Kurztrips

Normandie & Omaha Beach – Rallye-Chillout in Nordfrankreich

von Robert 19. November 2017 0 Kommentare

Nach einigen schönen Tagen in der französischen Hauptstadt Paris war es für uns Zeit, die nächste Chillout-Station anzusteuern. Traditionell schauen wir uns nach Ende der letzten Etappe ja gerne nochmal in Ruhe in den Gegenden um, die wir unterwegs zwar passiert haben, für deren Vorzüge wir während der Rallye-Hektik aber leider kein Auge haben konnten. Die Route führte uns in signifikanten Teilen durch Nordfrankreich.

Allerdings haben wir uns noch aus einem anderen Grund für die Fahrt nach Norden entschieden. Unser Aufenthalt fiel zeitlich fast genau auf den Jahrestag des D-Day, der Landung alliierter Truppen 1944 im damals von der Wehrmacht besetzten Teil Frankreichs. Da dies eine gute Gelegenheit zu sein schien, sich mit der historischen Bedeutung des Ortes vertraut zu machen, begeben wir uns Nordfrankreich. Wir fahren von Paris nach Caen in der Normandie und checken ins Hotel Adagio ein.

Der Norden – das andere Frankreich

Da wir bis jetzt nur das “Vergnügen” hatten, die Region auf der französischen “Autobahn” vorbeischleichen zu sehen, war als erster Tagesordnungspunkt eine kleine Erkundungstour an der Reihe. Allerdings muss man dazu natürlich auch fit sein, also suchen wir zunächst für ein Frühstück das “Maison Toulorge” auf – eine der Boulangerien, die Caen so zu bieten hat.  Mit ein paar delikaten Sandwiches u.a. mit geschmolzenem Brie (mmmhhhhhh Käääse) und mit Nougat gefüllten Croissants startet es sich gleichermaßen authentisch und lecker in den Tag!

Bei der Fahrt durch die Stadt und dem anschließenden Spaziergang fällt eines auf: Mit Paris ist Caen nicht zu vergleichen. Hier im Norden ist alles eine ganze Spur … ruhiger, bodenständiger und weniger auf Äußerlichkeiten bedacht. Das macht sich zunächst schon im Verkehr bemerkbar … an so einfachen Kleinigkeiten wie dass die Leute in Spuren fahren oder an roten Ampeln auch anhalten ;). Außerdem sind die Menschen freundlich und sehr hilfsbereit, ohne dabei diese gewisse weltmännische Überheblichkeit an den Tag zu legen, die einem in Paris mancherorts entgegenweht. Nach dem eleganten, aber auch etwas oberflächlichen Flair von Paris ist diese Bodenständigkeit direkt erfrischend.

Man hat das Gefühl, dass die Bewohner der Normandie einfach eine etwas gelassenere Art an den Tag legen. Obwohl es in Paris natürlich viel zur Atmosphäre beiträgt, dass sich jeder unglaublich wichtig findet und elegant erscheinen muss, ist es durchaus entspannend, Leute zu sehen, denen solche Äußerlichkeiten offenbar nachrangig sind. Zur Entspannung lädt auch die Landschaft ein. Die sanften Hügel und grünen Felder werden bei einer Überlandfahrt immer mal von ein paar Bäumen unterbrochen und ab und an auch von niedlichen, kleinen Örtchen. Hach, was für ein liebliches Bild.

Am Strand von Saint-Laurent-sur-Mer

Je näher wir unserem Ziel kommen, desto mehr weicht die Lieblichkeit der Landschaft allerdings auch einer gewissen  Schwere. Wohlwissend, dass wir uns historischen Schlachtfeldern nähern, hält bei uns eine nachdenkliche Stimmung Einzug. Die Landungszonen der Alliierten erstreckten sich in der Normandie zwar über fast 100 km, aber keiner der anderen Abschnitte ist aufgrund seiner verlustreichen Schlachten so sehr im kollektiven Gedächtnis geblieben wie der (mit etwa 10 Kilometern längste) Abschnitt Omaha Beach. Dieser erstreckt sich zwischen Colleville und dem benachbarten Ort Saint-Laurent-sur-Mer.

