Kurztrips

Metropole mit vielen Gesichtern – Ein Wochenende in Budapest

von Robert 30. März 2019 0 Kommentare

Seit langem mal wieder in Ungarn …

Es war nicht meine erste Reise nach Ungarn bzw. Budapest, aber die letzte ist lang, lang her – knapp 20 Jahre. Wir schreiben das Jahr 1999. Im Radio läuft Mambo No. 5 von Lou Bega, ich bin 12 Jahre alt, mit meiner Familie im Sommerurlaub am Balaton und so weit von zuhause weg wie wahrscheinlich noch nie zuvor. Zum Programm gehörte auch ein Tagesausflug mit dem Bus nach Budapest, an den ich mich noch gut erinnere.

Groß, etwas wild und ziemlich verfallen kam mir die Stadt damals vor. Das Donauufer, das Parlamentsgebäude oder die Fischerbastei sind mehr aber als sehr eindrucksvoll und sehenswert im Gedächtnis geblieben. Grund genug, eben jenes mal wieder aufzufrischen! Nicht ganz uneigennützig habe ich meiner Freundin zu Weihnachten eine Reise nach Budapest geschenkt, die wir Mitte Februar antreten.

Über den Reisezeitraum kann man geteilter Ansicht sein. Eine Metropole wie die ungarische Hauptstadt hat zu jeder Jahreszeit ihren Reiz. Im Winter mit ein paar Schneeflocken hat es schon was Malerisches. Allerdings war es zumindest 2018 im Februar dort mit zweistelligen Minusgraden sehr, sehr kalt. Wie wir uns aufgewärmt haben und ob sich der Wochenendausflug trotzdem gelohnt hat, beschreiben wir in diesem Artikel :).

Die Welt ist kleiner geworden – Die Anreise

Wie immer stellt sich zunächst einmal die Frage, wie man am besten anreist. Budapest ist aufgrund seiner relativ zentralen Lage im Südosten Europas gut angebunden. Neben dem klassischen Verkehrsmittel, dem Auto, kann der Zug durchaus eine Option sein. Besonders aus Westdeutschland kann man aber auch relativ günstig mit dem Flugzeug anreisen. Hinkommen sollte also kein Problem sein. Wenn man sich – so wie wir – für das Auto entscheidet, gibt es aber 1-2 Kleinigkeiten zu beachten.

Eine Mietwagenfirma sollte man unbedingt darauf hinweisen, dass man ins südosteuropäische Ausland fährt. Oftmals sind dann keine Premiummarken verfügbar und Opel/Skoda/Volvo das höchste der Gefühle. Aus logistischen Gründen haben wir uns für einen Mietwagen entschieden. Nach dem ursprünglich angedrohten Peugeot 308 hat sich dann eine adäquate Lösung gefunden – wir reisen im VW Touran 2.0 TDI. Obwohl Volkswagen als Premiummarke eigentlich nicht in Frage kommt, gibt man uns den Van, weil für 7-Sitzer wohl andere Regeln gelten … gute Lösung!

Die ach soooo praktische Familienkutsche mit ihrer hohen Sitzposition, den vielen Staumöglichkeiten und den Klapptischen in der zweiten Reihe ist der Traum eines jeden gestressten Vaters. Wir vermissen etwas die Fahrdynamik, aber da sich die Ansprüche bei dieser Tour auf den Langstreckenkomfort reduzieren, macht der Touran einen super Job. Entspannt, sicher und sehr sparsam mit unter 6 Litern Diesel auf 100 km (laut VW Boardcomputer ;)) sind wir unterwegs Richtung Südosten.

Vor dem Start sollte man berücksichtigen, dass in Tschechien, in der Slowakei und in Ungarn Mautpflicht gilt! Inzwischen kann man das quasi fast alles online abfackeln, dazu muss man aber im Vorfeld das Kennzeichen kennen. Falls das nicht der Fall ist, gibt es Verkaufsstellen an Autobahnraststätten, Tankstellen und ehemaligen Grenzübergängen. Apropos … auf der Reise fällt eines auf: Die Welt ist deutlich kleiner geworden in den letzten 20 Jahren.

