Kurztrips

Der alte Winter, in seiner Schwäche …

von Robert 19. Februar 2014 0 Kommentare

Ach, was ist das nur für ein Trauerspiel dieses Jahr. Mitte Februar und es sind 10°, wechselhaft bewölkt. Schnee ist in Mitteldeutschland weit und breit keiner in Sicht. Der außerordentlich milde Winter 2013/2014 hat uns bis jetzt gerade mal ein oder zwei echte Schneetage beschert und die weiteren Aussichten sind doch eher mau.

Wie sollen wir denn unseren Allrad-Freunden den nötigen, artgerechten Auslauf ermöglichen? An einem Wochenende Ende Januar haben wir zumindest den A4 und den 3er mal aus dem Stall geholt und uns auf die Suche nach weißem Untergrund begeben.

Im Flachland weit und breit kein Glück … wenn hier irgendwo Schnee liegt, dann im Erzgebirge. Und in der Tat, auch wenn es nicht viel war, ein bisschen was zum Spielen war dann doch gefunden. So hat sich die Anreise über die schönen Landstraßen der Region also im doppelten Sinne gelohnt :). Da wir mit zwei interessanten Autos unterwegs waren, die auf der einen Seite recht gleich, auf der anderen doch ziemlich verschieden sind, stellte sich schnell die entscheidende Frage:

quattro oder xDrive?!

Es sei hier vorausgeschickt, dass die Bedingungen leider nicht ausreichend waren, um einen objektiven Vergleichstest durchzuführen, obwohl wir dies sehr gern getan hätten :(. Trotzdem möchten wir zu dieser Thematik auch gerne ein paar Worte verlieren, da wir inzwischen auf ein paar Jahre Erfahrung mit beiden Allradsystemen, vor allem im Winter, zurückblicken können.

Audi A4 und BMW 3er am Schneeberg

Sollte uns der Winter nochmal in angemessener Pracht beehren, so reichen wir gerne nochmal einen ausführlichen Bericht, falls möglich auch mit Video, nach. Für den Moment müssen einige schriftliche Eindrücke leider genügen. Beginnen wir mit dem Herausforderer aus München.

xDrive – „100 % Fahrfreude bei maximaler Sicherheit“

BMW steht mit dem „Standardantrieb“, also Motor vorne, Antrieb hinten von Haus aus etwas mehr in der sportlichen Ecke. Ist das mit Allrad auch noch so? Beim Allradsystem xDrive versucht BMW nun die Fahrsicherheit mit dem Fahrspaß zu verbinden. Der Antrieb ist daher im allgemein etwas agiler ausgelegt als das Konkurenzsystem von Audi. Dies ist allerdings insofern etwas riskanter, als das BMW doch ein paar Jährchen in der Entwicklung hinterher ist – und das spürt man.

BMW 335d xDrive im Schnee

Die beworbene Dynamik wird in erster Linie dadurch erreicht, dass xDrive deutlich näher am Grenzbereich arbeitet als quattro. Man hat merklich weniger Rückmeldung und bekommt immer suggeriert das noch ein Stückchen mehr geht – solange, bis relativ schlagartig ausgebrochen oder untersteuert wird. Auf der Straße kann das zu gefährlichen Situationen führen und im Schnee zu einem Mangel an Kontrollierbarkeit.

Nichts desto trotz ist xDrive ein gutes Allradsystem, welches insbesondere bei Beschleunigung und bei der Kurvendynamik auf trockener Straße eine gute Figur macht – solange man den schmalen Grenzbereich einzuschätzen weiß. Mit ausreichend Übung und Erfahrung kann man auch den etwas hektischen xDrive-Antrieb sehr schön präzise um die Kurven zirkeln. Positiv zu betonen ist das BMW seinen Fahrern etwas mehr zutraut – man kann das volle xDrive Potential mit abgeschaltetem ESP auskosten.

quattro – „Trotzen Sie der Witterung“

Der Platzhirsch aus Ingolstadt lässt es da ruhiger angehen. Das wundert auch nicht, denn mit der jahrzehntelangen Erfahrung kommt auch eine gewisse Souveränität. Allerdings ist bei Audi der quattro-Antrieb „nötiger“ als bei BMW xDrive, da die Ingolstädter ja von Haus aus einen Frontantrieb verbauen. Hier stellt sich also nicht die Frage, ob ein Allradantrieb die Fahrdynamik senkt oder erhöht.

