Roadtrips

Weiße Strände und weißer Wein – Auf Umwegen nach Korčula (2/2)

von Robert 30. Januar 2019 0 Kommentare

Im letzten Artikel haben wir uns mit der Anreise ins südliche Kroatien, Dubrovnik und der Insellogistik befasst.

Korčula und Vela Luka – Was geht in den Städten?

Die größten Städte auf der Insel sind Korcula-Stadt, die Hauptstadt ganz im Osten, und Vela Luka, eine kleine Hafenstadt ganz im Westen. Zusammen bilden sie sowas wie die Tore zum Inland, da die jeweiligen Fährverbindungen die einzige Gelegenheit sind, das Eiland zu betreten und zu verlassen. Auch die Waren des täglichen Bedarfs erreichen es hier. Nicht zuletzt wohnen auch rund 2/3 aller ~15.000 Inselbewohner in den beiden Städten. Wir begeben uns zunächst in das uns deutlich näher gelegene Vela Luka.

Die Hafenstadt mit knapp 5.000 Einwohnern zu besuchen, ist auch in den Abendstunden sehr empfehlenswert, da sie aufgrund ihrer Lage in einer geschützten Bucht ganz im Westen der Insel kurz vor Ende des Tages in ein rötlich-warmes Sonnenuntergangslicht getaucht wird. Entlang des Hafens kann man kleine Fischerboote, Sportboote und sogar kleinere Yachten sehen, wenn man an der Promenade entlang spaziert. Trotzdem aufgrund der Lage um den Hafen herum auch einige sehr gute Restaurants zu finden sind, setzt sich auch hier der Eindruck fort, dass sich nur wenige Pauschaltouristen hierher verirren. Der Fokus liegt klar auf den Besatzungen der Boote und den Einheimischen. Das verleiht dem Ort einen sehr authentischen Charme.

Vela Luka spielt aber auch im Inselleben eine wichtige Rolle. Der Hafen ist Ausgangs- und Endpunkt für wichtige Fährverbindungen (etwa der nach Split). Außerdem ist die Stadt auch das Versorgungszentrum für den Westen der Insel. Die Chance, einen halbwegs gut ausgestatteten Supermarkt zu finden, ist hier am höchsten. Ähnlich verhält es sich mit Fachgeschäften, Mietwagen oder Sprit. Aber nicht nur zum Einkaufen und Tanken lohnt sich ein Ansteuern der Stadt. Die Lage an der Bucht lädt auch dazu ein, das Umland zu erkunden.

Bei historischem Interesse empfiehlt sich ein Besuch in der “Vela Spila” – einer halboffenen Höhle, in der etliche archäologische Artefakte verschiedener Epochen von der Steinzeit bis zur Eisenzeit gefunden wurden. Gegen einen kleinen Eintritt darf man die Höhle bewundern und einem Audio-Guide lauschen. Nach dem Kulturprogramm darf aber auch die Entspannung nicht zu kurz kommen! Dazu lohnt es sich, ein paar Nebenstraßen abzuchecken und sich eine kleine, menschenleere Bucht zum Verweilen und Genießen zu suchen. In unserem Fall ist das Fuža-Beach vor den Toren der Stadt – kleiner Geheimtipp ;).

Genau am anderen Ende der Insel liegt Korčula-Stadt. Die Hauptstadt der Insel wird aufgrund ihrer Stadtmauer, die die historische Altstadt umschließt, auch gerne mal das “kleine Dubrovnik” genannt. Der Rundgang entlang der Mauer ist in der Tat auch sehr malerisch, so zwischen dem Wasser und den engen Gassen des Stadtkerns. Es fällt allerdings relativ schnell auf, dass die Stadt gegenüber Vela Luka viel an Authentizität verloren hat. Aufgrund der Nähe zum Festland ist die Ausrichtung leider klar touristisch. Viele Tagesbesucher kommen mit der Fähre in die Stadt, bleiben ein paar Stunden und fahren wieder rüber.

