Kurztrips

Himmlische Ruhe … und quietschende Reifen – In den Bergen Südtirols

von Robert 17. Juni 2018 0 Kommentare

Ahhhja, der Juni. Der nächste “richtige” Urlaub ist noch Monate entfernt, aber die Arbeit der ersten Jahreshälfte steckt einem trotzdem schon in den Knochen- Entspannung muss her. Außerdem ist seit dem letzten Ausflug mit Fokus auf schöne Straßen auch schon wieder einige Zeit vergangen. Warum nicht beides verbinden? Ruhe und Entspannung strahlen natürlich Berge aus, die gleichermaßen oftmals auch mit spektakulären Straßen aufwarten. Für beides bekannt und beliebt sind die Dolomiten in Südtirol. Wir satteln die 300 Pferde des Golf VII R und reiten gen Süden!

Weit weg von der großen Welt – Anreise und Unterkunft

Im Vorfeld haben wir uns über die möglichen Unterkünfte informiert. Gerade in den größeren Städten Südtirols wie Meran oder Bozen gibt es eine große Auswahl an Hotels jeglicher Kategorie. Die Preise liegen dabei etwa auf gehobenem deutschen Niveau, je nach Saison auch etwas darüber. Eine Spur persönlicher sind die zahlreichen Ferienwohnungen, die es in nahezu jedem kleinen Dorf gibt. Diese sind entsprechend der Lage meist auch etwas günstiger, wenn auch nicht viel. Wir entscheiden für das 2000-Seelen-Örtchen Tisens, ca. 15 km südlich von Meran. Dort buchen wir eine Ferienwohnung in einem Apartmenthaus, liebevoll betrieben von einer Familie aus dem Ort.

Die rund 800 km aus Sachsen lassen sich bequem in acht Stunden zurücklegen, wenn man ein wenig die Vorzüge der deutschen Autobahn auskostet, über die sich weite Teile der Route erstrecken. Unser Ziel Tisens liegt zwar etwas abgelegen, ist aber relativ gut angebunden. Die Autobahn ist etwa 7 km vom Ortskern entfernt und damit nah genug, um schnell alles zu erreichen, aber auch weit genug entfernt, um keinesfalls zu stören. Sie stört allerdings so oder so nur bedingt, denn die SS38 dürfte auf diesem Abschnitt vielleicht eine der schönsten Autobahnen Europas sein. Sie führt durch das Etschtal, zwischen Bozen und Meran, immer entlang des gleichnamigen Flusses. Eingerahmt wird die Autobahn von Weinbergen und Apfelplantagen. Wow, was für ein Empfang. So weicht die Anstrengung der letzten Stunden langweiliger, österreichischer Autobahn schon einem ersten Anflug von Entspannung.

Mit dem Erreichen der Landstraße verdichtet sich dieser Eindruck. Die Orte werden kleiner, die Häuser niedlicher. Fast jeder Garten hat Obstbäume, manche auch einen eigenen kleinen Weinberg – alles selbstverständlich in akkurater Weise erhalten und gepflegt. Nach einer Viertelstunde Fahrt über bereits einladend-kurvige Landstraßen und durch teilweise sehr schmale Pflasterstein-Gassen kommen wir an und werden sehr freundlich von unserer Gastgeberin empfangen. Die nette Dame zeigt uns unser Apartment “Berg & Tal”. Seinen Namen hat es deswegen bekommen, weil es in der Einrichtung an den berühmten Tiroler Bergsteiger Luis Trenker erinnern soll. Nun gut.

Das Objekt ist erst vor kurzem grundlegend renoviert wurden und das in einem modernen Stil, aber unter Berücksichtigung der alten Bausubstanz. So werden hier riesige Glasfronten, ein modernes Beleuchtungskonzept oder Stahlgeländer mit traditionellen Elementen wie Holzbalken und -Vertäfelungen kombiniert. Ein schönes Beispiel dafür, wie den Südtirolern dieser Spagat zwischen Tradition und Moderne gelingt. Das Apartment selber ist geräumig und zeitgemäß eingerichtet. Es verfügt über eine schöne, große Dusche und eine angemessen ausgestattete Küche. Das Highlight jedoch ist der 16m² große Südbalkon mit einem traumhaften Ausblick auf das Tal und das dahinterliegende Bergpanorama. Man kann buchstäblich stundenlang einfach nur in den gemütlichen Liegestühlen liegen und den Ausblick genießen. Mit rund 90€ pro Nacht geht der Preis für regionale Verhältnisse auch in Ordnung!