Audi A4 im Schnee bei untergehender Sonne

Die Entscheidung für quattro wird dann auch mit der angesprochenen Souveränität belohnt, welche das quattro-typische Fahrgefühl definiert. Mit quattro hat man jederzeit einen genauen Eindruck davon, wie der Fahrbahnzustand ist, wieviel Kurvenlage noch drin ist, oder wieviel Geschwindigkeit noch ratsam wäre. Quattro führt den Fahrer dabei deutlich behutsamer an den Grenzbereich und kündigt vor allem auch rechtzeitig an, wenn es zu viel wird.

Es fühlt sich immer sicher, vertrauenserweckend und nie hektisch an – wirkt dafür aber nicht ganz so dynamisch wie xDrive. Die Betonung liegt doch eher auf Stabilität und Fahrsicherheit, was sich auch in der etwas neutraleren Abstimmung zeigt. Das beudetet aber bei weitem nicht, dass der Audi undynamisch wäre. Einen ganz erheblichen Schnitzer leistet sich Audi dennoch: Das volle Potential darf quattro nicht entfalten, da sich das ESP nicht vollständig abschalten lässt – trotz anderslautender Meldung:

Audi MFA - ESC deaktiviert

Fazit … zumindest ein vorläufiges

In jedem Fall haben beide System ihre Vorzüge und repräsentieren gut die Philosophie ihrer jeweiligen Hersteller. Auch arbeiten beide auf einem technisch sehr hohen Niveau und nehmen sich bei normaler, alltäglicher Fahrweise nicht sonderlich viel. Selbstverständlich spielen auch persönliche Vorlieben bei der Wahl des richtigen Allradsystems eine Rolle. Aber – welches System ist nun „das bessere“ ?

Wenn man die beiden Allradler ein bisschen reizt, zeigt sich der individuelle Charakter relativ schnell. Während xDrive dynamischer wirkt, aber damit auch ein bisschen hektischer, ist quattro betont ruhig und auf Fahrsicherheit ausgelegt, ohne dabei unsportlich zu wirken.

Audi A4 und 3er BMW im Schnee

Allerdings spürt man bei quattro einfach, dass die Audi-Ingenieure in der Entwicklung von Allradantrieben erfahrener sind. Das System aus Ingolstadt wirkt runder, souveräner und in sich stimmiger als das Münchner Konkurrenzprodukt. Insbesondere die deutlich intensivere und feinfühligere Rückmeldung von Systemverhalten, Fahrbahnzustand und Optionen an den Fahrer muss hier im Vergleich als Punkt an den Audi gelten.

Die schlechtere „Dosierbarkeit“ ist gleichzeitig auch die größte Schwäche des xDrives. Man kommt sich sehr lange sicher vor – manchmal zulange. Das Limit kündigt sich zu spät an und legt das Schicksal, BMW-typisch, sehr in die Hände des Fahrers. Dies ist auf der anderen Seite der größte Schnitzer des Audi – er bevormundent manchmal ein wenig zu sehr, da das ESP hier doch lieber zu früh als zu spät eingreift.

Unter dem Strich ist man für dynamische Fahrten, insbesondere auf trockener Straße, mit xDrive sehr gut, vielleicht sogar besser bedient. Aber sowohl auf Schnee als auch insgesamt ist quattro das rundere, bessere und ausgereiftere System. Nicht nur, aber gerade im Winter, fällt meine persönliche Wahl daher klar auf die Audi-Variante, oder um es treffend zusammenzufassen:

„Das Maß der Dinge – sind vier Ringe!“

Audi A4 3.0 TDI quattro im Schnee

Auch wenn unser, etwas notdürftig improvisierter, Schneespaßtag nicht ganz die verhofften Winterfreuden gebracht hat, so haben wir dennoch an dem Tag ein paar interessante Eindrücke zum Entwicklungsstand der deutschen Allrad-Technik gewinnen können – und die „Freude am Fahren“ ist dabei sicher auch nicht zu kurz gekommen :).

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