Bei unserem ersten Ungarnurlaub erinnere ich mich an eine halbe Weltreise. Wir mussten an diversen Grenzübergängen stundenlang warten und haben insgesamt von Dresden aus fast 2 Tage gebraucht, bis wir am Balaton waren. Zudem waren die Straßenverhältnisse teilweise sehr schlecht. Von all dem ist nichts mehr zu spüren. Grenzkontrollen gibt es quasi keine und die Autobahn – bei der besonders die Tschechen in den letzten Jahren stark nachgezogen haben – ist zum größten Teil völlig einwandfrei. Die knapp 700 km bewältigt man heute an einem langen Nachmittag. Schon spannend, wie sich da die Maßstäbe verschoben haben, mit denen man Entfernungen bewertet.

Alles kann, nichts muss – Die Unterkunft

Budapest als Millionenstadt bildet die komplette Bandbreite der verfügbaren Unterkünfte ab. Vom Campingplatz würde ich im Winter abraten, aber von der AirBnB-Couch bis hin zum 5-Sterne-Luxushotel kann man alles haben. Wir residieren, einigermaßen bescheiden und kostenbewusst, im Park Inn – einem 4-Sterne-Hotel ein paar Busstationen von der Innenstadt entfernt. Mit 200 € für 3 Nächte im Doppelzimmer inklusive Halbpension haben wir einen guten Deal geschossen – aber keinen unüblichen. Runtergerechnet sind es 33 € pro Person und Nacht für die Unterkunft – ein realistisches Preisniveau für die Region.

Wenn es eine Spur gehobener – und/oder zentraler – sein soll, ist die Auswahl aber auch groß. Die zentralste Lage – neben der Kettenbrücke – dürfte wohl das Hotel Intercontinental haben. Den direkten Ausblick auf das Schloss lässt man sich mit rund 200 € die Nacht aber auch recht gut bezahlen. Etwas günstiger, gleichwohl auch familiärer und noch wohlsituierter gelegen – unweit vom Präsidentenpalast auf den Hügeln Budas – geht es in der St. Georg Residence zu.

Der Klassiker in der Budapester Hotelkultur dürfte allerdings das Hotel Gellért sein, direkt an der Freiheitsbrücke. Der alt-ehrwürdige Komplex wurde vor 100 Jahren – 1918 – nach 6-jähriger Bauphase eröffnet und stellt ein Meisterwerk des Wiener Jugendstils dar. Der besondere Charme hat auch Wes Anderson inspiriert, denn das Gebäude ist eines der Vorbilder für sein Meisterwerk “Grand Budapest Hotel”. Obwohl es als Luxushotel etwas in die Jahre gekommen ist, ist es immer noch eine der ersten Adressen der Stadt, kann jedoch relativ günstig gebucht werden.

An Unterkünften unterschiedlichster Ausrichtung und Preissegmente mangelt es also nicht. Für unsere Ersterkundung war die Lage am Stadtrand ok (zumal auch sehr günstig). Für einen erneuten Besuch würde ich ggf. etwas Zentraleres wählen.

Dicht und günstig – Der (Nah)verkehr

Da wir ja mit dem Auto unterwegs waren, scheint dies auch zunächst die beste Wahl zu sein, um sich in die Innenstadt zu bewegen. Obwohl der Verkehr in Budapest als solcher etwas wilder ist als etwa im benachbarten Österreich, hat man als halbwegs geübter Fahrer keine größeren Probleme, sich flüssig mitzubewegen. Dennoch hat Budapest die üblichen Großstadtprobleme. Rush Hour, teils enge Straßen und Parkplatzknappheit führen dazu, dass man das Auto als Verkehrsmittel noch mal neu bewertet.

Budapest verfügt zudem über ein solide ausgebautes Nahverkehrsnetz. In die Innenstadt selber kommen wir mit dem Bus. In der Stadt selber bieten sich auch Omnibus und Straßenbahn an. Die Tickets dafür sind günstig, allerdings nicht im Bus zu erwerben! An quasi jeder Haltestelle (sofern keine Baumaßnahmen oder ähnliches stattfinden) befinden sich Fahrkartenautomaten. Sehr praktisch ist an dieser Stelle auch, dass das komplette Nahverkehrsnetz der Stadt in Google Maps integriert ist. Linien, Verbindungen, Umsteigemöglichkeiten und Abfahrtszeiten sind integriert und haben auch immer fast genau gestimmt.

Das gilt gleichwohl auch für die andere sinnvolle ÖPNV-Option – die U-Bahn. Das knapp 40 km lange Netz mit 52 Stationen verbindet nahezu die komplette Innenstadt miteinander. Die Taktungen sind auch hier eng und die Tickets günstig. Besonders im kalten Winter bietet U-Bahn auch eine schöne Möglichkeit, um sich ein paar Minuten lang aufzuwärmen.