Zudem legen auch kleinere Kreuzfahrtschiffe und größere Yachten an. Mit diesen sind auch einige Luxushotels und ein gewisser Jetset gekommen. Obwohl es der Stadt einen gewissen Glanz verleiht, geht es auch mit einem für kroatische Verhältnisse unerhörten Preisniveau einher, das nicht nur für “normale Touristen” unattraktiv ist, sondern auch die lokale Bevölkerung verdrängt. Korčula-Stadt hat ein pittoreskes Flair und ein Besuch an einem Nachmittag oder Abend, vielleicht bei Sonnenuntergang, lohnt sich definitiv. Auch bietet sie natürlich, ähnlich wie Vela Luka, entsprechende logistische Möglichkeiten und Supermärkte (mit etwas besserer Auswahl) und wird deswegen im Inselleben immer mal wieder Anlaufpunkt sein.

Sollte man einen längeren Aufenthalt auf der Insel planen, empfiehlt es sich aber, für einen Bruchteil der Kosten woanders das Quartier aufzuschlagen. Hotels unter 150€ pro Nacht sind schwierig zu bekommen. In kaum einem Restaurant, erst recht nicht an der Hafenpromenade, findet man Hauptgerichte unter 30-40€. Das ist mal locker das 2-3 fache des üblichen, örtlichen Niveaus, so dass man deutlich besser damit beraten ist, einfach 1-2 Buchten weiter zu fahren und für den halben Preis zu essen.

Einzigartige Genüsse – Wie ernähren?

Apropos Essen! Dass man auf einer Insel manchmal etwas eingeschränkt ist, muss kein Nachteil sein. So zum Beispiel bei der Ernährung, denn die Gegend hat kulinarisch soviel Reiz und Exklusives, dass man sich dankbar der lokalen Küche zuwendet. Die bietet regionaltypische Fleischgerichte wie die herzhaften Ćevapčići, aber in erster Linie eines – Fisch und Meeresfrüchte, man ist ja schließlich im Meer ;). Da es zuhause quasi unmöglich ist, tagesfrische Meeresfrüchte zu bekommen, machen wir von diesem Angebot ausgiebig Gebrauch.

Von gratinierten Austern über große und kleine Garnelen, verschiedenste Muscheln und Fischfilets bis hin zu gegrilltem Tintenfisch in scharfer Tomatensauce – wenn man Meeresfrüchte mag, die kaum frischer sein könnten und dabei noch gut bezahlbar sind, ist es hier das Paradies. In fast jeder Bucht gibt es zumindest ein kleines, familiengeführtes Fischrestaurant, welches meist über Generationen hinweg seine Rezepte für den Fang des Tages perfektioniert hat.

Einen guten Überblick bekommt man dabei meist mit der großen Meeresfrüchteplatte, wo von den meisten Spezialitäten etwas dabei ist. Von da aus kann man sich weiter vorarbeiten, zu den etwas spezielleren Sachen ;). Dabei fällt auf, dass die Zubereitungsarten meist erfreulich einfach gehalten sind und das eigentliche Produkt in den Vordergrund stellen. Besonders überzeugt haben uns dabei zwei Restaurants:

  • Restaurant Riva 1 in – Das zunächst sehr touristisch wirkende und zu einem Ferien-Apartmenthaus gehörende Lokal serviert eine super Meeresfrüchteplatte und leckere Kuchen zum Nachtisch!
  • Agrotourism & Winery Zure in Lumbarda – Ein in Familienhand geführter Bauernhof mit kleinem Restaurant, spezialisiert auf Fisch & Meeresfrüchte sowie hauseigenen Grk-Weißwein

Eine weitere kulinarische Eigenart sind die Weine. Auf der Insel sind zwei Sorten heimisch: der oben bereits genannte Grk im Osten und eher im Süden der Pošip. Beide Sorten sind auf der Insel entstanden und kommen auch nur auf dieser vor. Sie sind daher eine ganz besondere Spezialität, die man genießen sollte, solange man sich auf der Insel aufhält. Besonders der Pošip hat es uns angetan. Er ist leicht, spritzig, nicht zu herb und passt damit hervorragend zum sonnigen Wetter – und natürlich auch zu Meeresfrüchten ;).

