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Review: BMW Z4 sDrive20i auf Mallorca – Dampf ist nicht alles

von Robert 18. Oktober 2015 0 Kommentare

Erst die Arbeit … aber dann das Vergnügen 😀

Ahhh April auf Mallorca. Hä? mag mancher denken, was will man dort? Ja, es ist noch ziemlich kalt und nichts los. Es sind weder Semesterferien noch Urlaubssaison, eigentlich total langweilig. ABER! Nichts los heißt auf der Baleareninsel nicht nur leere Strände, sondern auch: Keine Tourbusse voll mit Rentern und Kegelclubs, keine gestressten und überforderten Muttis im zum ersten mal gemieteten Minivan. ALRIGHT!

BMW Z4 am Meer

Nachdem wir uns bei unserem überaus produktiven und erfolgreichen Holiwork in der Nähe von Palma noch ein paar Tage Urlaub verdient hatten, hieß es nun, den „Na im Notfall reicht er … halbwegs“-Hyundai gegenen einen „Oh yea, kurvenräubern!“-Roadster einzutauschen. Letztes Jahr hatten wir mit dem SLK einen Kandidaten, der leider durch seine behäbige Gesamtcharakteristik eher in der Theorie als auch tatsächlich auf dem Asphalt dazu getaugt hat.

Im September mit viel Verkehr war das auch ok. Bei absolut leeren Straßen jedoch braucht es etwas bissigeres, direkteres … schnelleres! Die Antwort konnte ja dann fast nur noch eine sein.

Z4 … und der Tag gehört dir!

Da werden Erinnerungen wach. Was hatten wir für schöne Momente in einem BMW Z4. Alleine die grandiose Sommertour 2012 – von Dresden nach Barcelona – wäre ohne den kleinen Roadster, den viele liebevoll einfach „Zetti“ nennen, undenkbar gewesen.

Und lieben muss man ihn ja fast sogar. Durch seinen extrem tiefen Schwerpunkt, die Sitzposition nur knapp vor der Antriebsachse und den beachtlichen Radstand – der signifikant-langen Schnauze sei Dank – bohrt er sich förmlich ins Herz eines jeden Fahrdynamikfreundes :).

BMW Z4 Roadster Rückleuchten

Den Hintern nur wenige Zentimeter über dem Asphalt – näher kann man fast nicht am Fahrgeschehen sein. Doch auch für entspannte Cruiser hält der Zetti viel Freude bereit. Oben ohne kann man genau so gut einfach nur dahingleiten, den Wind um die Nase spüren und dem Sound des Motors lauschen … jedenfalls mal kurz :D.

Gerade auf Mallorca hat es tatsächlich seinen Reiz, etwa durch die Altstadt von Palma zu rollen und über die alten Bauten zu staunen oder in einem kleinen Bergdörfchen die Düfte der Cafés und Märkte zu schnuppern. Noch mehr Spaß macht es natürlich, im Cabrio an eine einsame Bucht zu rollen und die Meeresluft einzuatmen – so sieht der Sommer aus.

BMW Z4 in der Bucht

Tiger ohne Krallen? Ein paar Worte zur Motorisierung

Dennoch ist die Fahrdynamik ganz klar das Markenzeichen des Z4, denn cruisen kann auch der SLK prima! Doch halt … was ist das? Wenn wir vom Z4 sprechen, gab es eigentlich über Jahre hinweg nur einen einzigen – DEN Z4. Die Rede ist natürlich vom 35is sDrive. In Spanien allerdings muss man seine Ansprüche leider ein wenig zurückstellen.

BMW Z4 20i sDrive Heckansicht

Auch aufgrund von Vorsaison-bedingt reduzierten Mietwagenfuhrparks und in Spanien allgemein schwachbrüstiger Motorisierungen sucht man hier die 340PS, das Doppelkupplungsgetriebe und vor allem die 6 Zylinder wohl leider vergebens.

