Kurztrips

Klein aber oho! Eine Woche Portugal (1/2) – Die Städte

von Robert 28. August 2016 0 Kommentare

Mitte Juni … der Sommer ist noch nicht in Deutschland angekommen. Der letzte Kurzurlaub liegt auch schon wieder Monate zurück, aber der „Große“ lässt natürlich noch auf sich warten. Die perfekte Zeit für einen kleinen Ausflug, gerne in den Süden. Aber wo soll’s denn hingehen? Frankreich und Italien hatten wir bei der Rallye, den Balkan auf der letzten Sommertour, Spanien beim Holiwork … hmmm. Bleibt zunächst gar nicht mehr soviel Süden übrig, wäre da nicht ein kleines Land im äußersten Südwesten Europas – die Republik Portugal! Das kleine und zu unrecht bei der Reiseplanung oft übersehene Land hat bereits 2014 kurz unsere Aufmerksamkeit geweckt, als wir eine knappe Woche in der wunderschönen Hauptstadt Lissabon verbracht haben. Schon damals waren wir von Land und Leuten fasziniert und hatten beschlossen, uns den Rest irgendwann nochmal genauer anzuschauen. Im Juni, im Gegensatz zum November, fliegt TAP auch ab Schönefeld – ab geht’s!

Zurück in der Stadt des Lichts – Lissabon revisited

Die fünf Tage, die wir 2014 bereits hier verbracht hatten, haben natürlich nicht ausgereicht, um die Stadt in all ihren zahlreichen Facetten zu erfassen. Da die Flüge von Berlin ohnehin nach Lissabon gehen, nutzen wir die Gelegenheit und verbringen direkt ein Wochenende in der Hauptstadt, um ein paar Lücken zu füllen, die bei unserem letzten Besuch offen geblieben waren. Da wir uns dieses mal nur zwei Tage hier aufhalten, verzichten wir auf eine Ferienwohnung und checken stattdessen ins Hotel Florida ein. Das Viersterne-Haus ist ein bisschen in die Jahre gekommen, aber preislich total in Ordnung und besticht vor allem durch sehr freundliches und hilfsbereites Personal sowie seine hervorragende Lage, nur wenige Gehminuten von der City und den größten Plätzen entfernt.

Na dann gehen wir mal los … während wir uns beim letzten Besuch eher in Alfama und Baixa aufgehalten haben, liegt der Fokus diese Mal vorrangig auf Bairro Alto bzw. Chiado. Schon auf den ersten Metern empfängt uns die Stadt im gewohnten Detailreichtum für alle Sinne, der sich schon bei unserem ersten Besuch in die Erinnerung eingebrannt hat. Die blühenden Bäume, die bunten Fassaden, die steilen, engen Gassen … und das alles in ein wunderbar weiches, mediterranes Licht getaucht. Oh ja, unverkennbar Lissabon. Die Stadt versteht es einfach wie kaum eine zweite, jahrhundertelange Tradition mit dem modernen Großstadtleben in Einklang zu bringen und beeindruckt damit an jeder Straßenecke.

Unser erster Anlaufpunkt ist der Miradouro São Pedro de Alcântara. Von dem beliebten Aussichtspunkt aus hat man nicht nur einen beeindruckenden Ausblick über die Altstadt und somit (besonders in der Abendsonne) ein sehr lohnendes Fotomotiv. Er ist auch gern genutzter Treffpunkt für laue Sommernächte und Veranstaltungen. An unserem Wochenende in Lissabon findet dort ein kleines Volksfest statt, mit Fressbuden, Livemusik, reichlich Alkohol und viel ausgelassener Stimmung. Mehrfach mischen wir uns unter das Partyvolk und genießen die reichhaltig angebotenen Speisen :D.