Die Liebe zum Wein spürt man auf der Insel an vielen Orten. Nicht nur viele, sehr liebevoll geführte Weinläden gibt es in fast allen Orten. Viele bieten auch Veranstaltungen, etwa Tastings, an. Das tut auch die Pošip Winzerei, die man zudem besichtigen kann. Sie befindet sich Čara, im Herzen der Insel. In dieser Region werden auch geführte Touren durch die Weinberge angeboten. Es hält einen aber auch nichts davon ab, das Weinbaugebiet auf eigene Faust zu erkunden. Wir machen genau das und begeben uns auf einer netten Fahrt durch den Süden der Insel zum Pošip-Denkmal – dem Ort, an dem im 19. Jahrhundert die Rebe entdeckt wurde. Beim Streifzug durch die Weinberge im milchig-goldenen Sonnenuntergangslicht verabschieden wir uns langsam von der Insel – welch hübscher Abschluss.

Alte Gemäuer auf der Rückfahrt – Wo übernachten?

Für den Festlandseuropäer geht das Inselleben leider irgendwann vorbei. Dieser Zeitpunkt kommt nach rund einer Woche auch für uns. Die Fahrt zurück nachhause umfasst auch gut und gerne mindestens eine Fährstrecke und 1.500 km. Das kann man zwar notfalls auch an einem Tag bewältigen, aber wie bei der Hinfahrt stellt sich hier die Frage – warum sollte man? Die Region hat auch auf dem Weg noch soviel zu bieten, dass es schade wäre, wenn man all die lohnenswerten Ziele links liegen ließe. Spannenderweise verlassen wir die Insel mit einem “Special Service” der Fährgesellschaft, die ungeplant und mitten zwischen zwei Abfahrtzeiten ein extra Schiff geschickt hat, just nachdem wir die Karten gekauft hatten. In der Folge waren wir die einzigen am Anleger und der Golf hat eine quasi exklusive Tour zurück nach Orebić bekommen – warum nicht 😀 ?

Wir entscheiden uns danach zunächst für einen kleinen Aufenthalt in Neum, ganz im Süden Herzegowinas. Hier legen wir ein Päuschen ein, um die Meeresfrüchte-basierte Ernährung mit einem zünftigen, bosnischen Fleischgericht für beendet zu erklären und die Mittagssonne zu genießen. Unser Tagesziel aber ist Zadar, in der Mitte der kroatischen Adriaküste. Die antike Hafenstadt war aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage bereits um Christi Geburt ein etabliertes Handelszentrum und bietet mithin viele historische Sehenswürdigkeiten wie etwa die Kathedrale. Auch Kunstinstallationen und Kuriositäten wie der “Gruß an die Sonne” oder die “Meeresorgel” ziehen Besucher an.

Aber nicht nur deswegen kommen Reisende nach Zadar. Ein weiterer großer Faktor ist das Nachtleben. Auf der “Altstadt-Hauptachse”, der 

Morbider Verfall im Hinterland – Was gibt’s zu sehen?

Weiter ging es für uns Richtung Norden. Eine Besonderheit des ehemaligen Jugoslawiens ist eine spezielle Form von Kriegsdenkmälern. Die Teils sehr grotesk anmutenden Bauten wurden in den 50er bis 80er Jahren errichtet, um an verschiedene Schlachten und Kriegsereignisse während des Zweiten Weltkrieges zu erinnern. Die Form und Größe der “Spomeniks” (wortwörtlich Denkmal/Monument) variiert dabei von nur mannshohen Skulpturen bis hin zu vielstöckigen Gebäuden – und es gibt Hunderte davon. Als sehr ergiebige und liebevoll gepflegte Informationsquelle zu diesem speziellen Thema empfehle ich die “Spomenik Database“. Spannend genug für einen Ausflug!

Wir begeben uns in die kroatisch-bosnische Grenzregion. Dort, im “Petrova Gora”-Gebirge, steht vielleicht das bizarrste und größte aller Spomeniks, dessen Name nicht minder groß ist: Monument to the Uprising of the People of Kordun and Banija (Spomenik ustanku naroda Banije i Korduna) – oder kurz einfach Petrova Gora Spomenik. Nach einer ca. einstündigen Fahrt von Karlovac aus über zunehmend abenteuerliche Landstraßen erreichen wir den Gipfel und das Monument baut sich vor uns auf.

