkte. Um 17:01 Uhr und 28 Sekunden wird dann der Etappenabschluss eingereicht mit Foto vom Ziel – der St.-Nikolaus-Kirche vom Malostranské náměstí aus. Ob das passt, um genau auf 90 km/h zu sein … wir werden sehen.

Robert und Karol war der zweite Platz nicht mehr zu nehmen und sie kommen um 17:47 Uhr an. Auf Platz 3 landet GETCHARLIE.de, die sich das einzige Mal an diesem Tag dem Team AllgäuRacing knapp erwehren konnten und diesmal 2 Minuten eher da waren :p. Eine Viertelstunde später, um 18:18 Uhr, folgen dann Andrea & Alex.

Die Rallye endet nach den Statuten zur Abbruchzeit der letzten Etappe (23:59:59 Uhr) oder mit dem Eintreffen des letzten Teams. Das bedeutet aber auch, dass bis zu diesem Zeitpunkt noch Rallyechallenges eingereicht werden können, wie z. B. der Balls of Steel Award. Bei diesem geht es darum, einen Wildfremden (!) zu bequatschen, sich im Rallyeauto mal 2 Kilometer mitnehmen zu lassen. Das Team Strohhut hat bisher als einziges Team einen “Versuch” unternommen. Allerdings hat der Videobeweis zu Tage gefördert, dass es sich bei den Passagieren um Bekannte von Uwe handelt, so dass die Punkte hier aufgrund versuchter Orga-Täuschung natürlich nicht anerkannt werden konnten. Das Team DREIst hingegen nutzt die letzten Minuten vor Ende der Rallye und chauffiert, nach einigen Versuchen, einen netten Herrn aus Estland, der zum Tool-Konzert in Prag war, in die Kneipe seiner Wahl und holt die beiden Punkte. Das bedeutet auch: beim nächsten Mal neuer Balls of Steel Award!

Mit der Ankunft und RMS-Einreichung des A-Teams war es also offiziell vorbei mit dem aktiven Part der #OTRAllye2019. Puh, erstmal durchatmen, verschnaufen und sich freuen, dass alle auch diese letzte Etappe wohlbehalten überstanden haben und alle angekommen sind, die auch in Budapest am Start waren – auch wenn es diesmal scheinbar knapp war :D.

Der Punktestand: Hosen runter! Wer bekommt welche Punkte?

Bevor sich jedoch zu sehr entspannt wird oder sich die Teilnehmer in alle Winde zerstreuen, heißt es aber noch: Gesamtauswertung und Siegerehrung! Wer hat denn nun die Mottochallenge gewonnen? Die Etappe und vor allem die Rallye? Wie viele Punkte haben die strohbehuteten Durchfahrer? Wie weit vorne ist das A-Team mit den beiden 5er-Challenges? Konnte GETCHARLIE.de die Führung trotzdem halten? Schon wieder so viele Fragen. Schauen wir uns die Punkte an.

Die dringendste Frage jedoch zuerst … wie ist es denn mit den 90 km/h?! Wie zu erwarten ist die Durchschnittsgeschwindigkeit des A-Teams aufgrund der langen Strecke mit über 92 km/h zu hoch, um hier konkkurenzfähig zu sein. Bei den anderen Teams sieht es schon sehr viel enger aus. Für AllgäuRacing mit 0,92 und das  Team DREIst mit 0,4 km/h Abstand zur 90 hat es auch nicht gereicht. Bleiben noch die Teams Strohhut und GETCHARLIE.de, für die wir die Challenge auf die zweite Stelle nach dem Komma auswerten müssen, um den Sieger zu ermitteln. Mit 0,03 km/h (!) Durchschnittsgeschwindigkeit Vorsprung geht die Mottochallenge – bei der dritten Etappe in Folge – an das Team GETCHARLIE.de. Wohl doch ganz gut, noch ins Ziel gefahren zu sein ;).

