Kurztrips

Mit französischer Gelassenheit! Rallye-Chillout in Paris

von Robert 22. Oktober 2017 0 Kommentare

Nach jeder Rallye kommt irgendwann dieser eine Moment. Man schlägt früh die Augen auf, weiß erstmal gar nicht richtig, wo man eigentlich ist, und denkt sich: Challenges? Etappenziele … ohhh ne, einfach erstmal chillen – die Rallye ist vorbei :). In diesem Zustand haben wir uns Ende Mai in Paris wiedergefunden, genauer gesagt im Hotel Victor Hugo, unweit vom Arc de Triomphe – also mitten im Zentrum. Da wir bereits über den Jahreswechsel die französische Hauptstadt bereist hatten, dadurch allerdings bisher nur Eindrücke im Winter gewinnen konnten, freuen wir uns darauf, die Stadt im Frühling zu erleben – wir sind gespannt auf den Kontrast!

Laissez-faire in Paris – da kann man schlechter chillen!

Da wir die Nacht bis in den späten Vormittag verlängern mussten, um den latenten Erschöpfungszustand der letzten Tage einigermaßen auszukurieren, haben wir dementsprechend auch das Frühstück verschlafen. Nicht so wild, die Franzosen sind eh keine Freunde von ausufernden Frühstücken. Für gewöhnlich begnügt man sich mit einem Croissant und einem Café au lait. Wir gehen folglich direkt zum Mittagessen über und suchen uns ein niedliches Bistro an der Place Victor Hugo – perfekt, um in die französische Lebensart einzutauchen.

Überhaupt gibt es in Frankreich im Allgemeinen und in Paris im Besonderen unglaublich viel leckeres und gutes Essen. Es dürfte in Paris fast schwieriger sein, etwas Schlechtes zu bekommen. Wir tasten uns vor von Pasta und ausgefalleneren Salaten über Sandwiches bis hin zu dem Klassiker schlechthin – der Soupe á l’Oignon. Es handelt sich um eine würzige Zwiebelsuppe, die mit Brot belegt und überbacken wird. Dazu gibt es natürlich immer einen passenden Wein – wie es sich gehört. In diesem Fall ein, zwei Gläser Sancerre – ein kräftiger Weißwein aus der zentralfranzösischen Loire-Region.

Essen dient dabei natürlich nicht nur der Bedürfnisbefriedigung, sondern vor allem auch dem Genuss als Selbstzweck. Man sitzt, entspannt, schlürft Wein, sieht, wird gesehen und “lässt die Anderen machen”, wie man hierzulande sagt. Diese Gelassenheit ist genau das, was wir in dem Moment brauchen. Bloß nicht von einem Ort zum nächsten hetzen und dabei auf Punkte, Verbrauch und Challenges achten, sondern einfach mal ohne jeden Druck sitzen und schauen.

Aber der überaus beschäftigte Pariser hat natürlich auch Verständnis, wenn man nicht jede Mahlzeit 2-3 Stunden lang zelebrieren kann. Man hat ja schließlich zu tun, oder möchte jedenfalls so wirken. Dennoch darf auch beim kleinen Snack zwischendurch die Lebensfreude nicht zu kurz kommen! “Boulangerie” heißt hier das Zauberwort. In diesen, meist sehr liebevoll eingerichteten und gestalteten Läden bekommt man allerlei hochwertiges Backwerk. Von kleinen Törtchen und herzhaften Quiches über delikat belegte Brötchen bis hin zu gefüllten Croissants und ähnlichem, süßen Naschwerk, kann man sich hier an allem erfreuen, was die französische Backkunst so aufzufahren weiß. Das ist nicht nur von beeindruckender Vielfalt, nein auch von, für deutsche Maßstäbe, ungeahnter Qualität!