Wir integrieren uns auch sogleich ins Gemeindeleben, denn wir sind rechtzeitig zum Highlight des Jahres erschienen – dem Feuerwehrfest! Mit Bratwurst und Bier lauschen wir der Feuerwehrkapelle und freuen uns über die Gastfreundschaft der Einwohner. Die heile Welt der Dorfgemeinschaft vereinnahmt uns auch am nächsten Morgen direkt, an dem wir (zumindest gefühlt) an der Fronleichnamsprozession teilnehmen, die direkt an unserem Schlafzimmer vorbeizieht. Es scheint, als wäre Tisens genau der richtige Ort, um dem chaotischen Treiben ein paar Tage zu entfliehen, denn hier ist die Welt noch in ihren Fugen!

Der Berg ruft! – Wandern auf der Seiser Alm

Gerade in technischen Berufen oder solchen, die viel Bildschirmarbeit erfordern, kann es eine wahre Erlösung sein, mal einen Tag oder zwei nicht permanent online und am Puls der Zeit zu sein. Entschleunigung ist ja auch mehr und mehr ein Motto unserer Zeit, genau wie das “Digital Detoxing” – d.h. die Einschränkung oder der Verzicht auf permanente technische Bespaßung. Südtirol ist dafür bestens geeignet, da man sich hier vom einfachen Spaziergang durch die Apfelplantage bis hin zum alpinen Steilwandklettern auf viele verschiedene Arten der traumhaften Natur der Dolomiten nähern kann. Wir entscheiden uns für ein Mittelding und gehen auf eine Wanderung.

Unser Ziel ist die Seiser Alm, bzw. genauer gesagt die “Saltner Hütte” auf knapp 2000 Höhenmetern. Aber zuächst müssen wir mal die Alm selber erreichen. In Seis gibt es ein riesiges Parkhaus und weitere Parkmöglichkeiten, die zudem sehr preisgünstig sind. Von hier aus kann man entweder den recht anspruchsvollen Aufstieg auf die Alm zu Fuß starten oder alternativ für rund 17€ pro Person für den Roundtrip die Seilbahn in Anspruch nehmen. Da die geplante Wanderung zur Hütte bereits auf mehrere Stunden ausgelegt ist, entscheiden wir uns für die Seilbahn – nicht zuletzt aber auch, weil diese einen schicken Ausblick auf die Berglandschaft der Dolomiten gewährt.

Oben angekommen offenbart sich ein fantastisches Bild. Eingerahmt durch diverse Berggruppen wie die Langkofelgruppe und den Schlern liegt die quasi, bis auf die ein oder andere szenenbildstiftende Almhütte, völlig unverbaute Landschaft da und strahlt Weite, Geborgenheit und Beruhigung aus. Alleine den Blick in die unberührt wirkende Ferne schweifen zu lassen und dabei tief die klare Bergluft einzuatmen ist eine Wohltat. Dazu laden an strategisch günstig gelegenen Orten auch Aussichtspunkte ein, von denen wir gerne Gebrauch machen.

Nachdem wir uns optisch mit der Umgebung vertraut gemacht haben, beginnen wir unsere knapp zweistündige Tour zur Hütte, entlang von saftig-grünen Wiesen und Feldern, die von den blüheneden Blumen in ein Weiß-Gelb-Lila-Farbenmeer getaucht und von der strahlenden Sonne perfekt in Szene gesetzt werden. Kühe, Pferde und Schafe auf ihren Weiden beleben die Alm genau im richtigen Maße, denn Touristen sind zum Glück nicht viele unterwegs. Am Wegesrand finden sich immer wieder schöne Punkte, die einfach zum Verweilen und Genießen einladen. Die eigentliche Wanderung ist dabei, bis auf einige wenige Steigerungen, gut machbar und auch für ungeübte Wanderer zu empfehlen – eine gewisse Grundkondition vorausgesetzt.

