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Review: BMW M135i xDrive – ein Kompakter außer Rand und Band?

von Uwe 1. Juli 2014 0 Kommentare

Angst macht sich breit im Kompaktwagensegment! BMW plant Dreizylinder, Frontantrieb und Elektrounterstützung. Es ist die Angst der Saug-Puristen, die die Marke einst so geprägt haben. Doch zunächst soll alles gut bleiben. M Performance heißt die neue Sparte, die die Lücke bis hin zu den M-Modellen füllen soll. BMW will seinen Anhängern beweisen, dass es auch zukünftig jede Menge Spaß geben wird.

Der Reihensechszylinder faucht. Ein M auf dem Heck.

BMW M135i xDrive Feldweg

Alles scheint tatsächlich gut zu sein, für den Moment. Doch ist es bereits das äußere Erscheinungsbild, was deutlich zeigt, dass man sich auf keinen Stierkampf vorbereiten muss. Selbstverständlich kommt der M135i mit dem M-Paket, aber der Weg zu einem 1er M Coupé wäre zugegebenermaßen weit. Sehr weit. Regelrecht zahm wirkt er, scheinen doch die Spiegelkappen auf den ersten Blick der größte Unterschied zur Serie zu sein. Auch das Interieur scheint kaum abzuweichen.

M135i xDrive

Serienmäßig sind die M-Einstiegsleisten, M-Schlüssel, M-Schriftzug, M-Sportbremse, variable Sportlenkung, -sitze und -fahrwerk.

Was erwartet man also von einem solchen Fahrzeug? Und wie fährt er sich tatsächlich?

M135i xDrive

Setzen wir uns erst einmal. Die Sportsitze schmiegen sich an wie ein Maßanzug, ausgezeichneter Seitenhalt geht einher. Der Kaltstart bringt den tiefen Sechszylinderklang noch etwas prägnanter hervor. Das Triebwerk des M135i ist außergewöhnlich gut gelungen und haucht dem sportlichen 1er ordentlich Leben ein.

M135i xDrive

Der Motor ist warm gefahren. Wir versuchen es. Die Tachonadel benötigt keine fünf Sekunden für die Landstraßenhöchstgeschwindigkeit – damit ist der M135i König unten den Kompakten. Großen Anteil daran haben die gute Traktion und die ausgezeichnet entwickelte Wandlerautomatik von ZF.

Wir wagen uns weiter vor in kurviges Terrain. Deutlich spürt man die wohlgeformte Wampe in jeder Kurve, immerhin 1595kg bringt der M135i xDrive auf die Waage. Doch nicht nur das Gewicht stört uns in engen Kehren, es ist auch der Allradantrieb. Wie ein Flaschenhals begrenzt er die Kurvengeschwindigkeiten – und das enorm. Schmeißt man den M135i xDrive wie einen Hecktriebler in die Kurve, kommt man da nicht heil wieder heraus. Egal wie hart man am Gas bleibt, die Reifen flehen lautstark nach Grip, vergeblich. Es scheint als würde man jede längsdynamisch gewonnene Sekunde vollständig zurückzahlen müssen. Übertreibt man es nicht, so bleibt der M135i xDrive stets gut beherrschbar und verhält sich beim sehr frühen Herausbeschleunigen aus niedrigen Kurvengeschwindigkeiten sogar leicht übersteuernd, nur eben so richtig schnell ist er auch dabei nicht, der M135i xDrive.

M135i xDrive

Elektro-mechanische Lenkung? Allradantrieb? WITCHCRAFT!

Der M135i bietet ausgezeichnete Rückmeldung – bis zu den Reifen. Die Lenkung hat einen angenehmen Widerstand. Man spürt die Strasse, Unebenheiten und Nässe wunderbar, aber erst, wenn diese am Reifen ankommen. Durch die elektrische Unterstützung ahnt man die Strasse, fühlt sie aber nicht immer richtig in den Händen. Das geht jedoch für einen kompakten Sportler völlig in Ordnung, gerade hinsichtlich der Präzision. Auch das Fahrwerk ist um Welten besser als das der Serie. Mit sensiblem Popometer hat man nie das Gefühl, den Kontakt zur Strasse zu verlieren. Gleichzeitig ist es uns in keiner Situation zu hart vorgekommen – eine ausgezeichnete Leistung der Ingenieure.

Auch die Sportbremse ist sehr gut gelungen. Gutes Ansprechverhalten, kein Fading und konstanter Druckpunkt. Hieran können sich so einige Hersteller etwas abschauen!

BMW M135i xDrive Bremsanlage

Der M135i schöpft seine 320PS aus drei Litern Hubraum, zwangsbeatmet durch einen Turbolader. Er fährt fernab der Twin-Turbo Philosophie, wie man sie aus dem Z4 35is oder anderen Konzernbrüdern kennt. Und das merkt man! Denn man merkt: nichts. Drehfreude und Ansprechverhalten außerhalb der Erwartungshaltung turbounterstützter Fahrzeuge.

M135i xDrive

Der M135i bleibt ein Serienfahrzeug, dem man versucht hat Sport einzuhauchen. Kein Sportwagen, den man alltagstauglicher gestalten wollte. Es fehlen die Seele, die Emotionen und der morgendliche Respekt beim Einsteigen. Er bereitet auf der Landstrasse viel Spaß, läuft auf der Autobahn zügig in den Begrenzer, ist alltagstauglich wie die Serie. Aber bleibt, was er ist: ein ausgezeichneter Kompromiss.

Wir wünschen uns: Ein Testfahrzeug ohne xDrive (wir bringen Euch hierzu definitiv noch einen Blinkwinkel M135i vs. M135i xDrive), gern handgeschalten und als Wunschdenken: ein mechanisches Sperrdifferenzial.

Vielen Dank an Sixt für die Bereitstellung des schönen Fahrzeugs zum Wochenende!

Sixt Diamond Lounge am MUC

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