Ganz unten – In den Katakomben

Die französische Haupstadt weist viele Besonderheiten auf. Eine solche sind die Katakomben – ein Netzwerk aus alten Tunneln, Gängen und Steinbrüchen, das in Teilen als “Ersatzfriedhof” verwendet wurde. Vor allem im 18. Jahrhundert konnten die Friedhöfe der Stadt die vielen Toten der französischen Revolution nicht mehr fassen. Ehemalige Steinbrüche wurden so zu Begräbnisstätten umgewidmet, in denen daraufhin viele Tausend Franzosen ihre letzte Ruhe fanden. Einen Teil der Katakomben kann man besichtigen, was wir auch im Januar bereits getan haben.

Allerdings haben unsere Impressionen von damals und der morbide Charakter des Ortes auch Eindruck auf Willy gemacht, der die Katakomben ebenfalls gerne besichtigen wollte. So sind wir ein zweites Mal die Stufen des unscheinbaren Zugangs an der Place Denfert-Rouchereau hinab ins Reich der Toten gestiegen. Hier empfiehlt es sich dringend, vorab ein zeitgebundenes Ticket zu erwerben, da die Wartezeiten sonst immens sein können. Inklusive ist der Audioguide, der stilvoll über die Geschichte und die Bedeutung des Ortes informiert. Buchen kann man die Tickets unter http://b12-gat.apps.paris.fr/.

Die bizarren Formationen von Knochen und Schädeln sind ehrfurchteinflößend. Aber sie stellen auch, den nötigen Respekt im Umgang vorausgesetzt, ein einzigartiges Fotomotiv dar. Bei den Lichtbedingungen sind passable Fotos zwar schwierig umzusetzen, aber ein paar spannende Aufnahmen sind dann doch drin, bevor man wieder zu den Lebenden aufsteigt. Im Sommer im Übrigen ein Unterfangen, das man nicht überhasten sollte. Durch die ganzjährig konstante Temperatur von 14° in den Katakomben kann es beim Verlassen gerne mal schlagartig 20° wärmer werden, in Kombination mit vielen Dutzend Stufen enger Wendeltreppe – da sollte man oben erstmal ein Päuschen einlegen ;).

Hoch hinaus – Auf dem Tour Montparnasse

Aprospos oben. Das andere Extrem in Hinblick auf Höhe bzw. Tiefe dürfte der Tour Montparnasse darstellen. Der, für seine Größe und Umgebung noch relativ ansehliche, Büroturm war mit seinen 210 Metern bis 2011 das höchste Gebäude Frankreichs. Auf dem Dach befindet sich eine Aussichtsplattform, die wohl einen der schönsten Ausblicke auf Paris gewährt. Auch hier empfiehlt sich im Übrigen der Voraberwerb von Online-Tickets, da auch hier die Schlangen relativ lang sein können. Das liegt nicht zuletzt daran, dass aufgrund des nach wie vor andauernden Ausnahmezustands an jeder größeren Sehenswürdigkeit mehr oder weniger sinnvolle Sicherheitskontrollen durchgeführt werden.

Auch wir und unser Kamera-Equipment wurden von einem zunächst sehr grimmig dreinblickenden Franzosen arabischer Abstammung in Augenschein genommen. Nachdem wir allerdings die Frage, aus welchem Land wir denn kämen, beantwortet hatten, wich sein grimmiger Blick einem freundlichen Lächeln. Daraufhin hat er uns über alle Sprachbarrieren hinweg sehr stolz von seinem neuen Audi Q7 erzählt und wie viel Freude die Deutschen doch in sein Leben bringen würden. Danke an Audi für diese überaus nette Art der Völkerverständigung ;p.

Nachdem wir fortan sehr willkommen zum Aufzug vorgelassen wurden, sind wir die 59 Etagen hinaufgefahren und haben, noch rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang, die Aussichtsplattform betreten – und, mon dieux, die macht ihrem Namen alle Ehre! Über Paris kann man durchaus geteilter Meinung sein, aber der Blick von diesem Ort, vielleicht mit einem Glas Weißwein in der Hand, an einem Tag im Mai, kurz vor Sonnenuntergang, ist einfach atemberaubend. Langsam fängt alles zu glitzern und zu leuchten an, während die untergehende Sonne die Stadt zusätzlich in ein weiches, orangefarbenes Licht taucht. Wahnsinn … hier zeigt sich Paris ganz klar von seiner schönen Seite!

