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Kurztrip: Erste Schritte in der Astrofotografie – der Sternenpark Rhön

von Robert 22. November 2015 0 Kommentare

Auf das Marketing kommt es an!

Das Rhöngebirge. Ja, zugegeben, die Landschaft soll ja sehr schön sein, aber was macht man dort? Wandern, meh, denn ansonsten ist ja weit und breit eigentlich nichts. Dieses Problem hat wohl auch die Parkverwaltung des Biosphärenreservats Rhön erkannt und aus der Not eine Tugend gemacht.

Wo wirklich nur Natur ist und sonst neben 1 – 2 kleinen Dörfern nur sehr wenig, ist auch die sogenannte Lichtverschmutzung, das orangefarbene Glühen etwa von Großstädten, die in den Ballunszentren das Beobachten des Sternenhimmels verhindert oder zumindest erschwert, äußerst gering.

Diesen Umstand vermarkten Naturfreunde inzwischen clever. An diversen Orten in Deutschland, wie auch im Rhöngebirge, werden weite Teile von Nationalparks zum „Sternenpark“ deklariert, um Astrofreunde und Fotografen anzulocken. Da wir uns sowieso mehr mit der Astrofotografie beschäftigen wollten, haben wir uns mal locken lassen und eine Nacht lang in Hessen geknipst – in einem der dunkelsten Zipfel Deutschlands.

Location finden … und auch Obdach!

Ursprünglich war der Sternenpark Havelland als Ziel angedacht, allerdings war es an diesem Neumond-Septemberwochenende dort deutlich bewölkter und so sind wir auf Plan B ausgewichen. Im Dreiländereck Hessen-Thüringen-Bayern befindet sich der Nationalpark Rhöngebirge und ist, neben Brandenburg, aufgrund der hohen Entfernung zu jeder größeren Stadt einer der dunkelsten Flecken Deutschlands. Am Horizont schimmert allenfalls immer mal ein Dorf.

Lichtverschmutzung Wasserkuppe

Die Sternenparkverwaltung stellt online vorab Informationen für geeignete Beobachtungsplätze zur Verfügung, genau festgelegt hatten wir uns jedoch nicht. Da Wildcampen im Biospährenreservat natürlich streng verboten ist, brauchten wir noch eine Übernachtungsmöglichkeit.

Das gestaltete sich aber gar nicht so einfach, denn wenn wir die ganze Nacht im Park sind und erst um 7 oder so ins Bett kommen, können wir natürlich nicht um 9 auschecken. Nachdem wir ca. 10 Hotels und Pensionen erfolglos mit unseren Anforderungen konfrontiert hatten, gewährte uns schließlich die nette Wirtin der kleinen Pension Georgshof in Findlos Unterschlupf.

Pension Georgshof, Findlos

Im Gespräch mit der guten Dame, die von unserem Vorhaben sogar total begeistert war, hat sich als passende Location sehr schnell die Wasserkuppe herauskristallisiert. Der 950m hohe Berg ist Naherholungsgebiet und die höchste Erhebung in Hessen. Außerdem sind die vier umliegenden größeren Städte (Erfurt, Würzburg, Frankfurt und Kassel) allesamt um die 100km entfernt – perfekt.

Im mobilen Büro – Das Setup

Vor Ort fahren wir zunächst zum Flugplatz auf dem Gipfel. Da dort aber noch mehr oder weniger reger Betrieb herrschte, haben wir uns ca. 80 Höhenmeter unter dem Gipfel niedergelassen, oder wie man auch sagen könnte – einfach den nächsten Waldweg rein und auf dem erstbesten Acker :p.

Da wir ja planten, die ganze Nacht zu nutzen, haben wir uns relativ häuslich in unserem windschützenden Muschelzelt eingerichtet. Mit dabei waren auch unser Tisch und zwei bequeme Campingstühle – und natürlich auch warme Klamotten und Schlafsäcke gegen die nächtliche Kälte.

Blick ins mobile Office

Technisch waren wir mit unseren beiden Spiegelreflexkameras Canon 400D mit 18 – 55mm IS Kit-Objektiv und Canon 600D mit Tokina 11 – 16mm f/2.8 unterwegs. Für die lange Aufnahmedauer braucht es in erster Linie zwei Dinge – Strom und Speicher. Für den Speicher sorgt der Laptop, auf dem die Bilder direkt nach der Aufnahme via USB landen. Strom bekommen die Kameras über 230V-Adapter, die wir mit einer Autobatterie und einem 300W-Wechselrichter betreiben.

