Kurztrips

Auf die Eiche gebracht - Ein Wochenende im Baumhaushotel Einsiedel

von Robert 6. September 2020 0 Kommentare

Baumhaus...hotel?! - Die Idee

Das Konzept war auch mir vorab fremd. Obwohl ich grob schon mal gehört hatte, dass es sowas geben soll, bin ich konkret mit der Materie erst an meinem 30. Geburtstag in Berührung gekommen. Meine Familie, die natürlich wusste, dass ich gern reise und auch ungewöhnliche Erlebnisse mag, hatte mir einen Wertgutschein für das Baumhaushotel auf der Kulturinsel Einsiedel geschenkt - sehr zu meiner Freude.

Die Kulturinsel selbst ist eine Art Freizeitpark, der die Holzgestaltung in den Vordergrund stellt. So gibt es neben etlichen Klettergerüsten, Spielgeräten und Kunstgegenständen - die sich allesamt am ehesten an Kinder bis 14 Jahre richten - vor allem auch viele Baumhäuser. Neben denen im Park selbst, die vor allem als Ausstellungsfläche für die zugehörige Folklore dienen, gibt es im "Behütum" - dem Campingareal der Anlage - auch welche zum Mieten.

Die Übernachtungsmöglichkeiten sind dabei mannigfaltig und allesamt sehr naturnah. Es gibt nicht nur Baumhäuser, sondern auch kleine Baumzelte für zwei, teils aus Stein errichtete Unterkünfte wie das "Felsennest" oder direkt in die Hügel gebaute wie das "Erdversteck". Highlight jedoch sind ganz klar die großen Baumhäuser für (nominell) mehr als zwei Personen.

Da die Kapazitäten begrenzt sind und das Interesse anscheinend groß, sind die begehrten Objekte oft Monate im Voraus ausgebucht. Daher haben wir uns auch bereits Ende des vergangenen Jahres dazu entschieden, unseren Aufenthalt für Mitte August zu reservieren. Nach einer kleinen Erkundungstour im Vorfeld haben wir festgestellt, dass die Unterkünfte für Zwei doch sehr klein ausfallen. Daher haben wir uns entschieden, eines der größten Objekte zu buchen - das Baumaquarium, welches Platz für bis zu sechs Personen bieten soll.

Inbegriffen sind die Nacht im Hotel inklusive aller Notwendigkeiten wie Handtücher, Klopapier, Bettwäsche usw. sowie der Eintritt in den Park an beiden Tagen. Verpflegung in einem der Restaurants im Park und eventuelle Eintrittspreise für Veranstaltungen kommen hingegen noch oben drauf.

Ab an die Neiße - Anreise und Check-In

Die "Kulturinsel" liegt auf beiden Seiten der Neiße, welche auch die deutsch-polnische Grenze markiert. Es empfiehlt sich daher, ein gültiges Reisedokument mitzuführen. Die Anreise fällt ansonsten leicht, da sie fast ausschließlich über die A4 Richtung Görlitz sowie ein paar Kilometer gut ausgebaute Landstraße erfolgt. Die Kulturinsel ist einfach zu finden, da sie a) relativ breitflächig ausgeschildert und b) als größte Attraktion der Region auch schwer zu verfehlen ist.

Der Parkplatz ist kostenlos und großzügig dimensioniert. Neben ihm liegt ein kleiner Zoo, in dem es neben Pferden und Eseln manchmal auch ein Kamel zu sehen gibt - in der Lausitz doch eher außergewöhnlich. Die Anmeldung zur Übernachtung erfolgt am Eingang des Parks, einmal über die Straße. Hier ist kritisch anzumerken, dass der Check-In für die Übernachtungsgäste im selben (kleinen) Gebäude stattfindet wie der Einlass der Tagesgäste. Gerade zu Stoßzeiten ist sehr viel los, was zum einen zu Chaos bei der Bildung der Schlangen führt und zum anderen natürlich auch die Einhaltung der Hygienekonzepte schwierig macht.

Auch scheint der Einlass mitarbeitertechnisch etwas unterdimensioniert, denn die Schlange bewegt sich sehr langsam und die Wartezeiten sorgen eher für Unmut. Der eigentlich Check-In - wenn man denn dann mal dran ist - funktioniert soweit reibungslos. Die Mitarbeiter erklären freundlich und kompetent die diversen Eigenarten des Hotels. So ist im Baumaquarium ein Rätsel versteckt, das man lösen kann. Zudem erhält man einen geheimnisvollen Umschlag, den man erst nachts öffnen darf, sowie eine Karte, die die Orientierung auf dem unübersichtlichen Gelände erleichtert.