Wir genießen den Moment und versuchen, das unglaubliche Panorama trotzdem nebenbei einigermaßen akzeptabel fotografisch einzufangen. Ein sehr schöner, lebensbejahender Abschluss des Tages nach den eher bedrückenden Erlebnissen in der Unterwelt der Stadt.

Paris auf Augenhöhe – Spaziergang an der Seine

Unseren zweiten Tag in Paris haben wir dann ebenerdig verbracht und zwar in weiten Teilen mit einem entspannten und sehr malerischen Spaziergang entlang der Seine. Bevor wir uns der pittoresken Anmutung der Stadt im Detail widmen können, mussten wir leider noch eine hässliche kleine Pflichtübung absolvieren.

Zwei Tage zuvor, während der Siegerehrung der Rallye, hat eine unachtsame (oder ignorante) Französin unsere E-Klasse beim Ausparken mitgenommen und einen beachtlichen Kratzer an der Frontschürze hinterlassen. Unser Glück war, dass eine sehr nette Dame aus Rumänien den Unfall beobachtet hat und sowohl Marke als auch Modell und Kennzeichen auf einem Zettel an unserem Auto hinterlassen hat. Sie war auch so freundlich, sich für die Polizei als Zeugin anzubieten. Dennoch musste der Schaden ja gemeldet werden, damit die Versicherung sich darum kümmert.

Folglich haben wir das nächste Polizeikomissariat aufgesucht. Der einzige Kollege, der fließend Englisch spricht, war natürlich die nächsten anderthalb Stunden im Mittag. In der Folge haben wir auch etwa diese Zeitspanne mit einer sehr netten französischen Kommissarin verbracht. In einer Mischung aus meinem semi-kommunikablen Schulfranzösisch und ihrem Schulenglisch, das ungefähr auf dem gleichen Niveau war, haben wir dann eine Unmenge an Formularen ausgefüllt und unterschrieben. Eine nervige Aktion, aber in jedem Fall besser, als die Frontschürze aus der Urlaubskasse bezahlen zu müssen.

Nachdem das erledigt war, haben wir ca. in Höhe des Eiffelturms das Seine-Ufer an der Avenue de New York betreten und zunächst mal wieder, im typischer Pariser Laissez-faire, die Szenerie beobachtet und genossen. Nur keine Hektik aufkommen zu lassen, aber gleichwohl geschäftig genug zu wirken, ist die Spezialität der Pariser. Dem schließen wir uns an und starten unseren Spaziergang in Richtung Osten.

Unser Weg führt uns, immer möglichst nah am Wasser, entlang des Nordufers. Zu sehen gibt es vieles. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei klar auf der zunehmenden Kunstfertigkeit und Verspieltheit, mit der die Bauten gestaltet sind. Wir befinden uns schließlich auf dem Weg ins 1. Arrondissement, wo der Prunk seinen Höhepunkt erreicht. Jede Brücke, jede Fassade und jedes Monument sind mehr und mehr eindrucksvoll.

Unterwegs kann man durch den Jardin d’Erivan flanieren. Man passiert unter anderem das Musée d’Orsay und hat, auf der anderen Seite, einen ansehnlichen Blick die Pont Alexandre III hinunter auf den Invalidendom. Der erste Zwischenstopp wird am Louvre eingelegt. Der Komplex enthält nicht nur das vielleicht berühmteste Museum der Welt, er ist auch schon für sich genommen eines der markantesten Gebäude der Stadt und ein beliebtes Ausflugsziel, auch ohne Museum (für das man deutlich mehr Zeit braucht als einen Nachmittag).

Fortgesetzt wird die Runde mit einer Seine-Überquerung … oder zumindest erstmal einer halben. Wir nehmen die Brücke auf die Île da la Cité – möglicherweise die exklusivste Gegend der Stadt. Die Flussinsel beherbergt neben ultra-gehobenen Hotels und Restaurants unter anderem auch den französischen Justizpalast und die Ikone der Stadt – die Kathedrale Notre-Dame. Die weltberühmte Kirche ist natürlich immer einen Ausflug wert, sofern der Eintritt kostenlos ist!