Was heißt das für die Etappenwertung? Mit der Mischstrategie aus einer größeren Fotochallenge und Fahrleistungen fährt das Team DREIst an diesem Tag am schlechtesten. Neben den 4 Fotopunkten kommen nochmal insgesamt 4 für den zweiten Platz und den zweitgeringsten Verbrauch hinz. Einer wird allerdings wegen Verspätung wieder abgezogen, so dass sie mit 7 Punkten an diesem Tag die Etappenletzten sind. Da GETCHARLIE.de alle Fotochallenges vor der Nase weggeschnappt wurden, konnten sie mit Fotoeinreichungen überhaupt nicht punkten, haben aber durch die Mottochallenge beachtliche 8 Punkte. AllgäuRacing, hauptsächlich aufgrund der vielen erfolgreichen Fotochallenges, folgt dann mit 9 Punkten. Den Tagessieg teilen sich die Audi-Teams Strohhut und A, spannenderweise mit sehr, sehr unterschiedlichen Strategien. Während die TT-Piloten kompromisslos und erfolgreich auf die höchstdotierten Fotochallenges gegangen sind, war die A3-Besatzung rein auf die Fahrleistungen konzentriert und räumt auch alles ab, was nennenswert ist. Als erste angekommen, niedrigster Verbrauch, kürzeste Strecke. Außerdem als einzige keine Strafpunkte für Verspätung UND noch die 3 Sticker-Punkte. Somit teilen sich Strohhut und A-Team hier Platz 1 in der Tageswertung mit jeweils 10 Punkten.

Für die Ermittlung des Gesamtsiegs müssen wir neben den Voretappen noch die Rallyechallenges betrachten. Den Orga-Pitstop, das Fahrzeug unter 100.000 Euro BLP, das Geschenk für ein anderes Team – alles Challenges, die nicht nur für den ersten gelten, sondern für jedes Team Punkte bei erfolgreicher Einreichung versprechen, wurden auch erledigt. Die geringste Menge Kraftstoff über die gesamte Rallye hat der Audi A3 verbraucht und beschert Strohhut für ihre Eco-Strategie nochmal 2 Punkte. Apropos Kraftstoff: Auch für die “Tanke den günstigsten Sprit”-Challenge haben sich Uwe und Thomas etwas einfallen lassen. Die beiden waren wieder kreativ und haben nicht ihr Rallye-Auto betankt, sondern den einzigen in Budapest anzumietenden BMW i3 – und zwar mit Strom. Da dies das einzige Elektrofahrzeug war, welches im Rahmen der Challenge betankt wurde, war der Sprit klar der günstigste – auch wenn die Orgas aufgrund der unsauberen Dokumentation ein Auge zugedrückt haben. Schade, denn sonst wäre Team DREIst mit 1,189 Euro / L Diesel vom Spritkönig in Graz am günstigsten gewesen :D.

Ein (vor allem auch moralisch) wichtiger Faktor ist zudem der “Spirit-Award”. Dieser wird durch ein Voting am Ende der letzten Etappe an das Team vergeben, welches sich am fairsten, sportlichsten und freundlichsten verhalten hat und welches somit den Geist der Rallye am besten vertreten und verkörpert hat. Die Abstimmung fiel recht eindeutig zugunsten des Teams AllgäuRacing aus, welches die 2 Punkte und die Anerkennung der Rallyekameraden mit nach Hause nimmt. Eine Entwicklung, der man aus Orga-Sicht nur applaudieren kann, denn Phy & Maddes haben mit ihrer ruhigen, engagierten und besonnenen Art sehr zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen – vielen Dank dafür :).

Der letzte, aber nicht zu vernachlässigende, Faktor für die Gesamtberechnung sind die Strafpunkte. Diese werden von den Orgas nach eigenem Ermessen vergeben, etwa bei Verspätung am Treffpunkt, nicht regelkonformen Einreichungen und vor allem zur Sanktionierung unerwünschten (Fahr)Verhaltens. Bis auf das Team AllgäuRacing haben alle Teams für das ein oder andere Vergehen Strafpunkte erhalten, die meisten nur 1-2. Matze und Michi allerdings hatten scheinbar große Probleme damit, die Leistung ihres G-Power BMWs im Zaum zu halten und haben insgesamt 6 Strafpunkte kassiert.

