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Es hätte doch so schön sein können … – Die DRIVAR Roadtour 2018

von Uwe 21. Mai 2018 2 Kommentar

Wer freut sich nicht auf Rennstreckenerfahrung? Am Wochenende einfach mal zur Nordschleife? Das noch mit einem geeigneten Fahrzeug? Bei derartigen Gelegenheiten zögern wir nicht lange. Durch eine Verlosung in Deutschlands größtem Mietwagenforum und etwas Glück wurden wir letztes Wochenende (19. Mai 2018) auf die DRIVAR Roadtour 2018 eingeladen. Auf das Folgende haben wir uns gefreut:

  • 8 Supersportwagen aus 4 Ländern, u.a. Audi R8 V10 plus, Mercedes-AMG GT S, Nissan GT-R
  • Tourstart in Köln
  • Gemeinsame Ausfahrt über unbegrenzte Autobahnen und verwinkelte Bergstraßen
  • Museumstour durch das Ringwerk am Nürburgring
  • Professionelles 30-Runden-Kartrennen auf der Nürburgring-Kartbahn
  • Lunch im berühmten Devil´s Diner an der Nordschleife
  • Highlight: Gemeinsame Fahrt auf der abgesperrten Nordschleife

Die Vorbereitung

Der Kontakt mit dem Organisator, Phillipp von Motion Drive, war angenehm und lösungsorientiert, nichts stand der Vorfreude auf dieses tolle Event im Wege. Wenige Tage wurden die Fahrzeuge dieses immerhin 1499 € teuren Events bekannt gegeben:

  • McLaren 570S (Guide Car)
  • Lamborghini Huracán
  • Audi R8 V10 plus
  • Mercedes-AMG GT S
  • Mercedes-AMG C 63 S
  • BMW M4 Competition
  • Corvette C7 Z06
  • Lotus Elise 220 Cup Edition
  • Porsche 911 Carrera T
  • Porsche Boxster GTS

Der Treffpunkt war die Classic Remise in Düsseldorf (nicht Köln!) um 12:00 Uhr des besagten Samstags. Aufgrund des gut gewählten Treffpunkts beschlossen wir allerdings schon etwas vor 11:00 Uhr aufzuschlagen, um einen Blick in die malerische Classic Remise zu wagen.

Die Ausstellung war gut gefüllt und hätte uns sicher den ganzen Tag beschäftigt. Von Schmuckstück zu Schmuckstück gehend, verfielen wir immer wieder in tiefgehende Diskussionen über die Geschichte einzigartiger Automobile und die Erinnerungen an einen Lebensabschnitt geprägt von diesem Hobby.

Auf ein paar wenige Prachtstücke möchten wir kurz eingehen, bevor wir zur eigentlichen Tour kommen. Das erste Objekt der Begierde ist ein BMW 3.0 CSL – 1 von 169 – in komplett restauriertem Zustand. Der letzte Vergaser wurde 1971/72 gebaut und hatte statt einer Leistungssteigerung reichlich Gewichtsersparnis an Bord. Der CSL (Coupe Sport Leichtbau) wog dank u.a. Dünnglas, leichterer Türen und Haube lediglich 1165 kg.

Die Ikone Mercedes-Benz 300 SL, hier als Roadster, ließ uns kurz verstummen. 1858 Stück wurden vom Roadster gebaut. Er war zu seiner Zeit (1954 – 1963) der schnellste Sportwagen seiner Zeit. Die “300” stehen hierbei für den Hubraum in Zentilitern und das “SL” wohl für super leicht, was lange als unklar galt. Erst im Jahre 2017 konnte dies ein Zufallsfund beweisen.

Und abschließend noch ein, so glauben wir, Horch 853 A Sport Cabriolet. Dieses gute Stück wurde von Horch (Auto-Union) bis zur kriegsbedingten Einstellung in Zwickau gebaut und hat einen 5 l-Achtzylinder mit bis zu 88 kW unter der Haube.