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir die Saltner Hütte. In der niedlichen kleinen Gaststube reicht man übliche Stärkungen der Region wie Schweinebraten mit Speckknödeln, Kaiserschmarn oder in meinem Fall eine zünftige Käseplatte! Dazu gibt es neben den ebenfalls typischen Getränke wie dem Skiwasser (Himbeersirup, Zitronensaft und Wasser) auch hauseigene Kreationen wie den Hollundersaft- sehr lecker. Im Übrigen kann man in der Hütte auch übernachten, zum einen in einer rustikalen Ferienwohnung, zum anderen aber auch – noch rustikaler – auf dem Heuboden.

Wir belassen es an diesem Tag allerdings bei einer einfachen Mahlzeit und dem Genießen des Panoramas. Gut gestärkt treten wir den Rückweg an, der etwas anstrengender ist als der Hinweg – es geht öfter bergauf. Auch auf dem Rückweg genießen wir die traumhafte Südtiroler Landschaft und staunen über die Vielfalt der Aktivitäten, die sie auch im Sommer ermöglicht. Neben dem klassischen Wandern kann man natürlich auch klettern, mountainbiken oder auch paragliden. Nach der inklusive Pause fünfstündigen Wanderung lassen wir es uns nicht nehmen, nochmal eine halbe Stunde die Blicke in die Ferne schweifen zu lassen, bevor wir mit der Gondel wieder die Alm hinabfahren. Ein sehr gelungener Ausflug!

Ausflüge ohne Ganztagesprogramm – Karersee und Rosengarten

Wer keine Lust hat, sich mit Anfahrt und Auffahrt auf eine tagesfüllende Wanderung zu begeben, für den gibt es auch zahlreiche Möglichkeiten, trotzdem die Sehenswürdigkeiten zu genießen. Eine solche ist ein Ausflug an den Karersee. Der buchstäblich glasklare Bergsee liegt am Fuße des Latemarmassivs, rund 25 km südöstlich von Bozen. Der gleichnamige Karerpass macht im Übrigen schon die Anfahrt erlebenswert, denn zum einen führt er durch ein naturbelassenes Tal und zum anderen ist die Straßenführung durchaus kurvig genug für ein bisschen Spaß hinterm Lenkrad ;).

Am See angekommen steht ein großer Parkplatz zur Verfügung. Dieser ist zwar kostenpflichtig, aber relativ günstig und bietet ausreichend Platz, auch in der Hochsaison. Außerdem gibt es Snacks, Toiletten und einen Souvenirshop. Durch einen Tunnel geht es unter der Straße entlang zum See. Diesen kann man auf einem mit Holzgeländern abgetrennten Weg umrunden, der allerdings für Familien mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer aufgrund von Steinen und Wurzelwerk abseits der Aussichtsplattform nicht gut geeignet ist.

Der See selber besticht durch sein unglaubliches transparentes Wasser, dass in einer leuchtend blauen Farbe erstrahlt. Er ist sowas wie der Inbegriff des klaren Bergsees. Dazu präsentiert er sich vor einem beeindruckenden Bergmassiv – was für ein Anblick! So wird auch schnell klar, warum man an den See selber nicht weiter als bis zum Geländer rankommt. Mit Badegästen und ähnlichem wäre es schnell vorbei mit der Bergseeidylle, insofern ist man gut beraten, die Schönheit aus einigen Metern Entfernung zu genießen. Für eine Umrundung des Sees inklusive ein paar Pausen und vielleicht ein paar Fotos ist etwa eine Stunde einzuplanen.