So heißt es auch für uns: Zähne zusammenbeißen. Statt der Topmotorisierung mit dem s am Ende erwartet uns hier quasi die Basismotorisierung – der sDrive 20i. Ach du Schreck. Gerade einmal die halbe Leistung und vor allem nur ein gequälter 2L Vierzylinder. Kann das gut gehen oder ist das eine frevelhafte Verschwendung des Roadsterpotentials?

BMW sDrive 20i Logo

Der Vierzylinder – Vortrieb light und Klang good night!

Wir finden es heraus und gehen auf die Bahn. Was also haben wir da vorne in der überdimensionalen Schauze am Werkeln? Ein 2L Turbo-Vierzylinder erzeugt 184 PS sowie eher magere 270 Nm Drehmoment und die 8-Gang Steptronic schickt sie weiter Richtung Antriebsachse.

Natürlich galloppieren die 184 Pferde nicht soooo nach vorne wie man das gerne hätte. Der Vierzylinder ist (notgedrungen) ziemlich drehfreudig und verfügt über eine gleichmäßige, gut dosierbare Kraftentfaltung – wie man es von BMW nicht anders kennt und erwartet. Aber auch aufgrund dieser Charakteristik fühlt er sich (vor allem offen) schneller an, als er eigentlich ist. Mit 7,2s auf 100 wird man von einem mittelmäßig motorisierten A4 Avant verspeist – oder wie es bei Werner so schön heißt: „DAS MUSS DRÜCKEN IM GESICHT – SONST TAUGT DAS NICHTS!!“

Der elementarste Fehler am Vierzylinder dürfte jedoch im Roadster ein anderer sein: der Sound. Der größte Reiz ist es doch, den Motor ungefiltert zu spüren UND zu hören. Wenn aus dem kraftvollen, souveränen Bollern, das man vom (R6)-Z4 kennt, in hohen Drehzahlbereichen eher ein gequältes Säuseln wird, nützt auch der schickste Tunnel nichts für einen gescheiten Sound. Großer Minuspunkt im Roadsterfeeling!

BMW Z4 Cabrio in der Serra de Tramuntana Mallorca

Also … Antrieb schlecht, alles schlecht?

Mit Nichten! Immerhin sitzen wir trotz des Zylindermangels im BMW Z4 – einem der besten Roadster der Welt, und das ist er nicht primär aufgrund des Antriebs. Was den tiefen Bayern ausmacht, ist in erster Linie der Kontakt zur Straße und die Kurvenlage. Man spürt durch das hart gedämpfte Fahrwerk buchstäblich jedes Steinchen.

Die straffe, aber gleichermaßen feinfühlige Lenkung gibt permanent Rückmeldung über Zustand und Aktionsradius der Vorderräder. Die hervorragende 8-Gang Steptronic haut die Gänge fast rein als wäre es das 7G DKG. Es ist eine wahre Freude, dem drehfreudigen Motor und dem schaltfreudigen Getriebe bei der Arbeit zuzusehen, auch wenn das Ergebnis nicht mit Rückenschmerzen endet.

BMW Z4 Cabrio in den Bergen

Das Revier des Z4 ist immer die kurvige Landstraße, gerne auch Bergstraßen mit Haarnadelkurven! Im Norden der Insel findet sich beides reichlich. Auf den verwaisten Straßen des Tramuntana-Gebirges nehmen wir uns den Hecktriebler mal richtig zur Brust und gehen ans Limit.

Im Sport+ Modus wird das ESP leicht reduziert und die Gasannahme verbessert. Per Getriebestellung S bzw. M halten wir das Drehzahlbahnd zwischen 4- und 7000upm. Vor der Kurve anbremsen, runterschalten, leicht am Gas einlenken und nach dem Scheitel beschleunigen. Die Antriebsräder im Rücken kommen spürbar an die Schlupfgrenze, man gibt weiter Gas – da ist er, der kleine Drift. Leicht gegenlenken, mit Vollgas stabilisieren, aus der Kurve rausbeschleunigen … und fett grinsen! DAS sind sie, die Zetti-Momente!