Panorama vom Miradouro de São Pedro de Alcântara

Aprospos Essen … auch auf diesem Trip haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, uns ausgiebig mit der lokalen Küche zu befassen. Das bedeutet in Portugal, neben der Vielfalt an leckeren Törtchen und Gebäck, vor allem eines: Fisch, Krustentiere und Meeresfrüchte! Erster Anlaufpunkt für ein ausgiebiges Fischmahl an beiden Abenden war hier die uns bereits wohlbekannten Marisqueira M – eines der besten Fischlokale in Lissabon und das zu vertretbaren Preisen. Wir kehren ein und bestaunen schon in der Auslage die Vielfalt und Frische des Angebots. Wer Meeresfrüchten auch nur ein bisschen was abgewinnen kann, wird den Laden lieben.

Wir entscheiden uns für den Meeresfrüchtereis, Königskrabbenbeine mit Buttersauce und am nächsten Abend für die große Meeresfrüchteplatte mit Garnelen, Hummer und vielem mehr. Alles ist extrem lecker und von unschlagbarer Qualität. Wir haben schon in vielen Ländern Meeresfrüchte gegessen … sei es Spanien, Italien, Frankreich oder auch Dänemark – und sie sind überall gut, aber Portugal hat hier immer noch einen kleinen Tick die Nase vorn. Es scheint durchaus seine Vorteile zu haben, wenn der Atlantik unmittelbar vor der Haustür liegt :).

Unsere Erkundungstour konzentrierte sich dieses Mal auf den Westen der Stadt. Immer am Tejo entlang wandern wir in Richtung Belém. Unterwegs begegnen uns viele Sportler, Angler und vor allem Leute, die einfach nur am Flussufer die Sonne genießen. Außerdem bietet sich ein hervorragender Blick auf die Brücke des 25. April (Ponte 25 de Abril) – deren Silhouette der der Golden Gate Bridge gleicht. Dahinter wacht die Christusstatue über Brücke und Stadt, ähnlich wie die in Rio de Janeiro. Ja, auch am Fluss geht es sehr international zu :).

In Belém angekommen, fällt in erster Linie die große Dichte an historischen Gebäuden auf. In dem relativ kleinen Viertel befinden sich unzählige Kulturgüter, die es zu besichtigen lohnt. In erster Linie genannt seien hier der Palácio Nacional de Belém – der Sitz des portugiesischen Präsidenten -, das Mosteiro dos Jerónimos – ein opulentes wie ehrwürdiges Kloster – und der Torre de Belém – der ikonische, alte Wachturm in der Tejo-Mündung. Wir allerdings sind wegen einer anderen Sehenswürdigkeit gekommen.

Das Nationalgebäck Portugals, die Pasteis de Nata (kleine Blätterteigtörtchen mit Pudding gefüllt, die mit Zimt und Zucker gereicht werden – awesome!) wurden angeblich hier im Kloster erfunden. Gleich nebenan ist die Bäckerei, die die Pasteis de Belém, wie sie hier im Original heißen, nach alter Tradition herstellt und verkauft. Man erkennt sie an der unglaublich langen Schlange. Ein Besuch im Viertel ist natürlich nicht komplett, ohne ein paar ofenfrische Pasteis zu sich genommen zu haben – anstellen und genießen! Kleiner Tipp an der Stelle: aufgrund der Masse von Leuten, die sich durch das kleine Lädchen quetschen, empfiehlt es sich den Verzehr in den nahegelegenen Park zu verlegen. Hier kann man die Pasteis ganz entspannt in der Sonne genießen.

Die restliche Zeit der, natürlich viel zu kurzen, zwei Tage verbringen wir in erster Linie mit dem Schlendern durch die Gassen und dem Genießen und Verarbeiten der facettenreichen Eindrücke. Unser Aufenthalt in der Hauptstadt neigt sich damit auch dem Ende entgegen und hat mal wieder alle Erwartungen übertroffen. Lissabon hält bei jedem Besuch neue Überraschungen und unbekannte Ecken bereit und ist aufgrund seiner Eindrucksdichte immer eine Reise wert.