Nur knapp 10 km Luftlinie nordöstlich vom Karersee erstreckt sich eine der berühmtesten Felsformationen der Dolomiten – die Rosengartengruppe. Das ansehnliche Felsmassiv ist besonders bekannt für sein”Alpenglühen” – das leuchtend rote Strahlen kurz vor Sonnenuntergang. Es ist zudem ein beliebtes Wintersportgebiet. Natürlich kann man auch im Sommer wandern gehen. Allerdings sind die Wanderwege hier deutlich weniger ausgebaut als etwa auf der Seiser Alm und zudem auch deutlich steiler.

Wer nicht hinauf wandern möchte, kann zumindest einen Teil des Aufstiegs (bis auf 2130 m) mit dem Sessellift Paolina ab Karersee bewältigen – zum Ticketpreis von 13€ hin und zurück. Für mich als Wintersportmuffel stellt diese Erfahrung tatsächlich sogar eine Premiere dar – ich bin noch nie zuvor mit einem Sessellift gefahren. Staunend, aber sicher kommen wir oben an und genießen – abermals – den Ausblick. Der Blick Richtung Südwesten offenbart, wie die teils sehr schroffe und etwas graue Landschaft der Alpen und Dolomiten langsam, aber sicher in sanfte, grüne italienische Hügel übergeht – traumhaft.

Auf Höhe der Gondelstation sind die Wanderwege nochmal schmaler, so dass teilweise keine zwei Leute aneinander vorbeipassen. Außerdem sind sie nicht immer ausreichend gesichert, so dass hier auf jeden Fall eine Wanderung anspruchsvoller ist und vorsichtig genossen werden sollte. Stattdessen kehren wir lieber in die Paolina-Hütte, direkt neben der Bergstation des Lifts gelegen, ein und stärken uns mit einem Skiwasser und Kaiserschmarrn. Auf der Panorama-Terrasse der Hütte schmeckt es gleich nochmal besser. Der Ausflug auf den Rosengarten ist also auch ohne Wanderung empfehlenswert. Sollte einem im Übrigen doch nach einem tagesfüllenden Programm sein, lassen sich dieser und der Besuch der Karersees hervorragend verbinden!

Wenn Kaiserschmarn auf Pizza trifft – Die Südtiroler Küche

Das kleine Südtirol ist nicht nur aufgrund seiner einzigartigen Landschaft bekannt, bei der die schroffen Dolomiten langsam in die sanfteren Hügel Norditaliens übergehen. Nein, hier werden auch auf überaus elegante Art verschiedene kulinarische Eindrücke kombiniert. Entsprechend seiner Lage, an der österreichischen Grenze, im Norden Italiens, wird schnell klar, wohin die Reise auch auf den Speisekarten geht.

Hier wird die zünftige Kochkunst Österreichs mit den Finessen der italienischen Küche kombiniert. Oh yes! Ein schönes Beispiel für die Ausgestaltung finden wir direkt am ersten Abend in Form des familiengeführten Stammlokals vieler Ortsansässiger namens “Pizzeria Tisense“, direkt empfohlen von unserer Vermieterin. Zunächst lassen wir uns in der Wahl der Speisen ein wenig von dem Wort “Pizza” im Namen führen und entscheiden uns für eben jene – und warum auch nicht? Man is(s)t ja schließlich in Italien, zumindest offiziell. Wie man es erwarten würde, ist die runde Spezialität aus dem Steinofen hier eine Spur dicker und mit rustikaleren Zutaten belegt, als weiter im Süden der Republik.

Allerdings serviert man nicht nur Pizza, sondern auch allerlei hausgemachte lokale Spezialitäten. Typisch “südtirolerisch” ist z. B. Rindfleisch sauer – ein dünn geschnittener Rinderbraten mit einer säuerliche Vinaigrette. Auch sehr lecker sind Knödel in ihren diversen Formen – etwa mit Speck oder Käse gefüllt. Diese Gerichte sind zwar relativ deftig, in ihrer Ausgestaltung aber doch noch etwas feiner als beim Nachbarn im Norden und schlagen somit hervorragend die Brücke zur österreichischen Küche.

Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat, Käsespätzle mit gerösteten Zwiebeln (mmmhhhhh Kääässseeeee), die klassische Jausenplatte oder den Apfelstrudel mit Vanillesoße zum Nachtisch bzw. gerne auch einen Kaiserschmarrn bekommt man in den Wirtshäusern und Hütten Südtirols genau so serviert wie jenseits der Grenze. Die Zubereitung ist hier und da etwas feiner, aber in Qualität und Geschmack steht Südtirol da den Österreichern in nichts nach. Wer im Urlaub wert auf Vielfalt auf der Karte und gleichzeitig leckeres Essen legt, wird Südtirol lieben! Wohl bekomm’s 🙂

Auf zur gepflegten Kurvenhatz – Die Pässe

Bei all der Lieblichkeit von Land und Leuten sowie der Ruhe, die die Landschaft ausstrahlt, lies sich doch ein Fakt nicht ignorieren. Es stand ein Auto mit 300 PS und Allradantrieb vor der Tür und ein paar der schönsten Straßen Europas befinden sich keine Stunde entfernt. Nach der Entspannung in den ersten Tagen hat der Gasfuß dann doch ein wenig gejuckt und wir sind nach dem bitter nötigen Volltanken auf die Piste gegangen.

Back to the Roots – Stelviopass

Eine besondere Stellung für uns nimmt nach wie vor der Stelvio Pass ein. Zur Initialzündung des Blogs zur Sommertour 2012 war er ja schließlich das erste fahrerische Highlight, dem wir uns seiner Zeit im Z4 gestellt haben. Seitdem ziert die Straßenführung auch den Hintergrund unseres Logos. Grund genug, dem Stilfser Joch einen angemessenen Besuch abzustatten. Auf der Nord-Ost-Rampe nähern wir uns dem Gipfel über die charakteristischen, zahlreichen Haarnadelkurven. Glücklicherweise ist der Verkehr in den Abendstunden an diesem Dienstag ein zu vernachlässigender Faktor.

Auf der Serpentinenstraße wechseln sich 180°-Kehren und relativ gerade Stücken permanent ab. Begleitet wird unser Aufstieg von einem Duett aus Sonne und Regen, das für abwechselnd trockene und nasse Fahrbahn sorgt, eingerahmt von zwei Regenbögen. Perfekte Allrad-Bedingungen und eine Herausforderung für Auto und Fahrer.  Oben angekommen genießen wir zunächst die Aussicht, die das Stilfser Joch bietet. Dabei wird das grandiose Panorama eingetaucht in ein malerisches, warm-milchiges Licht – was für ein hübsches Motiv.

Im Kontrast zum ständigen Bremsen und Beschleunigen bei der Auffahrt aus Richtung Stilfs, hält die Abfahrt Richtung Bormio andere Freuden bereit. Die Kurven sind im Verhältnis sanfter geschwungen und ermöglichen eine sauberere Linie – vor allem, weil sie deutlich besser und meist auf mehrere 100 m klar einsehbar sind. Zumal an diesem Tag die Bedingungen in Form von Sonne, Sommerreifentemperaturen und gewärmter Straße als nahezu optimal bezeichnet werden können. Die Durchschnittsgeschwindigkeit dürfte deutlich über der der anderen Passseite liegen. Das macht sich aber auch an den Bremsen bemerkbar, die nach der freien Abfahrt geruchlich dringend um eine Pause bitten ;). Was für ein schöner Abend :D.

Ungleiche Brüder – Jaufenpass und Timmelsjoch

Zwei weitere Beispiele für äußerst fahrenswerte Passstraßen sind der Jaufenpass und das Timmelsjoch, die sich aufgrund ihrer räumlichen Nähe hervorragend miteinander verbinden lassen. Ausgangs- bzw. Endpunkt ist in beiden Fällen das Städtchen St. Leonhard in Passeier. Richtung Osten erstreckt sich von da aus der Jaufenpass, der das Tal mit Sterzing verbindet. Über diverse kleine Siedlungen Führt der Passo Giovo, wie er auf Italienisch heißt, über eine zunächst recht kurvige, dann wieder relativ gerade und dann wieder recht kurvige Strecke zum Gipfel.

