Kurztrips

New York & ich: Kanalisierte Reizüberflutung – Aktivitäten (2/2) + Fazit

von Robert 7. April 2018 0 Kommentare

Sicher kann man ganze Buchbände über das Thema Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten in New York City schreiben. Verwunderlich ist das nicht, denn die Stadt verkörpert wie kaum eine Zweite den Spirit der “unbegrenzten Möglichkeiten”. Im letzten Artikel haben wir uns mit der Strukturierung der Optionen befasst, Manhattan als Gesamtkunstwerk kennengelernt und den kulturellen Teil mit Museumsbesuchen abgehakt. Stellvertretend für die vielen hundert anderen Highlights schauen wir uns in diesem Artikel in loser Reihenfolge sieben davon an und schließen die NYC-Reihe mit einem kleinen Fazit ab.

Mehr als nur Manhattan – Ausflug nach Brooklyn

Na klar denkt man bei “New York” zunächst an Wolkenkratzer, Avenues und die Skyline – die Markenzeichen von Manhattan. Auch wenn dies sicher das dichteste und vielleicht auch spannendste Borough ist, so würde man der Stadt doch unrecht tun, wenn man die anderen komplett vernachlässigt. Da es bei einem Städtetrip kaum machbar sein dürfte, alle Boroughs zu besuchen, haben wir uns exklusiv für Brooklyn entschieden. Zum einen ist es von Manhattan aus nahezu nahtlos zu erreichen (etwa zu Fuß, mit der Metro oder auch per Fähre) und zum anderen ist es derzeit “voll angesagt”. Nicht zuletzt kann man von hier auch die Brooklyn Bridge, als Wahrzeichen der Stadt ähnlich ikonisch wie die Freiheitsstatue, bestaunen und sieht  die Skyline Manhattans aus einer neuen Perspektive.

Wir fahren mit der U-Bahn vom Time Square aus unter dem East River hindurch nach Brooklyn. Dass das Viertel etwas anders ist, bemerken wir direkt beim Verlassen der U-Bahnstation, wo uns ein sehr gelassener und gutgelaunter Herr mit Gitarre und Verstärker zur Begrüßung ein kleines Ständchen bringt. Mit einer Stärkung zum Frühstück von La Bagel Delight begeben wir uns zum East River. Hier, zwischen der Brooklyn- und der Manhattan Bridge, hat man nicht nur einen wunderschönen Blick auf beide Brücken und die dahinter liegende Skyline…

Man befindet sich zudem noch in einer der hipsten Nachbarschaften. Der “DUMBO”-Distrikt, kurz für “Down Under (the) Manhattan Bridge Overpass”, ist ein mustergültiges Beispiel für Gentrifizierung. Aus alten, leerstehenden Warenhäusern und Fabriken werden schicke Großraumbüros und teure Lofts. Damit einher gehen aber auch steigende Grund- und Mietkosten, was nicht selten dazu führt, dass die alteingesessene Bewohnerschaft sich die Gegend nicht mehr leisten kann. Ob in dieser Entwicklung eher Gefahr oder Nutzen steckt, kommt stark auf die Perspektive an.

Die vielen liebevollen Details und die, im Vergleich zu Manhattan, gerade zu luftig-lockere Atmosphäre sind eine Attraktion für sich. Der eigentliche Star in der Nachbarschaft ist aber ganz klar die Brooklyn Bridge. Die insgesamt fast zwei Kilometer lange Hängebrücke überspannt frei fast 500 Meter und ist mit sechs Autospuren sowie Rad- und Fußwegen eine der wichtigsten Verkehrsadern (und Nadelöhre) in der Stadt. Umso erstaunlicher, dass das Bauwerk bereits 1883 eröffnet wurde. Wir überqueren die Brücke von DUMBO aus in Richtung Manhattan und staunen dabei über neue Perspektiven auf beide Ufer des East Rivers. Ein Vorhaben, für das man auch zumindest halbwegs schwindelfrei sein sollte, denn die Brücke hat eine lichte Höhe von über 40 Metern.

