Reviews

Review: Mercedes SLK – Sonnenanbeter für Sparsame

von Robert 31. Oktober 2014 0 Kommentare

Mercedes-Benz SLK 250 CDI Cabrio

Hach, was war das schön – vor noch nicht mal einem Monat. Von wegen grau und regnerisch – Sommer, Palmen, Sonnenschein – doch, was kann schöner sein? Ein, zwei Sachen würden uns noch einfallen … ein Roadster wäre z.B. nicht schlecht. Vorzugsweise natürlich heckgetrieben, mit mindestens 200 PS und „oben ohne“. Auf einer freien, kurvigen und warmen Landstraße. Oh yea!

Diesen kleinen Luxus haben wir uns im diesjährigen Mallorcaurlaub gegönnt. In diesem Artikel möchten wir unser Reisegefährt, einen Mercedes-Benz SLK 250 CDI, etwas näher beleuchten und die Frage klären, ob der sportliche, leichte und kleine Benz mit Z4 & Co mithalten kann.

Give Benz a Chance – die Anmietung

Bekommen haben wir den weißen Flitzer von der freundlichen Sixt Station direkt am Flughafen Palma. Da die Hauptsaison vorbei war und die Temperaturen erträglich, war auch die Nachfrage für Cabrios nicht so hoch. Für einen annehmbaren Preis bekommt man Ende September Freiluftspaß auf relativ verkehrsarmen Straßen.

Mercedes-Benz SLK Cabrio Front

Für das Mercedes-Cabrio haben wir uns aus diversen Gründen entschieden. Zum einen hatten wir lange keinen Mercedes und zum anderen kennen wir den Z4 sehr gut – so zum Beispiel von der Sommertour 2012. Allerdings nur in der Topversion 35is und da in Spanien eher moderate Motorisierungen wie der 20i verfügbar sind, wären die Eindrücke beim BMW wohl eher enttäuschend gewesen. Benz it is.

Die eigentliche Anmietung verlief, wie von Sixt in Spanien gewohnt, freundlich, professionell und reibungslos. Durch den Vorabkontakt mit der Station konnte man sich schnell auf ein gutes Angebot einigen und die Wunschvorstellungen äußern – welche auch prompt berücksichtigt wurden. Na dann schauen wir uns mal an wie sich der sparsame Schwabe in Spanien schlägt.

Mercedes-Benz SLK Cabrio von vorne

Da zeigt er Muskeln – Das Design

Ziemlich schnittig kommt er daher, der kleine Benz! Die Front wirkt fordernd aber mit dem gewissen Grad an Zurückhaltung – nicht zu aggressiv. Stolz prangt der riesige Stern im großen Kühlergrill. Oh ja, hier ist Mercedes im Rückspiegel. Das AMG-Paket sorg bei unserem Exemplar für sportlichere Schürze und größere Felgen.

Die ansteigende Seitenlinie betont ebenfalls den sportlichen Anspruch, insbesondere auch mit versenktem Dach. Nicht weniger dynamisch runden der kleine Spoiler sowie die gelungen gestylten Endschalldämpfer die Optik ab. Steckt da etwa doch eine Portion Sportlichkeit im sonst eher auf Rentnerehepaare ausgelegten Cruiser?

Mercedes-Benz SLK AMG-Paket

„State of the art“ geht anders – Interieur und Technik

Im Innenraum setzen sich zunächst diese Eindrücke fort. Das große Sportlenkrad dominiert das Cockpit und sieht gleichermaßen schick wie dynamisch aus. Überhaupt wird optisch sehr viel von Kreisformen dominiert. Runde Aluapplikation, z.B. auf Drehzahlmesser, Tacho, Bedienelementen und Lüftungsdüsen verströmen klassisches Roadster-Feeling. Dazu tragen auch die schwarz belederten Sportsitze bei, welche sowohl einen guten Seitenhalt als auch zumindest mittelstreckentaugliche Bequemlichkeit bieten.