Wir nehmen den Schlüssel in Empfang und parken unser Auto um - denn sehr unweit von unserem Baumhaus gibt es einen weiteren Parkplatz für Übernachtungsgäste und das ist auch gut so, denn sonst müsste man sein Gepäck quer über die Landstraße oder durch den Wald tragen. Einmal um die Ecke, in der Baumkrone versteckt, befindet sich "unser" Baumaquarium - na denn mal rein und das gute Stück ausgiebig betrachten. Dabei wird man zumindest schon mal nicht vom Handy abgelenkt, denn der Empfang bewegt sich zwischen Edge und Null ;), aber immerhin ist das Baumhaus eine hervorragende Pandemie-Behausung - isoliert ist man hier allemal!

Kreativ gedacht, liebevoll gemacht - Das Baumhaus

Nun ist es eine ziemliche Herausforderung, ein so großes Haus mehrere Meter hoch in einer Baumkrone zu konstruieren und zu bauen. Man muss vor allem die vorhandenen Strukturen des Baumes sinnvoll nutzen, um die doch relativ geringe Grundfläche effizient zu erschließen. Dieses Vorhaben ist den Betreibern durchgängig gut gelungen. Die einfallsreichen und teils auch witzigen Lösungen ziehen sich einmal quer durch da Baumhaus. Das beginnt schon beim Haupteingang, der durch eine drehende Schiebetür gesichert ist.

Nach dem Betreten durch das "Treppenhaus" stehen im Baumaquarium zwei Ebenen zur Verfügung. Auf der ersten ist vor allem das "Bad" untergebracht - in welchem man immerhin über elektrisches Licht, eine Toilette mit fließendem Wasser und eine Dusche mit Boiler in ca. 4 Metern Höhe verfügt - für Baumhausverhältnisse purer Luxus! Auf der anderen Seite setzt sich der Aufstieg fort. In die Wand ist platzsparend die Kaffee-Ecke eingelassen, in der Heißgetränke zubereitet werden können.

Ganz oben angekommen befindet sich der Wohnbereich - aufgrund des hohen Glasanteils das eigentliche "Aquarium" - welcher durchgängig von einer ca. 70cm breiten Holzterrasse umgeben ist. Auf dieser hat man einen schönen Rundumblick. Zu sehr auf dem "Präsentierteller" sitzt man dabei trotzdem nicht, da man ja praktischerweise von einem Blättergeflecht umgeben ist ;).

Der Wohnbereich selbst ist sehr überzeugend. Die detailverliebte Holzgestaltung findet hier ihren Höhepunkt. Die Sitzmöbel und der Tisch sowie diverse Schränke sind fast ausschließlich aus Holz und Fell gefertigt. Eingerahmt wird der Aufenthaltsbereich, der die untere Etage des Wohnbereichs bildet, von großen Fenstern, die immer einen direkten Blick in die Natur ermöglichen. Die Hängesessel sind sehr bequem und auch die Platzverhältnisse sind für Baumhausniveau sehr komfortabel - zu zweit zumindest. Das Verweilen ist sehr angenehm und entspannend.

In der oberen Etage des Aquariums befindet sich der Schlafbereich - bestehend aus drei kleinen Doppelmatratzen für je zwei Leute. Die hinterste befindet sich noch mal in einem kleinen Extra-Abteil, das im Sommer sehr warm werden dürfte. Insbesondere, da man das Bett dort nicht verlassen kann, ohne andere Leute zu wecken, um sie zu bitten, Platz zu machen, ist es bei voller Belegung dann wohl nur sehr bedingt komfortabel. Zu zweit jedoch - mit je einer Matratze zum Schlafen - war es sehr angenehm.

Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die Ausstattung. Man hat eine vollwertige Stromversorgung, Licht und sogar einen kleinen Kühlschrank inklusive Minibar. Alles in allem lässt es sich, wenn man das Baumhaus nicht überbelegt, hier ein paar Nächte hervorragend aushalten. Das Aquarium als Unterkunft ist sehr einfallsreich, exklusiv und einzigartig - das genaue Gegenteil eines generischen Hotelzimmers. Und hey: Wer hat schon mal in einem Luxus-Baumhaus übernachtet?