Wir beenden unseren fast 7 km langen Spaziergang an der Place Saint-Michel. Ein Ausflug zu Fuß dürfte wohl die beste Art sein, die Atmosphäre der Stadt einzufangen und etwas in ihren Geist einzutauchen. Der Kontrast zu den Tagen zuvor im Auto hat dazu beigetragen, dass wir es sehr genossen haben, uns mal wieder richtig die Beine zu vertreten!

Alles neu macht der Mai? – Die Schattenseiten und ein Fazit

Obwohl Paris bereits um den Jahreswechsel auch seine schönen Seiten offenbart hat, ist schon damals klar geworden, dass die Stadt nicht nur aus Liebe und Lichtern besteht, sondern dass es sehr wohl auch ernsthafte Missstände gibt. Besonders die Lage der Obdachlosen in einer der reichsten Städte der Welt gab zu denken. Vor diesem Hintergrund war ich sehr gespannt auf das Stadtbild rund ein halbes Jahr später, im Spätfrühling.

Nun, die Probleme bleiben nicht nur, sie treten sogar noch deutlich stärker zu Tage. Die Obdachlosen sind bei warmen Temperaturen noch viel mehr ein sichtbarer Bestandteil des Stadtbildes. Allerdings handelt es sich bei ihnen nicht mehr nur um die klassischen “Clochards”. Tatsächlich leben sogar ganze Familien mit Neugeborenen unter freiem Himmel, mitten in luxuriösen Arrondissements, wie dem 6. Das geht leider auch mit unschönen Begleiterscheinungen einher. Ja, im Parkhaus läuft zwar klassische Musik, dafür fällt das Atmen bei beißendem Uringestank schwer. Dieses und ähnlich gelagerte Probleme ziehen sich leider durch das gesamte Innenstadtbild.

So hat sich die Hoffnung, dass der Mai diesem Aspekt der Stadt einen sonnigeren Anstrich verleiht, leider nicht erfüllt. Auch die Segregation in der Arbeitswelt wird noch deutlicher. Etwa bei der Müllabfuhr oder auf Baustellen arbeiten fast ausschließlich Schwarz- und Nordafrikaner. Das schmälert nicht nur den Gesamteindruck der Stadt, es wirft auch unmittelbar die Frage auf, wie sowas überhaupt möglich sein kann. Was außerdem auffällt ist, dass die Stadt schon recht von Touristenmassen überlaufen ist. Gleichwohl fällt es natürlich schwer, das zu kritisieren, da wir ja selber aktiv dazu beitragen. Eine der meistbesuchten Städte der Welt zu sein, ist für Paris Fluch und Segen gleichermaßen.

Unterm Strich haben wir den Aufenthalt in Paris nach der Rallye aber sehr genossen. Schon alleine mal ein paar Tage nicht Autofahren zu müssen oder sich um Punkte oder Organisation zu kümmern, war eine Wohltat. Zudem muss man natürlich fairerweise sagen, dass Paris es für eine Millionenstadt fast beispiellos versteht, Gelassenheit und Ruhe anstelle von Großstadthektik und Chaos zu versprühen – äußerst angenehm.

Die einzigartigen Sehenwürdigkeiten und das Essen auf Weltniveau tun ihr Übriges für einen gelungenen Auftenhalt. Zufrieden und mit einer Tüte voller Boulangerie-Snacks für die Strecke machen wir uns auf in den Norden. Paris verabschiedet uns mit der imposanten Erscheinung des Hochhausviertels La Defense … auch wenn wir für diese aufgrund der abenteuerlichen Verkehrsverhältnisse nur kurz ein Auge haben. Wir verlassen die französische Haupstadt, die wir aber wohl nicht zum letzten Mal gesehen haben, in Richtung Normandie … eine Story für das nächste Mal :).

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