Mercedes-Benz SLK Interieur

Ebenfalls erfreulich ist, dass sich der Gangwahlhebel, trotz eigenwilliger Schaltkulisse, in der Mitte befindet – dort wo er hingehört – und nicht etwa am Lenkrad wie bei Benz gerne mal verbaut. Die Haptik ist ordentlich, aber dafür dass man ja „Das Beste oder Nichts“ bekommt ist auf jeden Fall noch Platz nach oben. Es wirkt alles nicht übermäßig wertig, BMW und Audi haben da die Nase vor Mercedes, ein schick ausgestatteter VW ebenso.

Mercedes-Benz SLK offen

Die Bedienung auf der anderen Seite ist … nun, auf die doch eher betagte Zielgruppe von Mercedes-Benz ausgerichtet und wirkt darüber hinaus, im Vergleich zu iDrive, MMI oder Discover, unausgereift. Das Bedienkonzept kann man als schlechte Mischung der ersten beiden ansehen. Man kann fast alles direkt auswählen, hat dann aber trotzdem noch den runden Controller zum finalisieren der Bedienung. Der Leistungsumfang ist außerdem relativ beschränkt, man will ja keinen überfordern.

Der Kofferraum ist, jedenfalls mit geschlossenem Dach, für 2-Sitzerverhältnisse relativ groß. Eine große Reisetasche sowie ein großer Koffer, plus Rucksack und diverse Accessoires, fasst er locker. Nur bei mehr als zwei großen Reisestücken gerät er dann schon an seine dimensionalen Grenzen. Zu zweit lässt es sich jedoch auch eine Woche lang gut reisen!

Mercedes-Benz SLK CDI

Muy bueno – Fahrwerk & Bremsen

Ja, ja, er sieht schick aus, ist innen einigermaßen sportlich und die Technik ist nicht auf der Höhe der Zeit – ein Benz halt – aber wie fährt er sich denn nun?! Kommen wir also zum spannenden Part! Lässt der SLK seinem durchaus dynamischen Auftritt auch fahrerisch Taten folgen, oder ist er eher eine auf sportlich getrimmte Rentnerkutsche?

Mercedes-Benz SLK 250 CDI auf Mallorca

Unter der Haube schlummert also ein 2,2L Vierzylinder-Diesel. Alles andere als Roadster-typisch, aber immerhin 204PS und beachtliche 500Nm klingen jedenfalls schonmal gut. In der Theorie. Lassen wir das gute Stück also an. Kein schreien, kein fauchen, nur ein eher säuselndes, dennoch zufriedenes Dieselgrollen. Nicht lahm, aber dennoch gemütlich rollt er los, der kleine Frischluftspender.

Der Ersteindruck ist durchaus … positiv! Das Fahrwerk ist angenehm straff und gibt eine sehr gute Rückmeldung über den Fahrbahnzustand und Bewegung des Autos. Keinesfalls ist man vom Fahrgeschehen eher abgekapselt wie es etwa in E- oder S-Klasse der Fall ist. Gleichzeitig ist es aber nicht zu hart, um auf, zwar im Schnitt guten, aber dennoch nicht immer optimalen, spanischen Straßen Komfort vermissen zu lassen. Der roadstertypisch niedrige Schwerpunkt sorgt für eine satte Straßenlage – sehr gut!

Mercedes-Benz SLK R172 offen

Ebenfalls lobend zu erwähnen ist die Lenkung. Sie ist erstaunlich direkt und gibt ebenfalls eine gute Rückmeldung über Möglichkeiten und Kurvenlage. Durch den progressiven Charakter ist der Einschlag trotz des verhältnismäßig großen Lenkrads eher gering … oder zu deutsch: man muss auch in engen Kurven relativ wenig lenken.

Löblich ist außerdem die Bremsanlage. Vorne wartet er sogar mit gelochten Bremsscheiben auf, die ausreichend präzise dosierbar sind und ordentlich zupacken! Straffes Fahrwerk, gute Bremsen – der SLK ist somit bestens geeignet für z.B. für Serpentinenstraßen. Also alles bueno? Nunja.