Da sich das Gesamtkunstwerk mit der Beschreibung und den Fotos nur unzureichend erschließen dürfte, haben wir ein kleines Follow Me Around für euch produziert:

"Die geheime Welt von Turisede" ... ?! - Die Events und das Essen

Der thematische Unterbau der Kulturinsel ist das Leben der "Turiseder", eines angeblich verlorenen Volks, welches im 11. Jahrhundert in der Region gelebt hat. Deren Bräuche - oder das, was man dem Brauchtum eventuell zuschreiben könnte - bilden den Rahmen für die Gestaltung des Parks, die Events und auch sonst alles. Da vom Volk selbst nur sehr wenige belegbare Informationen noch vorhanden zu sein scheinen, wird vieles hinzugedichtet. Das Narrativ wirkt dadurch oft etwas künstlich.

Innerhalb dieser Geschichten finden dann auch die Events statt. So gibt es nachts z. B. eine Art Schnitzeljagd, bei dem man "Modelpfutz", dem Geist der Insel und natürlich ein Nachfahre eines alten Turiseders, folgen kann, um die Geschichte des Volkes zu erfahren. Dabei muss man Wort für Wort ein Rätsel lösen, welches man dann am nächsten Morgen der Frühstücksfrau ins Ohr flüstern kann, um Ehrenturiseder zu werden. Oder aber man bleibt einfach auf der Terrasse und trinkt Rotwein, so wie wir es getan haben ;). Für Kinder dennoch bestimmt eine tolle Idee! Ebenso wie das Rätsel in Form eines im Baumhaus versteckten Puzzles, bei dem man eine Nacht in einem Baumbett gewinnen kann ... so man das denn möchte.

Mit dem Park selbst kommen wir zunächst beim Abendessen in der "Feuerwasserspielunke" in Berührung. Hier gibt es - als einzige Essensmöglichkleit im größeren Umkreis - in erster Linie mittelalterlich angehauchte Küche, für mich eine Knoblauchsuppe und Wildgulasch im Brotlaib. Einfach bestellen ist aber nicht, hier bekommt man einen neuen Namen und muss die Speisen - die ebenfalls total "lustige und kreative" Namen haben wie etwa "Stinki Winki" für die Knoblauchsuppe - auf einem Zettel ankreuzen, diesen in eine Kugel tun und die in einen Trichter werfen, damit sie über ein Rohrsystem in der Küche ankommt. Abholen muss man das Bestellte natürlich trotzdem selbst und zwar nachdem man mit einem witzigen Spruch unter seinem neuen Namen aufgerufen wurde, à la "Gisela, dein Bier ist da" ... ha ..... haa ...... haaaaa.

So was hört man dann im Minutentakt. Leider ist all das nicht nur sehr gezwungen witzig (man könnte auch sagen eher zum Fremdschämen), sondern auch kulinarisch ein Reinfall. Die Knoblauchsuppe ist viel zu dünn, der Wildgulasch fade und langweilig, das Brot trocken. Besonders der Gulasch darf bei nicht gerade günstigen 16,20€ pro Portion schon nach etwas schmecken. Dass man zu Stoßzeiten gut und gerne ein Stunde auf sein Essen wartet, macht es nicht besser. Mir wäre es deutlich lieber, wenn ein Restaurant davon leben würde, dass es leckeres Essen produziert, und weniger von kläglichem Entertainment sowie davon, das Einzige in der Umgebung zu sein. Auch an anderen Tischen sind die Gesichter weniger begeistert und viele Teller bleiben fast voll.

Zum Essen braucht man wahrlich nicht nach Einsiedel zu fahren. Das gilt auch für das Frühstück, welches zwar recht gut ist, aber nur deswegen, weil es in unserem Fall fast ausschließlich aus eingekauften Zutaten besteht. Auch war es nicht das eigentliche Frühstücksangebot, sondern ein Vesperbrett im Restaurant, welches man auch nach der eigentlichen Frühstückszeit erhalten kann.