Da man dabei etliche 100 Höhenmeter zurücklegt, weichen die Nadelbäume auf dem Weg nach oben mehr und mehr und geben dabei den Blick auf das Bergpanorama hinter dem Tal frei. Oben kann man sich in der Edelweißhütte stärken und vor allem aber auch die Aussicht genießen. Hier fällt die eher sanfte, ziemlich grüne Landschaft auf. Auf der anderen Seite des Passes erwarten uns wieder sanftere Kurven und längere Geraden – was auch gut ist, denn der relativ dichte Nadelwald erlaubt vorab nur selten einen Blick in die nächste Kurve und darüber hinaus.

In Sterzing angekommen, gönnen wir uns zur Entspannung einen Eisbecher – und unserem Golf eine wohlverdiente Pause, die er zum Abkühlen der Bremsen auch benötigt. Während ganz langsam das Licht weniger wird, treten wir die rund 30 Kilometer zurück über den Jaufenpass nach St. Leonhard an.

Auf der anderen Seite des Dorfs wartet die nächste Herausforderung auf uns – das aufgrund der schon relativ späten Stunde (nach 18 Uhr) weitgehen verkehrsfreie Timmelsjoch! Die Streckenführung ist über weite Teile geradliniger und besser einsehbar als auf dem Jaufenpass. Die verlgeichsweise wenigen Serpentinen werden oft gefolgt von relativ langen, geraden Stücken und einer gigantischen Aussicht auf das Tal und die Straße, die sich an den Berg schmiegt. Eingerahmt wird das Ganze von kleinen Bächen und dem ein oder anderen Wasserfall, aber dafür nicht immer von einer Leitplanke. Entsprechende Vorsicht und Konzentration sind, auch bei schöner Landschaft, geboten.

Auf dem Weg zur höchsten Stelle des Timmelsjochs auf 2509 Metern Höhe gibt es darüber hinaus noch einiges zu sehen. So warten am Wegesrand ein kleines Museum und immer wieder Aussichtsplätze, die zum Rasten und Genießen einladen. Die Kombination aus Panorama, spannender Streckenführung und vergleichsweise hohen Geschwindigkeiten verleihen dem Timmelsjoch dabei einen ganz eigenen Charme. Wir verzichten (zumindest dieses Mal) auf die Fahrt durch das schroffe Ötztal und fahren, ein letztes Mal an diesem Tag, zurück nach St. Leonhard, den Pass hinunter. Begleitet werden wir dabei vom leicht mystischen Sonnenuntergangslicht. Was für ein schöner Tag.

Die runde Lösung – Sellaronda

Für Leute, die vielleicht nur kurz in der Gegend sind oder ihren Fahrspaß gerne komprimiert mögen, empfehlen wir, das kleine Städtchen Canazei aufzusuchen. Es ist das Tor zu einem Rundkurs aus vier markanten Pässen mit ganz unterschiedlichen Charakteristika – enge Serpentinen, scharfe Doppelkurven, sanfte Geraden und alles dazwischen, was das Fahren in den Bergen ausmacht. Die insgesamt knapp 70 km lange Runde führt einmal rings um die namensgebende Sellagruppe und gewährt dabei allenorts einen Blick auf das beeindruckende Bergmassiv.

Wie bei den anderen Pässen auch, empfiehlt es sich – gerade im Juni und Juli, wo es abends länger hell ist – die Runde in den späteren Tagesstunden zu drehen, damit man möglichst ungestört die kurvige Schönheit genießen kann. Am spektakulärsten ist vielleicht das Pordoijoch, der südlichste Pass. Die Serpentinendichte ist hier sehr hoch, notgedrungen sogar, da sich die Straße durch ein relativ enges Tal schlängeln muss. Aber auch die Nachbarn haben ihren individuellen Charme. Sei es der Campolongopass im Osten mit seinen langen Geraden und gutmütigen kleinen Kurven, das streckentechnisch ausgewogene Grödnerjoch im Norden oder das abwechslungsreiche Sellajoch im Westen – wenn man Kurven mag, ist hier auf jeden Fall etwas dabei.