Bei dem Spaziergang lassen wir es uns nicht nehmen, sowohl von ihr als auch die Brücke selber ausgiebig zu fotografieren. Nach Ende des Rückwegs war sogar die Sonne soweit untergegangen, dass sich das gute Stück nochmal in beleuchtetem Glanz präsentieren konnte. Gerade auch abends hat man zudem in der Gegend eine große Auswahl an hippen Restaurants aller Couleur, die aber ein Stück bodenständiger und preiswerter sind als auf der anderen Seite des Flusses. Ein Ausflug in das Borough ist essentiell, um einen vollständigeren Blick auf die Stadt zu bekommen und lohnt sich vor allem dann, wenn man vielleicht gerade die Nase vom hektischen Manhattan etwas voll hat.

Die große Welt auf kleinem Raum – Besuch bei den Vereinten Nationen

Große Politik findet nicht nur im 400 Kilometer entfernten Washington, D.C. statt. Am FDR Drive streckt sich ein beeindruckendes Gebäude aus Glas und Beton gen Himmel, das sicher jeder schon mal in den Nachrichten gesehen hat – das Hauptquartier der United Nations (UN). Als politisch und geschichtlich interessierter Mensch hat man in New York die Chance, hautnah am Puls der Weltpolitik zu sein. Wir entscheiden uns für eine Besichtigung im Rahmen einer entsprechenden Tour  durch das UN-Headquarter.

Der Zugang zu den halb-öffentlichen Teilen des Geländes und die entsprechende Führung kann für $22 pro Person online gebucht werden. Einfach gemütlich reinspazieren kann man aber natürlich auch mit gültiger Reservierung nicht. Vielmehr muss man sich zunächst im Visitors Office registrieren. Das geht nur mit einem gültigen Ausweisdokument eines Mitglieds- oder Beobachterstaates – sorry Cook Islands. Neben der Sicherheitsüberprüfung, die anhand der Personalien durchgeführt wird, benötigt man das Ausweisdokument nicht zuletzt deswegen, weil man quasi das Land verlässt. Das Gelände des UN-Hauptquartiers befindet sich technisch gesehen auf extraterritorialem Gebiet und somit jenseits der Grenzen von New York und den USA. Außerdem spannend: Wenn ihr zu mehreren Personen das UN-Gelände betretet, ist einer von euch der “Host” und die anderen sind seine Gäste, für die er Verantwortung übernimmt.

Nachdem die Formalien geklärt sind, geht es zum obligatorischen Sicherheitscheck am Haupteingang des Geländes. Dieser verläuft für amerikanische Verhältnisse allerdings freundlich und sinnvoll – nicht schlimmer als am Flughafen. Wird einem hier der Einlass nicht verwehrt, betritt man den Vorhof des UN-Gebäudes. Auf diesem finden sich zahlreiche interessante Kunstwerke, zumeist Geschenke der Mitgliedsstaaten. Das Bekannteste darunter ist vermutlich die “Knotted Gun” (verknotete Waffe), die der schwedische Künstler Carl Fredrik Reuterswärd als Friedenssymbol geschaffen hat. In der Lobby, in der man sich ebenfalls relativ frei bewegen kann, folgen weitere spannende Exponate – etwa eine Serie informativer Wandteppiche mit den Konterfeis der Generalsekretäre, gestiftet vom Iran.

Nach der Anmeldung zur Tour und der Ankunft unseres Guides, eines UN-Mitarbeiters aus Südkorea, wird den Teilnehmern eingeschärft, sich tunlichst nicht von der Gruppe zu entfernen und die neongelben Sticker, die einen als autorisierten Gast kennzeichen, immer sichtbar zu tragen, da der Sicherheitsdienst sonst schnell sehr ungehalten werden könne. Zunächst wird über die UN im Allgemeinen, ihren Aufbau, ihre Aufgaben und ihre Institutionen berichtet. Auch einige Projekte, die sie derzeit betreibt, werden vorgestellt – so z.B. eine mobile Schulausstattung. Es handelt sich um eine Kiste mit vielen der nötigsten Utensilien, um in extrem infrasturkturschwachen Gegenden oder nach Katastrophenfällen mit geringen Kosten Kinder unterrichten zu können.