Auswertung & Siegerehrung: And the winner is …

Am Morgen war also noch alles offen, bei den Rallyepunkten sind die Unterschiede nicht sehr gewaltig, das Feld liegt in der Etappenauswertung wieder bis auf wenige Punkte gleichauf. Wer bei diesen Bedingungen tatsächlich gewonnen hat, weiß da nur noch einer – nämlich der heRMeS. Der ist nicht nur der Schutzpatron der Reisenden, sondern verkündet als Bote auch das Wort der Götter … oder in unserem Fall der Orgas ;). Unser Rallye Management System weiß die Antwort und verrät und folgende Gesamtplatzierung der #OTRAllye2019:

  1. Team Strohhut (35 Punkte)
  2. Team AllgäuRacing (31 Punkte)
  3. Team GETCHARLIE.de (30 Punkte)
  4. Team DREIst (29 Punkte)
  5. A-Team (28 Punkte)

Wow … das Motiv “knapper Punktestand” hat sich bis zur letzten Minute durch die Rallye gezogen. Mit je nur einem Punkt Abstand auf den Plätzen 5 bis 2 hätte es dort nicht knapper werden können. Die Rallyeneulinge Andrea & Alex haben hart gekämpft und hatten realistische Chancen auf den Sieg, was für unerfahrene Teilnehmer eine beachtliche Leistung ist. Nur 3 Punkte Abstand zum Zweitplatzierten zeigen deutlich, wie knapp hier alles war. Das Team DREIst hingegen war zwar bereits erfahren, hatte aber auch mit der Doppelrolle als Orgamobil zu kämpfen und hätte die Mottochallenge am letzten Tag für den Sieg gebraucht. Karol und Robert müssen sich also mit Platz 4 zufriedengeben.

Der dritte Platz geht an unser Kooperationteam von GETCHARLIE.de. Michi & Matze haben über weite Teile der Rallye, bis zur Mitte der letzten Etappe, relativ klar geführt. Die drei verlorenen Fotochallenges am letzten Tag haben den beiden jedoch punktetechnisch so sehr das Genick gebrochen, dass auch die Mottochallenge das nicht mehr kitten konnte und hier der dritte Platz genügen muss. Des einen Leid ist des anderen Freud … in diesem Fall die von Team AllgäuRacing, das sich durch seine dramatische Aufholjagd am letzten Tag und mit Hilfe des Spirit Awards auf den zweiten Platz in der Gesamtwertung vorgearbeitet hat. Wohlverdient und eine sehr beachtliche Leistung für die beiden Allgäuer, die sich zwar bereits intensiv mit dem Konzept befasst haben, aber live auch das erste Mal dabei waren!

Der Sieger jedoch, und das sogar relativ eindeutig mit 4 Punkten Vorsprung, ist das Hausteam Strohhut! Hier zeigt sich die Rallyeerfahrung in Verbindung mit den cleveren und unorthodoxen Methoden, die die beiden an den Tag gelegt haben. Mit dem kleinen 1.6er Diesel als sichere Eco-Bank die Fotochallenges den anderen zu überlassen und dafür (fast) alle Eco-Punkte mitzunehmen UND immer den ersten Platz beim Ankommen zu erreichen, hat in der Rallyegeschichte noch keiner geschafft. Auch das Zurückhalten der Rallye-Challenges zugunsten der Startreihenfolge, das Stromtanken für den günstigsten Sprit und der Zieleinlauf zu Fuß sowie der gut abgefrühstückte Präsenztag in Budapest haben in der Summe den Strohhüten zum Sieg verholfen.

Mit 35 Punkten landen Sie auf Platz 1 der #OTRAllye2019 und nehmen unseren Pokal – die Chantal – mit nach Hause. Ein Sieg, der genau auf dem beruht, worauf es bei der Rallye ankommt: Durchhaltevermögen, kreative Denkweise, Erfahrung und das Quentchen Glück! Herzlichen Glückwunsch noch mal an unsere amtierenden Champions Thomas und Uwe für den wohlverdienten Titel, der den beiden vom Orga-Team mitsamt dem Pokal überreicht wird.