Viel Holz im Nichts? - Der Park selbst

Die Anlage als Freizeitpark hinterlässt zwiegespaltene Eindrücke (und nein, das war kein Holz-Witz ;)). Man muss klar vorwegschicken: Wir sind da nicht die Zielgruppe. Kinder bis ca. 14 Jahre haben hier bestimmt ihre diebische Freude. Es gibt unzählige Gänge, Hütten, Stege und Höhlen, die unter-, eben- und überirdisch dazu einladen, entdeckt zu werden, für Erwachsene aufgrund der Dimensionen aber kaum zu passieren sind. So können sich die Kids den ganzen Tag austoben, allerdings ist es aufgrund der verwinkelten Bauweise für die Erziehungsberechtigten wohl sehr schwierig, in angemessenem Maße der Aufsichtspflicht nachzukommen.

Die Kulturinsel teilt sich in zwei Bereiche. Im deutschen Teil befinden sich der Haupteingang und der größte Teil der Attraktionen. Zu diesen gehören vor allem die vielen Spiel- und Klettergelegenheiten, Ausstellungsflächen und Gastrobetriebe. Der polnische Teil, den man durch die "Neißepforte" erreicht, liegt - anders als auf der Karte suggeriert - einige Kilometer entfernt und ist bei Weitem nicht so dicht bebaut. Dort findet man eher naturbelassene Areale und Tiere wie Emus oder Büffel.

Für Erwachsene gibt es - außer die Holzkunst zu bestaunen, falls man sich zufällig dafür interessieren sollte - wenig zu tun. Eine Ausnahme mögen noch die Ausstellungen im "Historum" oder manche Bühnenshow sein, die zu Coronazeiten allerdings selten bis nie stattfinden. Immerhin lädt die polnische Seite zu einem gemütlichen Spaziergang entlang der Neiße ein.

Apropos Corona: Tatsächlich fällt das Abstandhalten besonders auf den Stegen und in den teils sehr engen Gängen schwer. Die Maskenpflicht wird nicht durchgesetzt, Desinfektionsmittelspender und Seife waren an beiden Tagen und an verschiedenen Stellen durchgängig leer. Bei der Masse an Kindern und Familien dürfte der Besuch so alles andere als pandemietauglich sein.

Baumhaus top, Rest eher ... nichts für uns - Das Fazit

Das Wochenende lässt uns ein wenig ratlos zurück. Der Aufenthalt im Baumhaus selbst war super. Die Bretterhütte in der Krone war sehr einfallsreich und individuell umgesetzt - beeindruckend sowohl vom Wohnkonzept als auch von der Bauleistung her. Das Baumaquarium, welches zwar sehr luxriös ausgestattet, aber trotzdem mitten in der Natur ist, bietet ein wirklich einzigartiges Übernachtungserlebnis. Dies ist besonders für Reisefreunde wie uns eine tolle Erfahrung, welche wir als solche auch nicht missen wollen. Allerdings erkauft man sich diese auch für einen heftigen Preis. Mit der Übernachtung, Essen und Anreise aus dem rund 100 km entfernten Dresden haben uns die 24 Stunden etwa 500€ gekostet - davon etwa 380€ allein für die Übernachtung.

Auch wenn wir uns natürlich bewusst für eine Option mit Kapazität für mehr Personen entschieden haben - für den Kurs muss man schon wirklich in einem Baumhaus pennen wollen, denn für eine ähnliche Rate gibt es auch eine schöne Suite im Ritz und in der hätten im Zweifelsfalls mehr als 6 Personen Platz ;). Als Erfahrung war es den Preis wert - den wir dank des Geburtstagsgutscheins nur anteilig selbst tragen mussten - aber wieder machen würden wir es nicht. Als Event für Traveler oder Leute, die sich für naturnahe Übernachtungen oder Holzkunst interessieren, gleichwohl aber nicht am Hungertuch nagen, ist es eine sehr empfehlenswerte Erfahrung!

Der Rest der Kulturinsel Einsiedel hat uns aufgrund der oft gekünstelt wirkenden Folklore und des aufgesetzten Mittelaltercharmes überhaupt nicht angesprochen - auch wenn wir natürlich nicht die Zielgruppe sind. Familien mit bewegungsfreudigen Kindern können bei einem Ausflug nach "Turisede" aber einen schönen und spannenden Tag verbringen. Wer daran Freude hat, dem wünschen wir viel Spaß. Wir selbst allerdings haben uns nach 2 Stunden im Park nur noch für eines interessiert - den Weg zum "Ausgangum".

Vielleicht gefällt dir ja auch ...

Kommentar hinterlassen