Spätestens mit dem großen Schild “OMAHA BEACH” und den diversen Panzern und ähnlichem Kriegsgerät am Wegesrand wird klar, dass man sich nicht mehr einfach nur in einem niedlichen Städtchen in der Normandie befindet. Hier ist auch gleichzeitig der Schauplatz einer der entscheidenden Schlachten des zweiten Weltkrieges.

Der Strand selber verströmt eine eigenartige Atmosphäre. 73 Jahre nach den Ereignissen rund um die Operation Overlord und den D-Day liegt er zwar etwas rau, aber trotzdem friedlich da. Er verströmt eine besondere Ruhe, die dazu einlädt, innezuhalten und sich vorzustellen, wie es damals wohl gewesen sein mag. Tausende von alliierten Soldaten versuchen von Hunderten Schiffen aus verzweifelt, den erbitterten Widerstand der Wehrmacht zu brechen und damit den Anfang vom Ende der Naziherrschaft einzuläuten. Tausende sind, genau hier, dafür umgekommen, dass wir alle heute in einem weltoffenen, freien und liberalen Europa leben dürfen. Eine sehr eindringliche und bewegende Vorstellung, die einem als Europäer Respekt und Dankbarkeit abringt.

An die Ereignisse erinnern auch diverse Denkmäler. Hier fällt das “Monument de la Libération” ins Auge, welches schon weit vom Parkplatz aus zu sehen ist. Es erinnert, wie der Name schon sagt, an die Befreiung allgemein. Beeindruckender allerdings ist das “Monument Les Braves”. Das direkt ins Wasser gebaute Denkmal besteht aus vielen “Scherben”, die man gleichermaßen als Schwerter oder Glassplitter interpretieren kann. Es erinnert an die alliierten Soldaten, die gefallen sind und wurde 2004 anlässlich der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Invasion von der französischen Regierung gestiftet.

Nicht riesig, aber sehr dicht – das Museum

In Sichtweite des Strands liegt das Omaha Beach Museum, oder “Musée Mémorial d’Omaha Beach”, wie es vollständig heißt. Eines vorneweg: Der Besuch des Museums ist uneingeschränkt und unbedingt empfehlenswert, wenn man sich in der Gegend aufhält. Dazu ein paar Worte, warum das so ist:

Was zunächst auffällt, ist die Dichte der Eindrücke im Museum. Von der kleinen Medaille über Handfeuerwaffen bis hin zu Fahrzeugen und sogar Bunkern wurde alles ausgestellt (oder nachgebildet), was einen Eindruck des Schlachtgeschehens vermittelt.  Für die verhältnismäßig kleine Fläche wird so sehr viel geboten. Außerdem wurde die Ausstellung sehr liebevoll und detailreich kuratiert. Die Exponate sind nicht nur zahlreich, es wird auch versucht, sie in ihrem jeweiligen Kontext zu zeigen und sachgemäß zu beschreiben.

Was außerdem sehr positiv auffällt, ist, dass sich das Museum soweit wie möglich in Neutralität übt. Die Ereignisse werden zwar gefühlt authentisch dargestellt und auch in die Gesamtgeschehnisse des zweiten Weltkriegs eingeordnet, allerdings verzichtet man auf wertende Darstellungen. Wehrmachtsoldaten werden ähnlich inszeniert wie amerikanische GIs. Damit wird der Besucher veranlasst, sich selber ein Urteil über die Geschehnisse rund um den D-Day zu bilden. Es regt zum Nachdenken an und erfüllt damit bestens seine Aufgabe als neutraler Beobachter der Geschichte.

Für die Ausstellung und auch spannende, regelmäßige Videovorführungen, in den Zeitzeugen zu Wort kommen, sollte man zwei bis drei Stunden einplanen. Der Eintritt ist mit 7€ für den Erwachsenen auch sehr angemessen. Weitere Informationen wie die Öffnungszeiten finden sich auf der Webseite des Museums: musee-memorial-omaha.com

Unter der Erde – Der Atlantikwall am Pointe du Hoc

Das ohnehin schon äußerst waghalsige Vorhaben der Alliierten wurde durch eine Besonderheit noch weiter erschwert: den Atlantikwall. Die Befestigungsanlage, die sich über knapp 3000 km vom Norden Norwegens bis an die spanische Grenze erstreckt, bestand aus unzähligen Bunkeranlagen, Geschützen und Gräben. Insbesondere auch am Ärmelkanal und in der Normandie war die Anlage dicht ausgebaut. Einen relativ gut erhaltenen Komplex kann man ca. 8 km westlich von Omaha Beach besichtigen – den Pointe du Hoc.