Aber auch auf ungewöhnlichere Verkehrsmittel trifft man in Budapest. Da es, zumindest westlich der Donau, sehr hügelig zugeht, müssen auf kurzen Strecken teile große Höhenunterschiede überwunden werden. Dafür eignet sich z. B. die Standseilbahn am Burgberg, die die Einheimischen Budavári Sikló nennen. In der elektrisch angetriebenen Kabine legt man einen Höhenunterschied von 51 Metern auf einer Neigung von 48 % zurück. Besonders die Fahrt von unten nach oben ist zu empfehlen, da sich während dieser ein zunehmend beeindruckenderer Panorama-Blick auf das andere Donauufer bietet.

Offizielles, Alt-Ehrwürdiges und geniale Perspektiven – In Buda

Oben, auf den Hügeln Budas, angekommen, bestaunt man natürlich zunächst die grandiose Aussicht. Rund um die Bergstation der Seilbahn hat man eine hervorragende Perspektive auf die Kettenbrücke und das ungarische Parlamentsgebäude – beides ikonische Bauten. Hier sollte man keinesfalls die Kamera vergessen. Im Optimalfall hat man sogar ein Stativ dabei, denn rund um die blaue Stunde und auch nachts können hier beeindruckende Fotos entstehen.

Vor laute Geknipse fällt erst einmal gar nicht auf, dass man sich direkt vor dem Präsidentenpalast befindet, dem Zuhause des ungarischen Staatsoberhauptes János Áder. Wir erkunden weiter den Burgberg, der im Prinzip ein kleines Dorf umschließt. Die historischen Häuser mit ihren niedlichen, bunten Fassaden sind nicht nur nett anzusehen, sie vermitteln auch ein authentisch-mittelalterliches Bild. Sie sind allesamt sehr gut gepflegt und erhalten, der Qualitätsstandard ist hoch.

Dass es sich dabei jedoch nicht um ein Freiluftmuseum handelt, wird schnell klar. Wir waren scheinbar am Entrümpelungstag da, denn überall lag Sperrmüll, offenbar von den Bewohnern der Häuser. Dabei sind stellenweise fast regelrechte Kämpfe ausgebrochen, wer das Material denn jetzt einladen darf. Dabei waren unter anderem Transporter aus Rumänien und der Ukraine.

Aber das war nicht die einzige bemerkenswerte Erscheinung.  Vor dem Rathaus und dem benachbarten militärgeschichtlichen Archiv war allerlei Kriegsgerät aufgefahren. Dabei ist mir leider jedoch unklar geblieben, ob das als Attraktion, zur Besuchergewinnung oder zur Abschreckung diente :D. Eine Mahnung zum maßvollen Umgang mit dererlei Möglichkeiten befindet sich direkt gegenüber – die Mária Magdolna Torony (Maria-Magdalena-Kirche). Das Gotteshaus wurde 1944 weitgehend zerstört – nur der Turm ist erhalten geblieben.

Das Bauwerk, wegen dem die meisten Besucher auf den Burgberg kommen, ist jedoch ein anderes, nämlich die weltberühmte Fischerbastei. Das Monument verdankt seinen Namen der Location an der früheren Stelle des Fischmarkts. Es erhebt sich über der Donau und bietet nicht nur einen beeindruckenden Blick auf selbige, sondern ist selbst eines der größten Wahrzeichen der Stadt und Pflichtprogramm bei einem jeden Erstbesuch.

Die Budaer Seite der Stadt glänzt mit ihren Palästen, ihrem Mittelaltercharme und auch etwas Protz und Prunk. Ein bisschen erhaben liegt sie da, in vielerlei Hinsicht ;). Auch die Preise, etwa für einen zünftigen Langos, sind hier etwas gehobener. Nichtsdestoweniger muss ein Ausflug auf den Burgberg unbedingt im Reiseprogramm Platz finden, und sei es alleine des Blicks ins Tal und auf die andere Seite der Stadt wegen.