BMW Z4 sDrive Roadster Bergstraße

Natürlich fehlt hier einfach die spielerische Leichtigkeit, die man durch das Drehmoment bei den 6-Zylindervarianten so schätzt – aber wenn man den Kleinen am Leistungsmaximum bewegt, ist er spürbar vom selben Schlag und sorgt für Mundwinkelstellungen, die mit dem SLK undenkbar wären!

Nach dem Rausbeschleunigen allerdings – und da muss man objektiv bleiben – geht dem 2-Liter einfach beizeiten die Puste aus. Lang, lang kommt das nicht an das Feeling der gummibandartigen, wirbelsäulentraktierenden Beschleunigung des Topmodels heran und man kommt schnell zurück auf den spanischen Boden der Tatsachen.

BMW Z4 in Sant Elm auf Mallorca

Der Z4 im Inselalltag

Abseits von Minidrifts und Haarnadelkurven bleibt er letztlich auch ein Urlaubsmietwagen, der logistische Aufgaben zu erfüllen hat. Zweisitzer sind naturgemäß keine Lademeister und das trifft umso mehr auf den Z4 zu. Je nach Konstellation der Reiseteilnehmer kann das Gepäck für eine zweiwöchige Europarundreise reichen oder für einen Kurzurlaub auf Malle :).

Zwei große Gepäckstücke und ein bis zwei kleine bekommt man ganz gut rein – falls der Zetti die Mütze aufbehält. Wenn man also beim Inselurlaub zu zweit vom und zum Flughafen auf Frischluft verzichtet, kommt man gut zurecht. Für den Einkauf im Supermarkt oder den Ausflug zum Strand reicht die kleine Ladebucht auch mit geöffnetem Verdeck locker.

Das Interieur ist BMW-typisch gut verarbeitet. Die Sitze sind recht komfortabel, aber auf Seitenhalt abgestimmt. Auf längeren Strecken sind sie nicht überaus bequem. Die Platzverhältnisse für Passagiere sind bauartbeding schon eher eingeschränkt. Ist man größer als 1,95m, hat man im Zetti wohl keinen Spaß mehr.

BMW Z4 Interieur offen

Der gezähmte Widerspenstige – ein Fazit

Ich gebe es zu: Der 35is hat uns versaut. Der Turbo-R6 setzt einfach Maßstäbe, die der kleine Bruder gar nicht erreichen kann. Wenn man aber neutral rangeht an die Sache (tun wir mal so als wären wir nicht 5.000km am Stück 35is gefahren), ist der Zetti ein Dynamikkünstler.

Dass er dem Fahrer eine gewisse Arbeit abfordert, ihm aber dabei nicht alles durchgehen lässt und gerne auch mal mit der ein oder anderen Zickigkeit reagiert, wenn man ihn reizt – das macht den Zetti aus, egal ob trauriger 18i oder fauchiger 35is.

BMW Z4 20i sDrive Cabrio offen

Gerade in Spanien gibt es außerdem genügend Stellen, wo es teilweise weder unbedingt wünschenswert noch ratsam sein kann, deutlich mehr Leistung als knapp 200 PS im Rücken zu haben. Da man sich hier keine Beschleunigungsrennen liefert, sondern auf Kurvenhatz ist, „reichen“ auch vier Pötte in den meisten Situationen, um auf Touri-freien Landstraßen für gute Laune zu sorgen :).

Auch im täglichen Urlaubsgeschehen ist er, wie jeder BMW, ein treuer und zuverlässiger Begleiter. Wenn man im Süden wirklich nur entspanntes Cruising sucht, kann man durchaus auch den SLK in Betracht ziehen. Beim leistesten Anflug eines Fahrspaßbedürfnisses führt jedoch am „Zetti“ kein Weg vorbei.

Wir haben unseren Kurzurlaub mit dem kurzatmigen Kurvenkünstler sehr genossen und sind immer mindestens mit einem Lächlen – oft auch mit einem dicken Grinsen –  ausgestiegen. Z4 auf Mallorca? Aber hallo – aus Freude am Fahren :).

BMW Z4 und Villa

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