Das Event

Doch trotz erheblicher Verspätung des Events, ging unsere Zeit in der Classic Remise leider dem Ende entgegen. Wir trafen die Teilnehmer auf dem Parkplatz und sahen wie Phillipp etwa 30 min nach offiziellem Start einfuhr. Die offizielle Begrüßung begann etwa 13:00 Uhr, eine Stunde verspätet. Nicht nur Ort und Zeit änderten sich mehr oder minder spontan, auch das Line-Up des Tages war deutlich schmaler als angenommen.

Trotz der großen Anzahl an Fahrzeugen, gibt es hier noch nötige Unterscheidungen. Einige Fahrzeuge waren nicht wie versprochen vor Ort, einige Fahrzeuge waren private Teilnehmerfahrzeuge und somit nicht für uns verfügbar – auch nicht zur Mitfahrt, mit anderen Fahrzeugen kamen die Vermieter selbst (nicht verfügbar) und mit einer kleinen Gruppe konnte man tatsächlich fahren. Wir waren sichtlich enttäuscht.

  • McLaren 570S (Guide Car), nicht verfügbar
  • Lamborghini Huracán, nicht verfügbar
  • Audi R8 V10 plus, verfügbar
  • Mercedes-AMG GT S, verfügbar
  • Mercedes-AMG C 63 S, nicht vor Ort
  • BMW M4 Competition, privates Teilnehmerfahrzeug
  • Corvette C7 Z06, nicht vor Ort
  • Lotus Elise 220 Cup Edition, privates Teilnehmerfahrzeug
  • Porsche 911 Carrera T, privates Teilnehmerfahrzeug
  • Porsche Boxster GTS, entpuppte sich als 718 Cayman S vom Porsche Zentrum Magdeburg und konnte nur mit dem Angestellten von Porsche zusammen gefahren werden (demnach nur ein Sitzplatz, für 2-er Gruppen wie uns ungeeignet)

Welche Fahrzeuge dabei zur Verfügung standen wurde nicht erwähnt, man musste sich durchfragen. Die Fahrzeuge wurden auch nicht zugeteilt, uns wurde empfohlen ein Fahrzeug auszuwählen, was unter den Bedingungen nicht ganz einfach war. Nichtsdestotrotz entschieden wir uns für den Mercedes-AMG GT S, packten unser Gepäck ein und richteten die Kamera gen Start des Events. Obgleich während der Begrüßung erwähnt wurde, dass die Navigationssysteme eingestellt sind, leitete uns der GT S nach Start in Richtung Neuwied am Rhein, was eher auf den Zulassungsort des Fahrzeugs schloss.

Wir rollten in Kolonne und mit aufheulenden Motoren in Richtung der ersten Ampel, die Atmosphäre wenig erwachsen. Es fühlte sich eher nach viel guter Laune und Tatendrang an, aber doch von Emotionen gesteuert. Wenig später trennte uns die erste Ampel. Die Kolonne zu lang für eine Phase, es teilte sich das Feld und wurde bis zum Nürburgring nie wieder vollständig vereint, obgleich mehrere Stopps bis zum Zwischenziel versprochen worden waren – gerade um Fahrzeuge tauschen zu können. Wir waren noch immer auf dem Weg nach Neuwied am Rhein. Erst als der rote Audi R8 in unseren Spiegeln auf eine Raststätte abfuhr, checkten wir unsere Telefone und sahen eine WhatsApp-Nachricht mit einem möglichen Treffpunkt. Wir sahen unser eingestelltes Ziel und stellten fest, dass wir fernab der eigentlichen Route unterwegs waren, mittlerweile etwa 40 km zu weit östlich. Ein Post in die WhatsApp-Gruppe mit einer geschätzten Ankunftszeit stieß auf wenig Resonanz und die Gruppe war gerade wieder aufgebrochen, als wir am vereinbarten Treffpunkt eintrafen – kein Fahrzeugtausch für uns.