Der größte Schwerpunkt ist allerdings die Vorstellung der einzelnen Organe der UN. Man bekommt in den jeweiligen Kammern die Funktionsweise etwa der Vollversammlung oder des Sicherheitsrats erklärt. Es ist durchaus sehr spannend, einmal in einem Raum (etwa dem des Sicherheitsrates) zu stehen, den man sonst nur aus den Nachrichten kennt. Auf den Gängen werden weitere, spannende Exponate ausgestellt. Am beeindruckendsten fand ich persönlich eine Marienstatue aus einer Kirche in Nagasaki. Obwohl die Atombombe 1945 nur wenige hundert Meter entfernt explodiert ist und die Kirche selber restlos zerstört wurde, blieb die Statue nahezu unbeschädigt.

Bei der etwa einstündigen Führung erfährt man viel Spannendes, aber – wichtiger noch – man hat vor allem die Möglichkeit, einmal in einem kleinen Ausschnitt selbst zu sehen, wo und wie die große Politik gestaltet wird. Für mich ein sehr lohnenswerter Ausflug. Man sollte im Übrigen nicht vergessen, sich als kleines Andenken einen Passstempel abzuholen (man ist ja schließlich im Ausland). Diesen bekommt man im Post Office im Untergeschoss.

Ein bisschen über den Dingen – Auf der Highline und rundherum

Mit der Zeit gehen, sich auf neue Entwicklungen und Gegebenheiten einstellen – ja, falls nötig sich komplett neu zu erfinden – das sind uramerikanische Tugenden. Diese sind nicht zuletzt aus der Notwendigkeit heraus geboren – gerade in Manhattan, das pulsiert und sich ständig weiterentwickelt (“nie schläft”, wie es so schön heißt). Gleichzeitig muss man auf der Insel auch mit stark begrenztem Raum zurecht kommen. Schön ließ sich diese Entwicklung in den letzten Jahren z.B. im “Meatpacking District” beobachten. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um die Gegend, in der früher traditionell Fleisch verarbeitet wurde. Die alten Schlachthäuser und Lagerhallen sind, ähnlich wie im DUMBO-Distrikt, inzwischen hippe Büros und Wohnungen.

Die Erschließung neuer Nutzungskonzepte für vorhandene Infrastruktur schließt auch das Verkehrskonzept und die Wiedererschließung von Raum für Menschen ein. Dies zeigt sich schön in der sogenannten “High Line”. Die einstmalige Hochbahnstrecke ist seit 2011 umgebaut und als eine Mischung aus Fußweg, Park und Kunstinstallation der Öffentlichkeit zugänglich. Die ehemalige Stahltrasse besteht jetzt größtenteils aus Holz bzw. Pflanzen und bildet so sowohl inhaltlich als auch optisch einen spannenden Kontrast zum sie umgebenden Backsteinrot und Asphaltgrau.

Die rund 2,3 Kilometer lange Strecke führt von der Gansevoort Street zur West 34th Street und kann an diversen Stellen dazwischen verlassen bzw. betreten werden. Dass man hier quasi einfach über den Großstadtverkehr hinwegschreitet, ohne Ampeln und Blechlawine, hat etwas sehr Befreiendes. Zudem eröffnet es spannende, neue Perspektiven zum Thema Fortbewegung :). Die High Line kann täglich ab 7 Uhr früh bis (im Sommer) 22 – 23 Uhr abends besucht werden. Zudem werden kostenlose Touren angeboten.

Grüne Oase im grauen Dschungel – Der Central Park

Irgendwann kommt er, dieser “Ahhhh es ist mir alles zu viel”-Moment. Zu viel Verkehr, zu viele Leute, auf viel zu engem Raum. Die Rettungsinsel heißt hier: Central Park! Die mit 350 Hektar (!) riesige Parkanlage erstreckt sich zwischen der 5th und 8th Avenue von der 59th bis zur 110th Street. Das erste Betreten, für uns an der südlichen Ecke gegenüber vom Plaza Hotel, hat fast schon einen unwirklichen Charakter. Gerade noch befand man sich in einer Welt aus Asphalt, Stahlbeton und Glas, umgeben von Millionen von Menschen und Autos und schlagartig ist es grün. Man sieht Seen, Bäume, Wiesen … hört Vögel, sieht sogar Tiere – was für ein Kontrast. Man möchte sich fast nochmal umdrehen, um sicherzustellen, dass man wirklich noch in New York ist.