Bunter, jünger, wilder – In Pest

Genau dahin führt uns auch der nächste Weg. Wir überqueren die Donau zu Fuß und nutzen dafür die Kettenbrücke. Nicht nur, weil sie vom Burgberg aus die direkteste Verbindung darstellt, sondern auch weil sie aus der Nähe mindestens ein genau so schönes Fotomotiv ist wie von oben. Davon machen wir zunächst ausgiebig Gebrauch, oder so ausgiebig es die kalten Finger noch zulassen :D.

Wir starten unsere Erkundungstour im Zentrum, am Károly krt – dem Platz, an dem wir auch mit dem Bus zuerst in der City angekommen sind. Auch hier, mitten in der Innenstadt, ist zunächst noch relativ viel von Glanz und Gloria zu sehen. Beeindruckende Gebäude wie die St.-Stephans-Basilika laden zum Erkunden und Bestaunen ein. Allerdings fällt durchaus auch auf, dass hier tendenziell der “Lack” schon etwas eher abblättert als jenseits der Donau. Besonders schön lässt sich dieser Effekt auf einem Spaziergang entlang der Andrássy út beobachten – einem Boulevard, der von der Innenstadt durch das Botschaftsviertel bis hin zum Heldenplatz führt.

Der Spaziergang beginnt an der prunkvollen und liebevoll restaurierten Basilika und führt 2,5 km lang immer geradeaus die vierspurige Straße entlang. Links und rechts des Weges befinden sich Prachtbauten aus verschiedenen Epochen und leider auch mit extrem unterschiedlichem Erhaltungsgrad. Während am Anfang die Bausubstanz noch sehr gut ist, sind viele Häuser rund um den Kodály körönd, einem Platz auf rund 2/3 der Strecke, teils seit vielen Jahren vernachlässigt und vom Einsturz bedroht. Das ist wirklich schade, denn die Fassaden lassen mit ihren verspielten Ornamenten und Details noch den Glanz vergangener Tage erahnen, wenn auch auf eine eher morbide Art und Weise. Für reichlich Fotomotive ist in jedem Fall gesorgt.

Mit zunehmender Nähe zum Heldenplatz steigt auch die Dichte der Diplomatenkennzeichen. In der Ecke befinden sich die Vertretungen etlicher Länder, unter anderem Albanien, Serbien und Russland. Ähnlich prunkvoll wie am Anfang geht es auch am Ende des Spaziergangs zu. Auf dem Heldenplatz beeindrucken das Helden- und das Milleniumsdenkmal, von Verfall keine Spur. Die kleine Tour verschafft einen schönen Querschnitt an Eindrücken quer durch die wechselhafte Geschichte der Stadt.

Dass Ruinen aber nicht zwingend etwas Schlechtes sein müssen, beweist Pest andernorts. Ein paar Kilometer weiter, im jüdischen Viertel, findet man neben der prachtvollen Synagoge auch sogenannte Ruinenbars. In einem Konglomerat aus Hinterhöfen, alten Wohnungen und Nebengebäuden wurden, früher teils illegale, Bars eingerichtet, die sich heute bei Touristen wie Einheimischen großer Beliebtheit erfreuen.

Wir kehren ein ins Szimpla Kert, sowas wie den Prototyp der Ruinenbar. Mit Passieren des Eingangs tauchen wir ein in ein unübersichtliches Geflecht aus Bars, Foodmarkt, Event-Location. Die Betreiber haben sich große Mühe gegeben, mit Tausenden kleiner Accessoires eine sehr wilde, einzigartige Atmosphäre zu schaffen. Aus diesem Grund wird die Location abends auch als Club genutzt und ist so gut besucht, dass wir unseren Besuch dann doch lieber auf den Nachmittag verlegt haben ;). In jedem Fall lohnt es sich, eine Ruinenbar zu besuchen und das sehr individuelle Flair einzuatmen. Sie sind zudem ein hervorragendes Beispiel, wie Budapest die Brücke schlägt zwischen Geschichte und Moderne!

Deftig, Ehrlich, Lecker – Das Essen

Ein Nachteil von Bars in halbverfallenen Häusern – jedenfalls im Februar – ist aber leider die Temperatur, denn die meisten Räume sind mehr oder weniger offen. Es wird Zeit, sich aufzuwärmen, am besten mit einer zünftigen, warmen Mahlzeit. Da ist man in Budapest natürlich bestens aufgehoben – es wird Zeit für Gulasch! Egal ob als Hauptgericht über z. B. Nudeln oder als kleine Suppe zwischendurch – die liebevoll über viele Generationen verfeinerte Fleischspeise wärmt nicht nur von innen und gibt Kraft für den nächsten Ausflug, sie ist auch überaus schmackhaft :D. Kleiner Tipp: Den besten Gulasch für mich gab es bei Véndiák Étterem.