Wir empfehlen von Canazei aus im Uhrzeigersinn die Runde anzutreten. Dabei ist aber darauf zu achten, dass die Passrunde gerade im Sommer extrem beliebt ist – sei es bei Radlern, Bikern, die sich nicht immer an die Spur halten, Wanderern, die die Straße kreuzen oder anderen Autoenthusiasten. Es ist dabei insbesondere auf den Gegenverkehr zu Rücksicht zu nehmen, der auch mal relativ unerwartet hinter einem Felsvorsprung oder ähnlichem auftauchen kann. Immer schön auf Sicht fahren :).

Finale im Hochgebirge – Die Großglockner Hochalpenstraße

Auch als sich unsere entspannte, aber gleichermaßen fahrintensive Woche in Südtirol dem Ende neigt und wir die Heimreise antreten mussten, ist der Kurvenhunger noch nicht gänzlich gestillt. Glücklicherweise führt die Heimroute ja fast zwangsläufig über die Alpen, wo quasi die Mutter der Bergpässe wartet – die Großglockner Hochalpenstraße. Wir checken in Kaprun in eine kleine, aber liebevoll geführte Pension ein, um uns am nächsten Tag ausgeschlafen und mit der gebührenden Konzentration auf die Piste zu machen.

Am nächsten Morgen passiert genau das – wir begeben uns zur nur wenige Kilometer entfernten höchsten befestigten Passstraße in Österreich. Oder vielmehr zunächst zur Mautstelle, denn das Wunderwerk der Straßenbaukunst ist sehr teuer gewesen und die Kosten werden über Maut refinanziert. Über Preise und Öffnungszeiten kann man sich auf der offiziellen Webseite informieren. Für eine Tageskarte für einen normalen PKW ist man mit 36€ dabei. Das klingt zunächst viel, allerdings wird dafür auch einiges geboten. Kleiner Tipp: Gastgeber in der Region haben oftmals Kooperationen o.ä., wo man ein paar Euro Rabatt bekommt.

Von der Salzburger Seite aus treten wir die rund 50 km lange Strecke nach Heiligenblut in Kärnten an und machen uns mit der Straße vertraut. Auf der meist sehr gut einsehbaren und durchgängig schön breiten und gut ausgebauten Passstraße wechseln sich in einem angenehmen Tempo relativ gerade Stücke, gutmütige, weite Kurven und enge Serpentinen ab.

Die Straße ist dabei aber nicht nur Attraktion für sich. Für die Maut bekommt man einiges geboten. An der Strecke gibt es eine Reihe von Sehenswürdigkeiten und Haltepunkten, die es zu entdecken gilt. Der erste Haltepunkt für uns heißt  Fuschertörl. Es handelt sich um einen großen Parkplatz mit Restaurant, Souvenirshop usw. In erster Linie spannend ist hier die Perspektive auf die Straße, die sich wie ein Band um den Großglocknerausläufer legt. Ein fantastisches Bild. Kein Wunder, dass hier ein beliebter Treffpunkt für Benzinjunkies aller Art ist ;).

Weiter geht es eine serpentinige Pflastersteinstraße hinauf zur “Edelweißspitze”. Von diesem Aussichtspunkt aus hat man einen grandiosen Blick Richtung Westen auf die Straße aus Richtung Kärnten und nach Süden, weiter in Richtung Salzburg. Außerdem kann man auch hier in die Hütte einkehren und ein paar Souvenirs mitnehmen, so man denn möchte. Schon aufgrund der Aussicht sollte man diesen kleinen Umweg auf sich nehmen, auch wenn die Auffahrt von den Straßenbedingungen her die forderndste Stelle sein dürfte.