Mobile Office

Um die Bildergebnisse direkt angemessen auf Tauglichkeit überprüfen zu können (und um uns angemessen zu unterhalten, während die Kameras ihren Job tun ;)) haben wir unser mobiles Büro noch mit einem 24″ TFT Monitor aufgewertet. An so einem Frischluftarbeitsplatz mit grandiosem Ausblick steht der Produktivität ja nun wahrlich nichts mehr im Wege – na denn mal los.

Outdoor Office

Was für ein Ausblick

Als wir mit dem Aufbauen fertig waren, war es auch schon recht dunkel und am Himmel spielte sich ein wunderbares Spektakel ab. Noch waren nur vereinzelt Sterne zu sehen, hier und da. Doch je intensiver die Nacht über Mitteldeutschland hereinbrach, desto mehr Sterne blitzten auf.

Milchstraße Mitte September von der Wasserkuppe

Erst nur ein paar weitere, dann ein paar Dutzend und schließlich hunderte. Solche Ausblicke kennen wir als Großstädter eigentlich nur von Mittelmeerinseln wie Mallorca oder Hvar oder aus der Wüste von Nevada. Neben den Sternen als solchen hat man hier auch die seltene Chance, mit dem bloßen Auge die sichtbaren Ausläufer der Milchstraße zu bestaunen – wow. Wenn das keine Steilvorlage für ein Timelapse ist…

Golf vor Fixstern, Sternenhimmel

Wir nutzen diese Gelegenheit für einen kleinen Technologievergleich und stellen die Aufgabe „Milky Way Timelapse“ beiden Kameras gleichermaßen. Die 600D ist quasi noch auf dem aktuellen Stand der Technik, während die 400D etwa 10 Jahre älter ist. Dank Zoomyrentals hat die 600D außerdem noch einen entscheidenden Vorteil – das Tokinaobjektiv. Zusammen etwa ein 1000€-Setup, schauen wir mal, wie es sich gegen das 200€-Setup schlägt. Ist fünfmal so teuer auch fünfmal so schick?

Ähhhmmm … ich würde sagen ja! Nachdem wir das geklärt hatten, motten wir die 400er ein und nutzen unser Mietobjektiv noch ein wenig für Einzelshots, solange wir dieses geniale Sternenlicht und -panorama zum Einfangen haben. Fotografisch ist der Ausflug also trotz ziemlich steifer Briese und recht beißender Kälte wohl nicht verkehrt gelaufen – seht selbst :).

Und bei Licht so?

Die kalte, schlaflose Nacht auf dem windigen Berg hat uns ein wenig zu schaffen gemacht, aber nichts, was ein gutes Schläfchen nicht kurieren könnte … und genau das haben wir dann auch bis in den späten Nachmittag gehalten. Wir wollten jedoch die Gegend nicht verlassen, ohne vorher noch ein vollständigeres Bild zu bekommen – nämlich eines bei Tageslicht.

So haben wir uns über die tatsächlich traumhaft ausgebauten und sanft-kurvigen Landstraßen wieder auf die Wasserkuppe begeben. Der Hügel ist in der Gegend durchaus bekannt. Zum einen entspringt dort der Fluss Fulda. Außerdem ist der Flugsport in seinen verschiedenen Formen hier sehr präsent. Insbesondere der Segelflug ist mit der Wasserkuppe in langer Tradition verbunden.

Segelflieger auf der Wasserkuppe

Was uns direkt auffällt, ist, dass es wohl ganz gut gewesen ist, nicht an Ort und Stelle übernachtet zu haben. Es stellt sich heraus, dass unser Fotolager am Fuße des Landehangs der Paraglider war … die wären wohl von unserer Aktion nicht so begeistert gewesen :D.

Paraglider an der Wasserkuppe

Wir genießen den traumhaften Ausblick, den die Wasserkuppe auf die Rhönlandschaft bietet, ein wenig und stellen fest: Die Gegend, die vorher auf unserer geistigen Landkarte eher ein weißer Fleck war, ist wirklich charmant. Die weiche, hügelige, naturbelassene Landschaft in Verbindung mit den entsprechenden Landstraßen machen das Rhöngebirge zu einem lohnenden Ausflugsziel – egal ob für Motorbegeisterte oder Fotografiefreunde … oder beide :D.

Rhönlandschaft

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