Wem die ungarische Hausmannskost zu profan erscheint oder wer sich am letzten Urlaubsabend nochmal was gönnen möchte, der kann natürlich auch weiter oben in der Preisskala einsteigen. Budapest offeriert eine adäquate Auswahl an Restaurants mit gehobener Küche. Wir kehren ein in Kacsa Étterem, wo nicht nur liebevoll kuratierte und zusammengestellte Menüs gereicht werden, sondern auch noch eine traditionelle Atmosphäre herrscht und Live-Entertainment am Piano und der Geige den Abend bereichert. Für mich gibt es Kalbsmedaillons mit Knoblauch-Spinat und gerösteten Kartoffelpuffern – mmhhhhh – und dazu ein gutes Glas schweren Rotweins. Ja, so lässt es sich leben. Auch wenn das Haus sicher zu den gehobeneren in Budapest gehört, sind die Preise für deutsche Verhältnisse durchaus vertretbar. Mit Trinkgeld und einem kleinen Dankeschön für den Piano Man waren wir zu zweit bei knapp 80 €.

Wo es gerade edel zugeht, braucht man vielleicht auch noch etwas Adäquates für den Nachtisch oder auch für den kleinen, süßen Nachmittagshunger. Budapest, als ein ehemaliges Zentrum der großen Doppelmonarchie, teilt durchaus auch einige Charakterzüge mit Wien – etwa die Affinität zur klassischen Kaffeehauskultur. Wir begeben uns ins Café Central, wo man zwar Speisen für alle Tageszeiten anbietet, sich aber klar den Kaffee- und Kuchenspezialitäten verschrieben hat – und das seit 1887. Mit seinem Deckenstuck, den Kronleuchtern und schweren Holzmöbeln wirkt die Atmosphäre sehr kaiserlich und entspannt. Die Hektik bleibt quasi in der Kälte, draußen vor der Tür.

Aber es müssen auch zur Ernährung nicht zwingend Restaurants und Cafés sein. Leuten, die entweder Streetfood vorziehen oder sich selber versorgen wollen, sei ein Besuch der Großen Markthalle an der Freiheitsbrücke (Nagy Vásárcsarnok, ) ans Herz gelegt! Im Untergeschoss der 1897 fertiggestellten Halle bieten Händler allerlei, meist landestypische, Waren an. Seien es etwa Paprika in verschiedensten Formen, Käse, Wurst sowie frisches Obst und Gemüse und vieles andere mehr. Es sollte kein Problem sein, sich hier für ein zünftiges Abendessen einzudecken. Im Obergeschoss findet man, neben etlichen Ständen mit unnützem Ramsch und Kitsch, eine großzügige Auswahl an Imbissen, die ebenfalls zünftig-ungarische Küche servieren. Von hier aus kann man beim Essen auch schön die einzigartige Architektur bestaunen oder – wohl bekomm’s.

Die ungarische Küche trifft nicht nur unseren Geschmack ziemlich gut, sondern war uns in den kalten Tagen unseres Besuchs immer wieder auch Motivation, weiter durch den ungarischen Winter zu stapfen. Das Aufwärmen und Kraftspenden hat sie hervorragend erledigt und auch geschmeckt hat es super. Allerdings wären mir persönlich auf Dauer die großen Fleischportionen und der oft doch recht hohe Fettgehalt zu viel, aber für ein paar Tage nehme ich gerne, was die landestypische Kulinarik so hergibt :D.

Heilung und Wärme auch von außen – Das Gellértbad

Von innen gut gewärmt zu sein, ist also kein größeres Problem – aber von außen?! Als günstig, um wieder auf Temperatur zu kommen, erweist sich der Umstand, dass Budapest die einzige Großstadt der Welt ist, in der zahlreiche Thermalquellen sprudeln. Aus über 100 solcher Quellen entspringt teils bis zu 80° heißes Mineralwasser, welchem heilende Kräfte zugeschrieben werden. Wir begeben uns zum Eingang des bereits erwähnten Hotels Gellért, welches uns in opulentem Jugendstil begrüßt. Seine großzügigen Dimensionen und die Premiumlage in erster Donaureihe am Kopf der Freiheitsbrücke machen es direkt unverkennbar. Zugegeben, außerdem steht in riesigen Lettern “GELLÉRT” auf dem Dach :D.