Nach der Abfahrt von der Edelweißspitze fahren wir das sanfte Band entlang, einmal fast 180° um den kleinen Berg herum, an diesem – sehr passend – Seidenwinkl genannten Teil der Strecke. Nur wenig weiter die Straße entlang findet man ein kleines, aber sehr sehenswertes Museum zum sehr fordernden Bau der Glocknerstraße, der unter Extrembedingungen erfolgte. Außerdem gibt das Museum Aufschluss über die Rennsportgeschichte am Großglockner. Hier beginnt sich die Maut auszuzahlen, denn der Eintritt in dieses Museum (und viele weitere Einrichtungen entlang der Strecke) ist kostenlos.

In der Kategorie Sehenswürdigkeiten steht allerdings die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe in nichts nach. Am Ende der Auffahrt finden sich ein großes Parkhaus, ein Oldtimer-Museum sowie Sanitäranlagen, ein Besucherzentrum und ein Kino – alles ebenfalls im Mautpreis enthalten. Zudem gibt es Restaurants und Shops. Wenn man möchte, kann man mit der Standseilbahn ins Tal hinab fahren, um dort in erster Linie hautnah den längsten Gletscher Österreichs, die Pasterze, zu bestaunen. Dies kann man allerdings auch von “oben” ganz gut ;). Zudem ist die Höhe Ausgangspunkt für etliche Wanderungen durch die Berge.

Nach einer entsprechenden Pause haben wir das letzte Stück ins Richtung Heiligenblut ins Visier genommen. Die letzten 15 Kilometer sind eher vom einzigartigen Panorama der Großglocknerlandschaft geprägt als von fahrerischen Herausfordeurngen, geht es doch auf der breite Straße weitgehend geradeaus. Aber das ist halb so wild – schließlich mussten wir zurück nach Kaprun und konnten so die Straße in ihrer Gesamtheit noch einmal und wieder fast ohne Verkehr genießen. Die einzigen anderen Ambitionierten waren eine Handvoll Biker und einige Werksfahrer von BMW in Erlkönigen :D. Wer ein Freund der Berge ist, sei es landschaftlich oder aus fahrdynamischen Gründen, dem sei ans Herz gelegt, die Maut zu investieren und einen Tag auf der Großglockner Hochalpenstraße zu verbringen! Wir haben es jedenfalls nicht bereut :).

Ein Stück heile Welt – Das Fazit

Etwas Wehmut ist ja bei der Abreise schon dabei. Nach einer Woche hat man sich angepasst an das Leben in den Bergen. Man geht alles etwas gelassener an, ruhiger. Die Hektik des Alltags wäre in der sprichwortlichen Ruhe der Berge auch einfach fehl am Platz, das lernt man hier schnell. So sorgen auch schon die kleinen Dinge für unglaubliche Entspannung- und sei es, das Alpenglühen bei Sonnenuntergang auf der Terrasse zu beobachten.

Die überaus gastfreundlichen und authentischen Einwohner in den kleinen Dörfern Südtirols sowie die abwechslungsreiche und hochwertige Küche tun ihr Übriges, um sich  wohlzufühlen. Die Bilderbuchlandschaft, die in weiten Teilen aussieht wie gemalt, sorgt dafür, dass der Aufenthalt fast schon einen surrealen Touch bekommt. Die gesamte Szenerie ist einfach ganzheitlich so überaus lieblich, dass es stellenweise fast zu viel “heile Welt” ist. Aber auch nur fast. Wir haben unseren Aufenthalt oberhalb des Etschtals unglaublich genossen und haben nach der Woche die gesuchte Ruhe und Entspannung mehr als gefunden.

Aber auch alle Lieblichkeit und Entspannung sind natürlich kein Grund, die traumhaften Passstraßen in der Gegend zu vernachlässigen, die sich wie schriftliche Einladungen um so manchen Berg legen. Diese Mischung aus diebischem, kurvenhungrigem Vollgasspaß und umfassender Erholung ist es, was “die Berge” als Reiseziel für uns ausmacht. Diesen Anspruch übererfüllt Südtirol mit Bravour. Wir können einen Besuch im nördlichsten Teil Italiens nur wärmstens und uneingeschränkt empfehlen und kommen selber sehr gerne wieder, auch wenn das Reifenprofil leidet 😉 !

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