Im Pfingstverkehr ging es allein weiter Richtung Nordschleife in geschwindigkeitsbeschränkten Zonen und 80er Baustellen. Erst die letzten Kilometer Landstraßen vor dem Ring waren positiver Natur, allerdings galten auch hier strikte Geschwindigkeitsbegrenzungen. Angekommen am Ring trafen wir uns zur Führung auf dem Nürburgringgelände. Mittlerweile war das Event etwa 90 min hinter dem Plan und viele waren hungrig geworden. Die Führung kann darauf keine Rücksicht nehmen und lässt die hungrigen Gefährten an einem Imbiss zurück.

Erst kurz vor 18 Uhr sammeln sich alle vor dem Info-Center für das fahrerische Highlight des Tages – der Fahrveranstaltung auf der Nordschleife. Es werden alle Fahrtzeuge aus der Garage geholt und hintereinander aufgestellt, es geht in Richtung Pförtner. Doch nicht zum Pförtner unserer Wahl. Alle Fahrzeuge stehen für den GP-Strecke an, nicht zur Fahrt auf der Nordschleife. Nach einigen Diskussionen am Einlass geht es für uns, geführt vom lokalen Strecken-Focus, eine abgekürzte Runde auf die GP-Strecke. Wir befinden uns quasi nur einige Hundert Meter auf dem Track, bevor uns der Focus wieder vom Track lotst.

Die Enttäuschung

Wir fragen recht schnell nach, was gerade passiert ist und wie es weiter ginge, schauen allerdings nur in fragende Gesichter, was wir denn erwarten würden. Uns sei ja alles geboten worden – nun, da waren wir gewiss anderer Meinung. Nach einer kurzen Diskussion stellt sich heraus, dass drei Runden auf der GP-Strecke geplant waren, wir allerdings unser Zeitfenster verpasst hatten und deshalb nur eine halbe Runde möglich war. Von der gemeinsamen “Fahrt auf der abgesperrten Nordschleife” für zwei Stunden im Kalender des Events waren plötzlich nur noch wenige Minuten GP-Strecke übrig geblieben – mit einem Bruchteil der versprochenen Fahrzeuge. Erst Gelächter, dann Enttäuschung.

Es werden nun alle Fahrzeuge in Reihe für ein Foto aufgestellt. Es besteht Diskussionsbedarf, wir bringen etwas Unmut und verfehlte Erwartungen zum Ausdruck, die anderen Teilnehmer nutzen die Gelegenheit für mehr Fotos. Wir werden gefragt, ob ein anderes Team den Mercedes-AMG GT S fahren darf, wir stimmen zu. Als wir auspacken, stellen wir fest, dass dieses andere Team vorher kein Fahrzeug hatte und “mitgefahren ist”. So ging es offenbar einigen Teilnehmern, denen versprochen wurde, dass sie selbst fahren dürfen. Bei “Abgabe” wird uns obendrein noch ein Schaden angelastet – der Selbstbehalt der Fahrzeuge am heutigen Tag: 5000 €. Wir können von unserer Seite eine Schuld ausschließen und erinnern uns: nicht nur wir sind heute dieses Fahrzeug gefahren – aber wohl überwiegend, das reicht offenbar für eine Verantwortlichkeit.

Für uns ist kurzerhand kein Platz in anderen Fahrzeugen. Einige Minuten später finden wir uns mit einem anderen Mitglied des Mietwagen-Talks allein auf dem Gelände des Nürburgrings zurück. Alle Teilnehmer und Organisatoren sind zum “Devil’s Diner” aufgebrochen, ohne Rücksicht auf Verluste. Wir rufen Phillipp an – die Mailbox antwortet. Wie wir später erfahren war sein Akku leer.

Uns reicht es. Wir suchen nach Zugverbindungen und Taxifahrten zum nächstgelegenen Bahnhof. Wir besprechen noch einmal kurz den Schaden und versuchen auf Einsicht zu plädieren. Es bleibt bei derselben Einstellung und auch während des Schreibens dieser Review bleibt nur die Hoffnung, dass die Vermietung von dieser wohl kaum haltbaren Forderung absieht. Auf unserer Abreise lernen wir noch den reizenden Taxifahrer kennen, dessen Namen wir nicht nennen wollen. Aber an ihm ist ganz klar ein Rennfahrer vorbei gegangen. Wir haben die Google Maps-Zeit zum Bahnhof souverän halbiert und unseren Zug zurück nach Düsseldorf noch geschafft.