Diese Einladung, in der “Grünen Lunge” für ein paar Stunden dem Großstadtwahnsinn zu entkommen, nehmen wir gerne an. Die Spätsommersonne im September taucht die Wiesen in ein warmes Gold – perfekt um zu verweilen und die Szenerie auf sich wirken zu lassen. Die Leute zu beobachten ist hier spannend. Sobald sie den Park betreten, verwandelt sich die finstere, ernste Miene des gestressten New Yorkers in ein entspanntes Gesicht mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Viele treiben auch Sport oder liegen, so wie wir, nur auf der Wiese und atmen einfach mal durch. Wie wichtig der Park für Manhattan ist, erkennt man spätestens daran.

Aber nicht nur zum Entspannen taugt der Central Park, sondern auch zum Entdecken! Er hält Dutzende Attraktionen und Sehenswürdigkeiten bereit – darunter z.B. der Zoo, eine Eissporthalle und diverse kleine Cafés und Restaurants. Das einzige größere Gebäude im Park ist das Metropolitan Museum of Art, sicher noch mal eine Attraktion für sich. Wir besuchen  den “Lake”. Obwohl das Wasser etwas Beruhigendes hat, führt die freie Fläche dazu, das man am Horizont immer die grauen Wolkenkratzer Manhattans sieht, wie sie sich quasi bedrohlich anschleichen. Außerdem begeben wir uns abschließend zu den “Strawberry Fields”. Es handelt sich um eine kleine Gedenkanlage für John Lennon, der 1980 nur wenige Meter entfernt von Mark David Chapman erschossen wurde. Die Anlage und das dazugehörige Denkmal “Imagine” wurden von Lennons Witwe Yoko Ono gestiftet.

Der Park ist so ausgedehnt, dass man buchstäblich tagelang durchwandern kann, ohne einen Weg mehrfach zu gehen – es gibt über 90 km an Fußwegen. Daher ist es auch eine legitime Alternative, beim Erkunden des Parks andere Fortbewegungsmittel zu wählen. Für den Individualverkehr gibt es sowohl die Möglichkeit, Fahrräder als auch Segways zu mieten. Auch Skateboards, Inlineskates und eigentlich auch sonst alles mit Rollen ist beliebt. Für die geführte Rundfahrt – oder eine romantische Stunde in der untergehenden Abendsonne – empfiehlt sich die Pferdekutsche. Wir haben unseren Nachmittag im Central Park nicht nur sehr genossen – er war zu dem Zeitpunkt auch bitter nötig, um zu verhindern, dass die Stadt uns den letzten Nerv raubt.

Unbegrenzte Einkaufsmöglichkeiten? – Shopping

Der Facettenreichtum des Big Apple zeigt sich auch und vor allem bei einer der möglicherweise amerikanischsten Tätigkeiten überhaupt – Shopping. Dem Konsumrausch als Grenze gesetzt ist hier lediglich das eigene Budget. Ansonsten kann man quasi jederzeit alles kaufen, was man sich vorstellen kann. Vor unserem Trip kam mehrfach auch die Frage “Na, fliegt ihr mit leeren Koffern hin?”. Nein, das haben wir nicht getan, aber gänzlich ohne Einkäufe sind wir auch nicht geblieben ;). Zwei Warengruppen sind dabei, aufgrund der Preislage und der steuerlichen Situation, besonders spannend – Elektronik und Kleidung. Für den ersten Fall dürfte wohl der B&H Photo Video Store der erste Anlaufpunkt sein.

Der “Laden” an der 9th Avenue ist der Traum eines jeden Hobbyfotografen. Es handelt sich um einen Supermarkt, quasi exklusiv für Foto- und Videotechnik. Auf gigantischen 6500m² Verkaufsfläche wird alles angeboten, was irgendwie mit diesem Thema zu tun hat: Kameras, Objektive, Stative, Licht- und Tontechnik, Actionkameras und vieles andere mehr. Man hat hier nicht nur eine gigantische Auswahl, der Laden bietet zudem auch noch ein ziemlich gutes Preisniveau und je nach Produkt kann man hier gut und gerne 10 – 20% gegenüber dem heimischen Markt sparen. Das schlage auch ich nicht aus und nehme ein neues Objektiv für meine Spiegelreflexkamera mit. Am Beispiel des Kaufprozesses wird auch schnell klar, warum in Amerika die Arbeitslosenquote so niedrig ist und für das Unternehmen insgesamt über 2000 Leute arbeiten. Beraten lasse ich mich von einem Mitarbeiter, anschließend bestelle ich beim nächsten, die Rechnung schreibt wieder ein anderer, abholen muss ich es natürlich bei einem neuen Mitarbeiter und eingepackt wird es wieder vom nächsten. So sind ein halbes Dutzend Leute mit einem Kauf beschäftigt. Aus deutscher Perspektive etwas kurios, aber gut. Nichtsdestoweniger ist der Besuch bei B&H Pflicht für alle Hobby- und Profifotografen!