Es wurde also Zeit, den Rest den Landes zu erkunden. Dazu musste natürlich zunächst ein geeignetes Gefährt beschafft werden, doch das stellte sich leider als komplizierter heraus als man gemeinhin denkt. Bereits Wochen im Voraus hatten wir eine Reservierung für ein mittelgroßes Cabrio bei Sixt eingespielt. Also einfach fix zum Flughafen fahren, Schlüssel mitnehmen und ab auf die Bahn? Oh, aber doch nicht bei Sixt Portugal. Hier darf man eine Nummer ziehen, mit Dutzenden anderen genervten Kunden zwei Stunden warten, dann nochmal eine halbe Stunde lang etliche Formulare ausfüllen, um dann anstelle des eigentlich vereinbarten 4ers mit einem nicht ausgestatteten 130PS A5-Auslaufmodell mit Eingang-multitronic vom Hof zu fahren. Öhm ja. (Die ganze Story gibt es bei Mietwagen-Talk.de).

Audi A5 S-Line CabrioMit 3 Stunden Verspätung machen wir uns also auf den Weg und legen die rund 300 km nach Porto zurück – oder besser bis in den Vorort Ovar, wo wir ein kleines, modern renoviertes Landhaus als Unterkunft für die nächsten 5 Tage beziehen. Trotzdem die Gegend eher mit ländlichem Charme begeistert, ist die Unterkunft durchaus zu empfehlen. Wer ebenfalls dort einziehen möchte, oder ein paar Bilder sehen, kann dies auf fewo-direkt.de tun.

Kompakter, bunter, wilder – Porto

Auf den ersten Blick hat die zweitgrößte Stadt des Landes viel mit der großen Schwester Lissabon gemeinsam. Sie ist sehr hügelig, bunt und eindrucksreich und sie liegt an einem Fluss. Der Vergleich hält allerdings nur anfangs stand, denn nach nur wenigen Minuten spürt man deutlich, dass, auch wenn es Ähnlichkeiten gibt, Porto seinen ganz eigenen Charme versprüht. Der Douro, der sich hier unter diversen Brücken an der Stadt entlang schlängelt und Porto von Vilanova de Gaia trennt, prägt das Stadtbild erheblich. An beiden Seiten des Flusses säumen Cafés, Restaurants und Promenaden das Ufer und laden zum Verweilen ein und dazu, die gemütliche portugiesische Lebensart zu genießen.

Ponte Luís I am Douro, PortoNach dieser entspannten Art, einen ersten Eindruck von Porto zu bekommen, empfiehlt sich natürlich ein Rundgang durch die Altstadt. Auch hier kann man Parallelen zu Lissabon erkennen. Die bunten Fassaden, die teils engen Gassen und das hügelige Stadtbild lassen sich in beiden Städten finden. Die Portugiesen zeichnen sich durch eine gelassene Geschäftigkeit aus. Alle gehen gewissenhaft ihren Tätigkeiten nach, aber ohne dabei einen Anflug von Hektik aufkommen zu lassen.

In diesem Punkt lässt sich Porto also gut mit Lissabon vergleichen, obwohl es nochmal eine Nummer beschaulicher ist. Darüber hinaus fühlt sich die Altstadt von Porto aber noch spürbar kompakter und bunter an. Es gibt mindestens genauso viel zu entdecken wie in der Hauptstadt, aber auf deutlich engerem Raum. So kommt man an nahezu jeder Straßenecke ins Staunen. Alte Kirchen neben neuen Appartmenthäusern, liebevoll renovierte Jugendstilaltbauten neben verfallenen Häusern.

Was außerdem noch ins Auge fällt ist die Streetart-Szene. Kaum eine Fläche, die sich dafür anbietet, bleibt ungenutzt, sondern wird kunstvoll mit der Spraydose verziert – seien es Stromkästen oder ungenutzte Fassaden. Auch das trägt dazu bei, dass die Stadt immer bunter wird und – wie es Portugal als Land hervorragend versteht – Traditionen bewahrt werden, ohne sich dem Neuen zu verschließen.

