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Kurztrip: Perlen des Ostens – Städtetour nach St. Petersburg und Moskau – Teil 1

von Thomas 4. Mai 2016 0 Kommentare

Nachdem wir bereits 2013 unseren ersten Russland-Trip nach Moskau absolviert haben, wollten wir diesmal zunächst die zweitgrößte Stadt Russlands und zugleich Kulturhauptstadt des Landes, St. Petersburg, erkunden.

Die Anreise

Aufgrund mangelnder sonstiger Direktverbindungen von Berlin nach St. Petersburg haben wir uns für einen Flug mit Rossiya Airlines entschieden – laut skytrax (www.airlinequality.com) mit 2 Sternen eine der schlechtesten Fluggesellschaften Europas. Abgesehen von der wirklich miesen Verpflegung an Bord, die wir nicht angerührt haben, konnten wir uns aber über die Abwicklung des Fluges nicht beklagen.

Gut zu wissen: Vom Flughafen Pulkovo in St. Petersburg kommt man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur mit dem Bus in die Stadt. Eine schnelle Verbindung ins Zentrum, wie sie bspw. Moskau mit dem Aeroexpress hat, gibt es nicht. Außerdem sollten im Bus am besten schon ein paar Rubel in der Tasche sein, da man ohne wiederaufladbare Karte direkt während der Fahrt abkassiert wird – bei uns war die etwa 70 jährige Dame nicht begeistert, dass wir dieses System nicht auf Anhieb verstanden haben.

Das Bezahlsystem für die öffentlichen Verkehrsmittel ist gut durchdacht. An allen Stationen kann man eine wieder aufladbare Karte erwerben, die sowohl für Bus als auch Metro genutzt werden kann (vergleichbar mit der Oyster-Card in London). Für eine Einzelfahrt werden umgerechnet etwa 50 Cent fällig.

Jedoch gilt, wie auch in Moskau, dass diese Informationen nur Leuten vorbehalten sind, die kyrillisch lesen und (einigermaßen) verstehen können. Von touristenfreundlichen, englischen Hinweisschildern fehlt jede Spur. Ein weiteres Mal waren wir über unseren Russisch-Auffrischungskurs sehr dankbar.

Das Hotel

Nach dem Umstieg vom Bus in die Metro kamen wir am Newski Prospekt, eine der größten Metro-Stationen St. Petersburgs, an. Unser Hotel lag in unmittelbarer Nähe der gleichnamigen Straße, welche mit ihren gut vier Kilometern Länge und ihrer Ansammlung an historischen Gebäuden bereits eine Sehenswürdigkeit für sich ist. Auch finden nachts hier immer wieder illegale Straßenrennen statt, an denen man sehr stark die enormen sozialen Unterschiede in Russland spüren kann.

Genächtigt haben wir im Domina Prestige, einem modern eingerichteten Hotel, welches wir in erster Linie aufgrund der super zentralen Lage gewählt haben. Ein Großteil der Sehenswürdigkeiten ist von dem Hotel fußläufig erreichbar. Wir haben uns im Domina Prestige absolut wohl gefühlt, was nicht zuletzt an der Liebe zum Detail lag, welches man bspw. an den wundervollen „do not disturb“-tassels sehen konnte. Zudem haben wir sehr gute Erfahrungen damit gemacht, in Russland höher klassige Hotels zu buchen, da diese direkt eine für das Visum benötigte Einladung mit der Buchungsbestätigung schicken, was die Reisevorbereitungen ungemein erleichtert.

do not disturb tassel

Die Wasserstadt erkunden – am besten auf dem Wasser!

St. Petersburg wurde an die Mündung der Newa in den finnischen Meerbusen erbaut. Sie besteht aus über 40 einzelnen Inseln und kennzeichnet sich durch ihre Vielzahl an Brücken aus – über 340 an der Zahl. Der Titel „Venedig des Nordens“ kommt also nicht von ungefähr.