Für die Fraktion, die lieber Klamotten als Technik shoppt, ist die erste Anlaufstelle eines der Epizentren der Shopping-Kultur – der Heralds Square. Rund um den Platz gibt es quasi JEDES vorstellbare Klamottengeschäft. Von JC Penny über Footlocker, Old Nacy, Gap, Forever 21, bis hin zu Victoria’s Secret ist hier alles vertreten. Wir entscheiden uns, neben ein paar anderen Geschäften, hauptsächlich für den Platzhirsch und Alleskönner Macy’s. Auf acht Etagen werden hier in erster Linie Klamotten und Schuhe, aber auch Kosmetik, Schmuck usw. angeboten. Obwohl die Taschen verhältnismäßig voll sind, ist das, was ich für mich selber gekauft habe, doch recht überschaubar: ein Baseball und ein entsprechendes Original Yankees-Cap als Andenken. Kleiner Tipp: Ausländer bekommen bei Macy’s 10% Rabatt. (Keine Werbung)

Ein kleiner Shopping-Trip gehört also in New York wohl durchaus dazu. Aber Achtung: Wichtig ist es hier, gerade bei den zahlreichen reduzierten Artikeln, die Belege aufzubewahren, da der Zoll zuhause sonst online nach den Preisen schaut, die nicht zwingend rabattiert sein müssen. Es folgt ggf. die Nachversteuerung zum Neupreis am Zoll, sofern man dann “zu viel” dabei hat. Zur Erinnerung: Die Freimenge beträgt 430€ pro Person ;).

Der letzte (Rundum)Blick – Rockefeller Center & Top of the Rock

Unsere kleine Zusammenfassung der “wichtigsten Sehenswürdigkeiten” New Yorks beenden wir genau wie unseren Aufenthalt dort – mit dem Rockefeller Center. Der Komplex besteht aus mehreren Gebäuden und beherbergt neben Büros und Wohnungen auch Veranstaltungslocations und Geschäfte.  Letztere sind eher im oberen Preissegment anzusiedeln. Bekannt ist auch die Eislaufbahn, die im Winter auf der Plaza aufgebaut wird – und genau dahinter der große Weihnachtsbaum.

Das höchste und beeindruckenste Gebäude hier ist das Comcast Building. Mit 259 Metern ist es ehrfurchteinflößend hoch – für Manhattan-Verhältnisse allerdings nur noch Mittelmaß. Auf der Liste der höchsten Gebäude in New York belegt es derzeit Platz 18. Das hält uns nicht davon ab, die Aussichtsplattform “Top of the Rock” zu besuchen. Für einen guten Überblick ist die Höhe definitiv ausreichend und – wichtiger noch – die Lage ist “top”. An der 5th Avenue, Höhe 49th Street, liegt es mitten in Manhattan und bietet einen schicken Blick auf viele bekannte Landmarks. Wir kaufen die mit knapp $40 relativ teuren, zeitgebundenen Tickets und fahren, nachdem wir während unserer Wartezeit eine Runde über das Gelände drehen, mit dem Fahrstuhl Richtung Observatory.

Die Experience ist zwar nicht ganz so pompös inszeniert wie auf dem One World Trade Center, der Ausblick ist aber dennoch nicht minder eindrucksvoll. Anders als auf dem WTC ist man hier allerdings an der frischen Luft. Man riecht die Stadt, hört ihren Sound und hat auch die Chance, durch die Lücken im Glas hindurchzuschauen. Das Erleben ist so “echter” als durch eine dicke Panzerglasscheibe. Richtung Süden hat man etliche der Skyline-stiftenden Gebäudeikonen im Blick, sei es das Metlife-, das Chrysler- oder vor allem das Empire State Building. Auch das One World Trade Center schiebt sich im Hintergrund ins Bild. Zudem sieht man von hier ja das Rockefeller Center nicht, das im Vergleich mit den anderen “Buildings” die städtische Architektur weniger aufwertet :p.