Nach ca. einer Viertelstunde Fahrt entlang der überaus sehenswerten Steilküsten erreicht man einen großen, kostenlosen Parkplatz. Der Eintritt zur Pointe du Hoc ist ebenfalls kostenfrei. Am Eingang bekommt man interessante Flyer mit Hintergrundinformationen und einer Übersichtskarte in diversen Sprachen, auch in deutsch. Die Landspitze war aufgrund der starken Befestigung sowie der Steilküsten für das 2. & 5. Ranger-Bataillon der US-Armee besonders schwer, nur mit dem Einsatz von Haken und Leitern und vor allem unter schweren Verlusten einzunehmen.

Der Invasion der US-Armee ging ein schweres Flächenbombardement der Anlage und vor allem des Hinterlandes voraus, das allerdings keinen großen Vorteil für die Alliierten bewirken konnte. Was es wohl aber bewirkt hat, ist, dass es auch über 70 Jahre danach beachtliche, metertiefe Krater hinterlassen hat, die die Wucht der Schlacht noch etwas erahnen lassen. Dass heute hier teilweise Ziegen und Schafe grasen, ist ein fast schon niedlicher Kontrast zu der Zerstörung, die hier stattgefunden hat. Auch die Gegend ist prinzipiell wunderschön – sowohl die Steilküsten und das Meer, als auch die sanfte Landschaft dahinter. Beinahe surreale Eindrücke.

Noch recht gut erhalten sind die Stahlbetonbunker, die man relativ offen erkunden kann. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn nicht alle sind beleuchtet und 100% gesichert. Außerdem stehen manche auch etwas unter Wasser. Dennoch lassen sich fast alle Bunker betreten und sie vermitteln einen Eindruck der beklemmenden Enge auf der einen und den unglaublichen Hürden des Angriffs auf der anderen Seiten. Die Bunker sind alle quasi leer, daher sind es vor allem die kleinen Details, die hier beeindrucken. Manche Eingänge waren offenbar mit MG-Nestern gesichert und mit solchen wurde auch der Eingang verteidigt. Dementsprechende Einschläge findet man an der Wand dahinter.

Das gesamte Gelände ist prinzipiell offen und kann frei besichtigt werden, wobei im Sommer um 18 Uhr (bzw. im Winter um 17 Uhr) die größeren Bunker geschlossen werden. Da für die Besichtigung auch 1-2 Stunden eingeplant werden sollten, empfiehlt es sich also, nicht später als 15 Uhr anzukommen.

Entspannend und bewegend zugleich – Ein Fazit

Die Normandie gehört sicher zu den ruhigeren Gegenden Frankreichs. Je nachdem, was man sucht, kann das aber (etwa nach ein paar Tagen im vergleichsweise lebhaften Paris), auch wirklich sehr entspannend sein. Die sanfte Landschaft und die niedlichen Orte verströmen einen ganzheitlichen Eindruck der Gelassenheit. Die authentische Gastfreundschaft und das hervorragende Essen tun ihr Übriges, damit man sich wohlfühlt.

Aber auch wer auf den Spuren der Geschichte wandeln möchte, wird in der Normandie nicht enttäuscht. Alle Sehenswürdigkeiten und Denkmäler, die wir rund um den D-Day besichtigt haben, waren sehr informativ und bereiten das Thema in einer respektvollen Art und Weise auf. Für Reisende in dieser Gegend, die sich für Geschichte oder den Zweiten Weltkrieg interessieren, ist ein Besuch an den Stränden der Normandie nicht nur empfehlenswert, sondern unverzichtbar.

Wir können also einen Abstecher in diese vielleicht etwas unterschätzte Region Frankreichs durchaus empfehlen!

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