Von staatlicher Seite wird das nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert, z.B. mit der Organisation von Ausstellungen oder indem Flächen zur Verfügung gestellt werden. Von dieser lockeren und gleichermaßen sinnvollen Einstellung der Behörden können sich viele andere europäische Städte, in denen Grafitti und ähnliche Kunstarten aufgrund des strengen Reglements eher zu Vandalismus verkommen, ruhig eine Scheibe abschneiden.

Neben der Wanderung durch die verwinkelten Gassen und über die vielen Hügel bietet es sich an, den Blick auf die Altstadt nochmal im Ganzen zu genießen. Dies kann man z.B. von der Ponte Dom Luís I hervorragend tun. Das  beeindruckende hohe Bauwerk verbindet Porto mit Vilanova de Gaia – für die Autos unten und oben für die Straßenbahn. Als Fußgänger kann man die Brücke auf beiden Ebenen überqueren, obschon man für die obere schwindelfrei sein sollte, denn die Brücke hat eine Höhe von beachtlichen 45 Metern. Außerdem wackelt der Stahl nicht unerheblich, wenn die Straßenbahn vorbeifährt. Allerdings wird man – besonders im Abendlicht – mit einem fantastischen Panoramablick über den Douro und die Altstadt belohnt. Die Brücke und ihre vielen Schwestern kann man im Übrigen auch vom Wasser aus bestaunen. Entlang des Ufers werden zahlreiche Bootstouren angeboten, unter anderem die „Six Bridges Cruise“, die, wie der Name schon sagt, unter 6 Brücken durchführt.

Eine weitere Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen, stellt das andere Douro-Ufer dar. Zum einen wird auf der anderen Seite des Flusses  ebenfalls die Portweinkultur zelebriert. In vielen Bars, Weinkellern und Restaurants lässt sich hier das dunkelrote, süße Kulturgut verkosten. An gefühlt jeder zweiten Ecke wird man dazu angeregt und eingeladen, an einer Verkostung oder Führung teilzunehmen. Außerdem wird auch hier die Tradition wieder hochgehalten, denn die teils jahrhundertealten Schiffe, mit denen die Fässer über den Fluss transportiert wurden, liegen immer noch vor Anker und können bestaunt werden.

Das Südufer des Douro und die Brücke sind im Übrigen durch die Seilbahn Teleférico de Gaia verbunden. Für angemessene 5€ für die einfache Fahrt bzw. 8€ für den Roundtrip kommt man nicht nur bequem und zügig zur Brücke – man kann auch erneut einzigartige Ausblicke auf Stadt, Fluss und Dächer genießen. Auch hier sollte man einigermaßen schwindelfrei sein oder vielleicht vorher an der Portweinprobe, zu der man selbstverständlich auch hier eingeladen wird, teilgenommen haben ;).

Die Seilbahnfahrt im Abendlicht und der anschließende und abschließende Rundgang durch die Stadt runden unseren Aufenthalt in Porto ab. Wer Portugal erlebt haben will, kommt keinesfalls um einen ausgiebigen Besuch der kleinen Dourometropole herum. Plant einen, besser zwei Tage für die Besichtigung ein – es lohnt sich.

Stay Tuned – nächste Woche geht’s landeinwärts!

In diesem Artikel haben wir uns mit den beeindruckend bunten und vielseitigen Städten des Landes auseinandergesetzt. Lissabon und Porto prägen den Eindruck von Portugal natürlich ganz erheblich. Aber selbstverständlich wäre eine Portugalreise nicht komplett, wenn man sich nicht auch mit der Natur beschäftigt und das Landesinnere bereist. Im nächsten Artikel befassen wir uns daher ausführlich mit der abwechslungsreichen Landschaft, der Weinkultur und geben Tipps, was sich noch zu besichtigen lohnt. Bis dahin!

Pacheca Weinberg, Lamego

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