Zur anderen Seite liegt ein großes, schwarzes Loch. Der Central Park wirkt inmitten all der strahlenden Lichter der Nacht wie ein Fenster in eine andere Welt. In dieser Gesamtheit schreit einen das 360°-Panorama unüberhörbar an “DU BIST IN NEW YORK!”. Für uns die beste Gelegenheit, noch einmal etliche Fotos zu machen und auch einen Moment inne zu halten und uns leise von der Stadt zu verabschieden. Ein Moment, der in Erinnerung bleiben wird. Trotz des relativ hohen Preises ist der Besuch auf dem Comcast Building durchaus empfehlenswert, denn der Ausblick ist einzigartig …

Viel abverlangen und noch mehr zurückgeben – Ein Fazit

Das erste Mal in New York vergisst man nicht – und das hat viele Gründe. Man sieht auf engstem Raum so viele beeindruckende, neue, bunte, laute, schrille Dinge. Innerhalb kürzester Zeit sammelt man eine ungeahnte Vielzahl an neuen Eindrücken. Manche beeindruckend, andere lustig, auch etliche kurios … und alle hochspannend! Vieles wird uns im Gedächtnis bleiben. Die Skyline hinter dem Hudson River von New Jersey aus gesehen, der erste Blick auf die Freiheitsstatue, der bombastisch inszenierte Ausblick vom One World Observatory.

Was wir aber auch nicht vergessen werden, sind die Herausforderungen, die ein längerer Aufenthalt in New York so mit sich bringt. Es ist alles immer wahnsinnig viel. Viele Menschen, viele Autos, viel Stress, viel Hektik. Man hat nur selten mal zwei Quadratmeter für sich und hat ständig das Bedürfnis, sich umzuschauen, dass man auch bei der nächsten Richtungsänderung ja niemanden anrennt oder von einem Fahrradkurier umgehauen zu wird. Das Mitschwimmen im Strom und vor allem im Takt der Großstadt kostet latent Energie.

Dazu will man den Aufenthalt natürlich effizient gestalten und möglichst viel mitnehmen, was einem in New York so geboten wird. Das ist verständlich, ist aber ebenfalls sehr kräftezehrend. Wenn man es dann noch mit dem “American Way of Life” übertreibt und nicht auf seine Ernährung achtet, kommt irgendwann der Tipping Point, an dem aus Staunen und Reizüberflutung Mattheit und Kopfschmerzen werden. Man sollte also, auch wenn der Reiz, am liebsten ALLES zu machen, groß ist, den Aufenthalt nicht zu voll packen, immer mal einen halben Tag ohne Aktivitäten (oder Chillen im Central Park) einplanen und trotz unverschämter Preise auch mal Vitamine zu sich nehmen.

Letztlich stellt sich hier die Frage, ob wir eine Reise in den Big Apple empfehlen können … oder eigentlich auch nicht, denn die Antwort liegt klar auf der Hand. Die Stadt destilliert nicht nur Amerika in vielerlei Hinsicht, sie bietet auch so viele und dichte Eindrücke wie wohl sonst kaum eine andere. Preislich liegt das Reiseziel aber durchaus im gehobenen Bereich, sowohl was Unterkunft als auch Ernährung und Aktivitäten angeht (auch wenn hier gerade der Dollarkurs etwas hilft). Flüge hingegen sind schon mit um die 400€ für den Roundtrip zu bekommen – auch wenn die Air Berlin-Pleite hier leider die Preise steigen lassen hat.

Obwohl ich nach meiner Ankunft in Deutschland zum Ausgleich am liebsten noch eine Woche im Sauerland oder irgendeiner Region mit ähnlich viel Ruhe und wenigen Menschen verbracht hätte, bleibt dieser New York-Trip unvergesslich. New York City ist definitiv eines der Ziele, das man in seinem Leben gesehen haben sollte. Und auch eines, das sicher beim zweiten, dritten … zehnten Besuch immer noch neue spannende Aspekte bereithält. Jetzt, viele, viele Monate nach unserem Aufenthalt, kann ich mir sogar wieder vorstellen, einen Fuß in die Stadt zu setzen, ohne Schweißausbrüche auf der Stirn zu bekommen … vielleicht bei Gelegenheit doch mal nach Flügen schauen ;).

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