Ebenfalls natürlich noch mal ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmer, die so verbissen und engagiert gekämpft haben und damit diese Rallye zur mit Abstand knappsten gemacht haben, die es je gegeben hat. Das bis zur Auswertung der finalen Etappe noch jeder siegen kann und es keinen klaren Favoriten gibt, war einmalig, aber genau so sollte es sein! Aus Orga-Sicht ein großer Erfolg – nicht nur, weil die Teams alle sehr gute Leistungen mit unterschiedlichsten Strategien abgeliefert haben und das Konzept somit voll aufgegangen ist. Nein, auch weil alle sicher angekommen sind, es keine nennenswerten Probleme mit dem Ablauf gab und wir an 4 Tagen im Mai/Juni 2019 eine Menge Spaß miteinander hatten. Tage, die wohl allen beteiligten noch eine ganze Weile im Gedächtnis bleiben werden!

Verabschiedung & Chillout: Bis zum nächsten Mal … ?!

Dazu trägt auch der letzte Abend bei. Nachdem nun keine Punkte mehr errungen und kein Pokal mehr vergeben werden müssen, ist der ganze Zauber schlagartig vorbei und man ist vom Rallyeteilnehmer mehr oder weniger zu einem Touristen in Prag geworden. Einem Touristen mit folgenden Bedürfnissen: einer Dusche, einem (oder fünf) Bier, einem zünftigen Essen und mittelfristig einem Bett. Die Strohhüte und GETCHARLIE.de entscheiden sich aus terminlichen Gründen dazu, direkt die Heimfahrt anzutreten.

Die verbleibenden drei Teams und Orga William mussten zur Bedürfnisbefriedigung auf die glücklicherweise umfassenden lokalen Gegebenheiten zurückgreifen – kurzum, es brauchte ein Hotel und eine Kneipe. Da der Sonntag ein eher unbeliebter Anreisetag ist, war die Preislage für ersteres Problem äußerst günstig … nach einer kleinen Preisverhandlung an der Rezeption hat uns das *****-Hotel Grandium empfangen – für 40 Euro / Nacht inkl. Frühstück. Fünf Sterne sind nach so einer Rallye genau das Richtige, also direkt einchecken.

Zur weiteren Entspannung hat dann ein Besuch bei Vinohradský pivovar beigetragen, wo man uns hausgebrautes Bier serviert. Auch unsere sehr umfangreiche (und dringendst notwendige) Essensbestellung wurde aufgenommen und wir haben uns bereits sehr auf unser Essen gefreut. Leider ist der netten Bedienung dann eine halbe Stunde später aufgefallen, dass die Küche um 10 geschlossen hat und wir nix mehr bekommen -_-. Die Begeisterung war groß. Fairerweise muss man dazusagen, das Bier war echt lecker und die Dame war so nett, für uns einen Tisch in einem anderen Restaurant klarzumachen, welches noch bis früh um 3 Essen serviert – die Rettung naht.

Wir siedeln um zum Hospůdka v Ateliéru, einem von außen eher – nun nennen wir es “unscheinbaren” – Restaurant, in welches sich vermutlich eher weniger Touristen verirren. Eine englischsprachige Karte ist jedoch trotzdem zu bekommen und dank dieser ganz viel flüssiger Käse und vor allem deftiger Gulasch. Nach dem zweiten Bier war auch das Eis mit der vorab landestypisch leicht brummigen Bedienung gebrochen und der erste Rallyestress besiegt. Es wurden noch einige Geschichten ausgetauscht an diesem Abend, denn von denen sind an den vergangenen Tagen mehr als genug entstanden.

Am nächsten Morgen folgte nach dem Luxus-Frühstück auch für die in Prag verbliebenen Teams die Heimfahrt, mit spannenden Erinnerungen im Gepäck … und der Hoffnung, dass vielleicht auch in Zukunft wieder auf einer Rallye interessante Geschichten entstehen. Wir bleiben gespannt und blicken bis dahin zurück auf eine sehr gelungene #OTRAllye2019!

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