Im Zug lernen wir noch “Schneeflittchen” kennen und holen den verpassten Spaß des Tages im Handumdrehen nach. Vielen Dank an die tolle Gesellschaft!

Das Fazit

Es war nicht alles schlecht an diesem Tag, keineswegs. Wir erlebten zum Teil wirklich interessante und tolle Teilnehmer, das Potenzial für eine echte Freundschaft und Autos, denen man gewiss nicht an jedem Tag über den Weg läuft. Die Fahrzeuge waren, soweit wir das beurteilen konnten, in gutem Zustand. Der AMG GT S war auf diesem Stück allerdings ein treuer Begleiter. Ganz wie wir ihn in Erinnerung hatten.

Dieser Tag hätte gewiss ein ganz besonderer werden können. Wenn man hier bedenkt, dass das Event schon das zweite Jahr in Folge abgehalten wird, sollten keine Kinderkrankheiten mehr auftreten. Ein Pace Car müsste man aber wirklich dafür einsetzen, die Gruppe zusammen zu halten. Funkgeräte wären hier sicher ein guter Start, um eine Kommunikation zu ermöglichen. Es wurde leider an so viele Details nicht gedacht, dass uns das Event keinen Spaß gemacht hat. Wir empfehlen, sich dieses Event zu sparen.

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2 Kommentar

Mario 21. Mai 2018 at 19:13

Als regelmäßiger Leser des genannten Mietwagen-Forums bin ich ehrlich gesagt nur mäßig überrascht, sowas zu lesen. Der “Veranstalter” ist dort ja schon mehrfach mit ähnlichen Storys aufgefallen. Auf jeden Fall kein gutes Aushängeschild. Die für eine Miete dort aufgerufen Summen würde ich dann doch lieber bei anderen Anbietern anlegen…

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DRIVAR 22. Mai 2018 at 10:24

Dank für deinen Bericht Uwe.
Grundsätzlich steht es jedem frei, seine Eindrücke zu schildern und manchmal gibt es sicher unterschiedliche Standpunkte – Ganz so stehen lassen möchte ich jedoch nicht alles:

1) Haben wir alle Teilnehmer in der Gruppe informiert, dass wir in eine Vollsperrung aufgrund schweren Unfalls mit Personenschaden auf der A1 gekommen waren (wir waren seit 6 Uhr früh unterwegs..) – Wenn man Startverzögerungen erwähnt ist diese höhere Gewalt sicherlich erwähnenswert.

2) Haben alle die vorgegebene Route eingehalten, nur euer Navi war scheinbar falsch programmiert – Warum, weiß im Nachhinein niemand. Aber es ist schon sehr verwunderlich.

3) Der Felgenschaden wurde nicht von uns sondern einem unserer Mietwagenpartner geltend gemacht – Ich habe schlichtend vermittelt und ihr habt euch dann auf einen Kompromiss geeignigt. Könnte man mit erwähnen, da hier gerade der Eindruck entsteht: Wir wollten euch etwas anlasten. Dass quasi nur ihr diesen Wagen bewegt habt, erhöht die Chancen doch ungemein, wenngleich ich mir ein finales Schuldurteil verkneife.

4) Das Gesamtfeedback aller (!) teilnehmenden influencer uns gegenüber war sehr gut, sodass wir mit dem Konzept der Tour nicht ganz falsch gelegen haben können. Fehler und Unvorhersehbarkeiten bei solch großen Events passieren (auch wir sind nur Menschen) – Es steht jedem frei, diese zu akzeptieren, oder aber bei einem (kostenlosen!) Event das Haar in der Suppe zu suchen…

Schade, dass es so gelaufen ist – Ganz euer Meinung.

Beste Grüße,
Phillipp
Gründer & Geschäftsführer von DRIVAR

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