Blick auf die Dreifaltigkeitsbrucke vom Schiff aus

Das lässt sich sehr gut mittels einer der vielfach angebotenen Bootsfahrten einfangen. Für umgerechnet acht Euro kann man ca. 45 Minuten die Stadt vom Wasser aus erleben. Besonders eindrucksvoll sind die Fahrten am Abend – die Newa bei Sonnenuntergang in Kombination mit den vielfach beleuchteten Gebäuden sorgen für ein kaum beschreibbares Flair.

Flussfahrt auf der Newa bei Sonnenuntergang

Auch vom Festland aus bietet das Wasser ein tolles Schauspiel: Von den vielen Brücken sind 13 Zugbrücken. Diese werden nachts zeitweise geöffnet, um dem Schiffsverkehr die Durchfahrt auf der Newa zu ermöglichen. Da die Brücken am Tage unverzichtbar für den ohnehin sagenhaft dichten Verkehr auf den St. Petersburger Straßen sind, kann man dies nur in der Nacht zwischen zwei und fünf Uhr beobachten. Wir haben uns zwischen der Schlossbrücke und der Dreifaltigkeitsbrücke am südlichen Ufer platziert, um das Spektakel mit vielen weiteren Schaulustigen zu bestaunen.

geoffnete Schlossbrucke

Tipp: zwischen Ende Mai und Anfang August finden die sog. „Weißen Nächte“ statt. Im Rahmen dieser Kunstveranstaltung während der Zeit der Mitternachtssonne sind die Brückenöffnungen im Rahmen verschiedenster Veranstaltungen erlebbar.

Die Kulturhauptstadt Russlands

Das mit Abstand Schwierigste an unserem Kurztrip war, dass wir uns entscheiden mussten, welche Sehenswürdigkeiten wir uns unbedingt anschauen wollten und welche wir hintenanstellen. Die Innenstadt mit mehr als 2300 historischen Gebäuden zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Ein kleiner Blick auf TripAdvisor erschlägt einen förmlich mit vielversprechenden Vorschlägen. Kurzum haben wir das gemacht, was für uns meist am besten funktioniert: Loslaufen und entdecken, statt lange im Hotelzimmer zu grübeln, was die beste Möglichkeit sein könnte – Eindrücke wie auf dem folgenden Bild findet man schließlich in keinem TripAdvisor:

Dont mind me just riding my horse on the sidewalk

Als erstes kamen wir an der St. Isaak Kathedrale vorbei. Diese hatte leider geschlossen, sodass wir das prunkvolle Innere nicht besichtigen durften. Der Ernüchterung wich aber schnell die Freude, dass man dennoch die Kuppel besteigen konnte. Die Kathedrale gehört mit ihren 101 Metern Höhe zu den größten kirchlichen Kuppelbauten der Welt. Entsprechend hat man von dieser einen sehr schönen Rundumblick über St. Petersburg und der Aufstieg ist mit umgerechnet vier Euro pro Person moderat bepreist.

Hafenblick St Isaak Kathedrale

Unweit der Kathedrale befindet sich das Prunkstück St. Petersburgs – die Eremitage. Der riesige Gebäudekomplex gehört zu den wichtigsten Kunstmuseen der Welt. Umso erstaunlicher, und doch irgendwie typisch für Russland, war, dass wir im Innenhof, der zum Eingang führt, inmitten einer riesigen Baustelle standen, von der man von außen überhaupt nichts mitbekommen hat.

Eremitage bei Nacht von der Schlossbrücke

Aus unserer etwas naiven Vorstellung, durch die Eremitage „mal eben durchzuschauen“ sind schlussendlich gut drei Stunden Rundgang geworden. Dabei haben wir bei weitem nicht alles gesehen, was bei drei Etagen mit nicht endenden Fluren und über 350 Sälen an einem Tag schlicht nicht möglich ist. Die Eremitage ist eine unglaublich beeindruckende Sammlung von hochwertigen Schätzen, verpackt in viel Prunk und Zierde – für das ungeübte Auge beinahe etwas erschlagend. Für uns hat der pragmatische Ansatz – Kunstliebhaber bitte kurz wegschauen – in jedem Raum links zu laufen, bis wir wieder zum Startpunkt kommen, sehr gut funktioniert. Mit etwas mehr Vorbereitung oder speziellen Interessen bieten sich natürlich Führungen wunderbar an.