Neben dem eigentlichen Hotel beherbergt der Komplex auch das Gellért-Bad, eines der ältesten Thermalbäder der Stadt. Auch als Tagesgast kann man die Quellen genießen, der Eintritt ist mit rund 20 € pro Person jedoch nicht ganz günstig. Wir gönnen uns das als Wellnessprogramm und legen los. Schon in der Vorhalle mit ihrer beeindruckenden Architektur und den Glaskuppeln kommt man gut ins Staunen! Das Bad selber besteht aus 3 Bereichen. Im Whirlpoolbereich gibt es einen kleinen solchen und auch ein großes Becken – in dem allerdings die Badekappenpflicht streng durchgesetzt wird!

Neben einem Außenbereich, den wir aufgrund der zweistelligen Minusgrade eher meiden, kommt man wohl in erster Linie wegen der Thermalbecken. Von diesen gibt es 8 an der Zahl mit unterschiedlichen Temperaturen von lauwarmen 21° C bis hin zu ordentlich durchwärmenden 40. Das Wasser enthält Natrium, Fluorid-Ion, Kalzium-Magnesium-Hydrogenkarbonat sowie Sulfat-Chlorid und hilft in erster Linie gegen “Gelenkentzündungen und Verschleißerscheinungen des Bewegungsapparates”. Wie nachhaltig fundiert diese Aussage ist, vermag ich nicht zu beurteilen, meinem verknacksten Fuß, mit dem ich an dem Wochenende zunehmend zu kämpfen hatte, ging es nach einer Stunde im 40°-Becken allerdings merklich besser.

Sei es wegen der heilenden Kräfte, der beeindruckenden Architektur innen und außen oder einfach nur zum Aufwärmen oder um im Whirlpool zu chillen – im Gellért-Bad ist man gut aufgehoben, wenn man ein paar Stunden Ruhe und Entspannung sucht.

Anziehende Gegensätze – Ein Fazit

So schnell können sie vorbei sein, 4 Tage in Budapest. Es war ein sehr, sehr spannender Besuch, der nicht nur dazu gedient hat, alte Erinnerungen aufzufrischen und alte Eindrücke zu bestätigen, sondern vor allem dazu, viele neue zu sammeln. Budapest präsentiert sich als Stadt der Gegensätze. Man erkennt deutlich, dass hier im Laufe der Jahrhunderte mit Buda und Pest zwei doch recht unterschiedliche Stadtteile zusammengewachsen sind. Während Buda auf den Hügel über der Donau etwas Klassisch-Herrschaftliches verströmt, geht es in Pest insgesamt etwas wilder und mit mehr Augenzwinkern zu.

Dabei demonstriert die ungarische Hauptstadt aber eindrucksvoll, dass sich diese Gegensätze nicht stören müssen. Im Gegenteil, sie ergänzen sich zu einem sehr kontrast- und facettenreichen Stadtbild, welches so ein einzigartiges Flair erzeugt. Trotzdem Budapest als Millionenstadt natürlich auch einen gewissen Puls hat, so ist dieser doch immer auch relativ ruhig und zurückhaltend. Hier ist noch ein Hauch der Kaiserzeit hängengeblieben – übermäßiges Hetzen würde ja eine gewisse Eleganz vermissen lassen ;). Das finde ich durchaus sehr angenehm!

Die deftige Küche und die manchmal leicht brummig-wortkargen, aber herzlichen und gastfreundlichen Locals runden dabei den Aufenthalt zu einem absolut stimmigen Gesamteindruck ab! Einzig das kalte Wetter hat die Erkundungsfreude etwas geschmälert, obwohl ich mir sicher bin, dass Budapest zu jeder Jahreszeit seinen Reiz hat. Einen Besuch ist die Stadt in jedem Fall wert – 2019 genau so wie schon vor 20 Jahren :).

Jó utat!

P.S. Falls euch der Artikel Lust auf einen kleinen Trip in die Donaumetropole gemacht hast, kommt doch einfach mit! Die #OTRAllye2019 führt an Christi Himmelfahrt nach Ungarn und wir verbringen zwei Nächte in Budapest. Wenn ihr Bock habt dabei zu sein, bewerbt euch einfach: #OTRAllye2019: Hardfacts & Bewerbungsphase

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