Mercedes-Benz SLK AMG-Paket Bremse

Ja, wären da nicht … – Motor und Getriebe

Ob der 250 CDI jetzt eine glückliche Motorisierung für das harte, tiefe und direkte Cabrio ist – darüber lässt sich streiten. Möchte man schnelle Kurven fahren oder gerne auch in den Bergen Serpentinen, lautet die Antwort eher „Nein“. Unterhalb von 2000 Umdrehungen ist die Beschleunigung mau, bedingt durch das dieseltypische Turboloch. Unter Volllast bleibt stets ein etwas fader „für über 200 PS könnte hier aber mehr gehen“-Beigeschmack.

Auch wesentlich schuld daran ist die sehr behäbig…ähhh…gemütliche 7G-Automatik. Auch im „Sportmodus“ muss man doch schon sehr beherzt aufs Gas treten um die 500Nm zu mobilisieren – trotz zweier Turbolader. Dann dauert es gefühlte Sekunden bis mal ein, zwei Gänge runtergeschalten wird, die nötige Drehzahl anliegt und damit Power – hier wird leider viel Potential verschenkt.

SLK 250

Ein wirklicher Kurvenräuber ist er aufgrund von Motorisierung und Getriebe leider nicht. Die guten Voraussetzungen verspielt leider die lahme 7G-Tronic Plus. Vergleicht man mit einer Audi 7G S-Tronic oder der 8-Gang Sportautomatik von BMW, kann man beim Benz keinesfalls von einer zeitgemäßen Automatiklösung sprechen.

Wenn man sich allerding einem ruhigeren Fahrstil hingibt, etwa auf einer größeren Überlandstraße oder in der Stadt, macht er seinen Job gut. Er beschleunigt, wenn auch nicht übermäßig, dann zumindest doch ausreichend und das Getriebe schaltet langsam aber sanft und unmerklich. Cabriotypisch ist der Überblick hervorragend.

Mercedes SLK AMG-Paket

Seine heimliche Paradedisziplin ist jedoch eigentlich eine andere: der Verbrauch! Trotz sehr dynamischer Fahrweise mit vielen Steigungen und Gefällen, ist der Verbrauch kaum über 8L zu bekommen. Bravo – da lohnt sich das Downsizing mal … ausnahmsweise.

Jogger im Sprinterdress – Fazit

Im Endeffekt kommt es maßgeblich darauf an, was man vom offenen Schwaben erwartet. Für einen knackigen, offenen Sportwagen á la Z4 oder Porsche Boxster sind die Grundvoraussetzungen gut – Fahrwerk, Lenkung, Bremsen. In unserem Fall konnte der 4-Zylinder-Selbstzünder diesem Anspruch leider nicht gerecht werden – genau so wenig wie die fürchterliche 7G-Tronic. Die AMG-Version mit 422 PS und Speedshift Getriebe kann ich mir aber als sehr witzig vorstellen!

Wenn man im SLK 250 CDI allerdings eher den entspannten Cruiser sieht, mit genügend Puste für einen kurzen Überhohlsprint auf der Landstraße, dann macht er seinen Job wirklich gut. Mit dem frischen Wind um die Nase tuckert man im Diesel zufrieden durch die Gegend und genießt Eindrücke und Landschaft. Gemütlich und unaufgeregt – das mag er am Liebsten – wohl genau seine Zielgruppe 60+. Obwohl er kein Vollblutsportler ist, hat mit über 200 PS genug Reserven um souverän und sicher überholen zu können – vorausgesetzt man plant 1-2 Bedenksekunden beim Schalten ein.

Mercedes SLK 250 CDI am Cap Formentor

Wenn man sich damit anfreunden kann – und das konnten wir – ist der SLK ein toller, außerordentlich genügsamer Begleiter für sonnige Tage. Für den dauerhaften, heimischen Gebrauch würde ich in dieser Kategorie eher auf den BMW Z4 zurückgreifen. Auf den warmen, spätsommerlich-warmen Landstraßen in Spanien, allerdings, hat er unsere Reise mit viel Spaß auf den ca. 2000 km abgerundet.

Vielen Dank an Sixt in Palma de Mallorca und Mercedes-Benz für dieses, unterm Strich, doch sehr gelungene Urlaubsauto.

Robert mit SLK 250 CDI

Vielleicht gefällt dir ja auch ...

Kommentar hinterlassen