Goldverzierter Raum in der Eremitage

Interessanter Fakt am Rande: Schüler und Studenten bekommen in Russland kostenfreien Eintritt in staatliche Museen und Sammlungen. Das hatte die lustige Folge, dass wir in der Warteschlange tatsächlich von einem jungen Mann angesprochen wurden, welcher uns Eintrittskarten für einen „great price“ anbot. Wir haben dankend abgelehnt und die (sehr günstigen!) sieben Euro regulären Preis gezahlt, nicht bevor wir den Bekannten, seinen Studentenausweis zückend, mit seiner Freikarte haben abmarschieren sehen – vermutlich auf der Suche nach den nächsten Touristen.

Ein letzter Anlaufpunkt war die Peter-und-Paul-Festung auf der sog. Haseninsel. Die Festungsanlage ist touristisch sehr beliebt, da sie einst das historische Stadtzentrum St. Peterburgs war. Durch die hohen Mauern und das umgebende Wasser der breiten Newa wurde die Festung schon früh als Gefängnis benutzt, weshalb sich im Volksmund auch der Name „Gefängnisinsel“ eingebürgert hat.

Peter und Paul Kathedrale

Die Festungsmauern als auch die Gebäude, u.a. die mittig gebaute Peter-und-Paul-Kathedrale, sind bis heute gut erhalten. Interessanterweise wird die Insel aber nicht nur touristisch genutzt, auch die Einheimischen kommen hierher, um ihre Freizeit zu verbringen.

Stocke werfen auf der Haseninsel

Kulinarisches

Wie schon bei unserer ersten Russland-Reise in 2013 dauerte es auch diesmal nur wenige Stunden, bis das russische Nationalgetränk auf dem Tisch stand. Gemeinsam mit unserem Reiseführer, Roman, der uns in St. Petersburg begleitete, wurde kräftig angestoßen. Gut, dass es entsprechendes Beiwerk gab:

Salty fish for vodka

An der Restaurant-Landschaft kann man schön sehen, dass St. Petersburg auch im mentalen Sinne ein gutes Stück „westlicher“ ist, als dies z.B. in Moskau der Fall ist. Für den schnellen Hunger zwischendurch ist es kein Problem, bei McDonalds einen Cheeseburger zu kaufen und dabei dem Verkäufer auf Englisch zu sagen, dass man keine Gurke drauf haben möchte. Auf der anderen Seite waren wir in den meisten anderen Restaurants als auch kleinen Supermärkten sehr froh, unseren privaten Reiseführer, Roman, an unserer Seite zu haben, der unser brüchiges Russisch immer wieder gut ausgebügelt hat.

Abreise und Fazit

Nach zweieinhalb erlebnisreichen Tagen in St. Petersburg hieß es für uns: „Moscow Calling“!  Unser Kurztrip in Russland sollte mit drei weiteren Tagen in Moskau fortgeführt werden. Von unserer tollen Reise im Sapsan, dem russischen Schnellzug zwischen St. Petersburg und Moskau, und unseren Erlebnissen in der elektrifizierenden Hauptstadt Russlands werden wir euch im zweiten Teil berichten.

Für den Aufenthalt in St. Petersburg möchten wir uns auch hier noch ein Mal ganz herzlichen bei unserem hilfsbereiten und stets verfügbaren Stadtführer, Roman, bedanken, der keine Mühen gescheut hat, unseren Aufenthalt in dieser beeindruckenden Stadt zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Спасибо Роман! 🙂

Roman

Добрый вечер und bis zum 2. Teil!

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