Im Konzept handelt es sich um einen riesigen, 12-stöckigen Stahlbetonbau, welcher mit Stahlpanelen verkleidet ist. In der Theorie sollte man vermutlich schon von der Erscheinung geblendet sein. Da es in den 90ern verlassen und seitdem geplündert und teilweise zerstört wurde, wirkt es nun noch sehr viel monströser und bizarrer. Ein guter Teil der Verkleidung ist inzwischen dem Wind und Vandalismus zum Opfer gefallen, so dass das Stahlskelett hervortritt. Ein gleichermaßen faszinierendes und verstörendes Bild – und zweifelsohne extrem beeindruckend.

Nachdem ich mir Einlass verschafft habe – und die Kamera gezückt – schreite ich die 12 Etagen durch das teils bereits sehr zerstörte Gebäude hinauf. Dabei sind die Szenerien teilweise sehr sonderbar. So findet man z. B. ein altes Bett in der Location mit dem schönsten Ausblick, ein paar hunderte alte Armeejacken, eine LKW-Ladung augenscheinlich neuwertigem Medizinzubehörs und anderes mehr. Das Brummen der Generatoren für die Telefonmasten auf dem Dach und der unerbittliche Wind, der permanent die Stahlpanele bewegt, erzeugen eine gruselige “SciFi-Soundkulisse” – was für eine einzigartige Atmosphäre. Zudem wird der Aufstieg auf das Dach mit dem besten Ausblick der Region belohnt.

Wer sich für bizarre Lostplaces und/oder Geschichte interessiert, sollte mal einen genaueren Blick auf die Spomenik-Thematik werfen – und einen Ausflug nach Petrova Gora erwägen. An der Stelle allerdings noch ein kleiner Disclaimer: 1. ist die Eigentumslage des Areals ungeklärt und somit der Zutritt möglicherweise illegal. 2. ist das Gebäude in teilweise desaströsem Zustand und die Erkundung kann lebensgefährlich sein – ich empfehle diese daher ausdrücklich nicht. Wer sich ohne Gefahr noch einen Eindruck verschaffen möchte, kann dies mit meiner Foto-Reportage auf imgur nachholen:

» I explored the Petrova Gora Spomenik in Croatia (OC)

Spannende Route und entspanntes Inselleben – Wie war’s?

Die Mischung aus den vielschichtigen Eindrücken auf Hin- und Rückfahrt und der total entspannenden Ruhe und Hektiklosigkeit des Insellebens waren eine wundervolle Kombination. Auch wenn es in den ersten 2-3 Tagen eine Herausforderung ist, sich dem Pace des Insellebens anzupassen und nicht von einem Ort zum anderen zu hetzen, ständig informiert sein und sich um irgendwas kümmern zu müssen. Genau das hat es auch gebraucht, nachdem der größte Teil des Arbeitsjahres im Spätsommer bereits hinter einem liegt.

Wer sich von der langen Anreise nicht abschrecken lässt, sondern sie im Gegenteil als Chance begreift, die spannenden Regionen zu erkunden, die man unterwegs passiert, wird auf Korčula einen sehr erholsamen Urlaub verbringen können – fernab von All-Inclusive-Hotels und Pauschaltourismus. Wir haben gefunden, was wir gesucht haben – Ruhe vor dem Arbeitsstress im äußersten Winkel Europas und vor allem die Gelegenheit, vor dem Winter nochmal ausgiebig Sonne zu tanken.

Immer noch blicken wir mit etwas Wehmut auf diese Reise zurück und erinnern uns gern an den Strand von Pupnatska Luka, die letzte Flasche Pošip und den glasklaren Sternenhimmel. Eine Reise auf das kroatische Eiland können wir daher nicht nur wärmstens empfehlen – wir werden wohl auch selber nicht das letzte Mal dagewesen sein :).

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