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Ein Jahr zum Vergessen ... - Unser 2023 im Rückblick

von Robert 1. Januar 2024 0 Kommentare
Header Jahresrückblick 2023

Dass es nicht immer nur "höher, schneller, weiter" gehen kann, hat uns dieses Jahr unfreiwillig und sehr eindrücklich gezeigt. Es war vor allem geprägt von persönlichen Tiefschlägen und sehr viel nötigem Kraftaufwand. In Zeiten, in denen man die meiste Energie dafür braucht, die Basics zu erhalten, wird auch Reisen zum puren Luxus. So ist das Thema und auch das Bloggen darüber bei uns in letzter Zeit etwas in den Hintergrund gerückt. Deswegen, und weil das Jahr trotzdem spannend und lehrreich war, wollen wir es in diesem Artikel Revue passieren lassen.

Annus horribiles - Wenn eine Katastrophe die nächste jagt

Normalerweise spielt das Privatleben in unseren Beiträgen nur im Reisekontext eine Rolle. Einige persönliche Probleme haben die letzten 12 Monate aber so geprägt, dass ein Rückblick ,ohne diese zu erwähnen, unvollständig wäre. Zudem geben sie wichtigen Kontext dazu, warum das Reisejahr deutlich dünner gewesen ist als 2021 oder 2022. Bereits der Einstieg ins Jahr hat den weiteren Verlauf vorgezeichnet. Was kurz nach Heiligabend mit einem kleinen Kratzen im Hals begann, entwickelte sich zu einer dann doch nicht mehr ganz leichten Corona-Infektion. Zwei Wochen völlige Entkräftung inklusive Geschmacks- und Geruchsverlust und einige Wochen mehr, in denen man mit den Nachwirkungen zu kämpfen hatte, haben einen guten Start schwer gemacht.

Massiv positive CoronatestsAuf merkwürdige Art und Weise hat das Jahr auch seine Schatten bei der Urlaubsplanung vorausgeworfen. Im Februar hatten wir bei einem Blick auf die Weltkarte erörtert, was man denn dieses Jahr so machen könnte. Normalerweise ein schöner Moment, einfach mal völlig offen über Formate, Ziele und Zeiträume zu sinnieren. Leider hat sich, völlig atypisch für uns, nicht ein Gedanke "richtig" angefühlt und kein Ziel gedanklich manifestiert. Etwas verwundert haben wir dann die Planung erstmal vertagt um weitere Inspiration zu sammeln. Es sollte sich herausstellen, dass das auch ganz gut war.

Abflugtafel am FRAVöllig unerwartet hatte meine Partnerin aufgrund von Umstrukturierungen im Unternehmen direkt nach Ostern ihren Job verloren. Mit unklarer Perspektive und halbiertem Haushaltseinkommen keine größere Reise geplant, oder sogar bereits gebucht, zu haben, war auf einmal doch die bessere Situation. Die ungünstige Ausgangslage hat sich dann Ende Mai nochmals deutlich verschärft, als unser Vermieter uns, trotz anders lautender Absprache, aufgrund von Eigenbedarf die Wohnung gekündigt hat. Mit drei Monaten Frist eine neue Wohnung zu finden und einen Umzug zu organisieren, ist schwer genug, aber es mitten in der Urlaubssaison tun zu müssen, ist noch härter. Dass andere das Leben genießen, während man selbst Kisten schleppt, ist zwar demoralisierend, aber noch das geringere Problem. Dass aber Makler, Handwerker und Logistiker auch im Urlaub sind, Betriebsferien haben usw., hat die Sache nochmal deutlich verkompliziert.

Auch familiär war das Jahr von Krankheit und Abschied geprägt. Zwei Todesfälle in der Großelterngeneration waren die Folge, was neben dem persönlichen Verlust auch das Lösen der anderen Probleme erschwert hat. Nicht nur die Reiseperspektiven als solche waren von diesen ganzen Tiefschlägen stark eingeschränkt, auch bereits anvisierte und reservierte Kleinigkeiten mussten wieder abgesagt werden. So konnten wir z. B. die Alpentour als Tradition dieses Jahr nicht fortsetzen. Mit dem M4 Coupé nach Südtirol wäre es gegangen - unter normalen Umständen ein Garant für ekstatische Geisteszustände. Allerdings ist dieses Format auch etwas, wo man den Kopf für höchste Konzentration frei braucht - und das war er nicht. Auch wenn die Vorfreude groß gewesen ist, so war die Vernunft doch größer und die Tour wurde storniert. Bloß gut, dass uns das nicht alles im Jahr zuvor passiert, sonst wäre dem vermutlich #OTRAmerik22 zum Opfer gefallen und damit Monate an Aufwand und Tausende von Euro.

Robert vor Four Corners Schild bei SonnenuntergangGlücklicherweise konnten wir bis zum Dezember alle lösbaren Probleme nicht nur lösen, sondern die meisten Situationen auch erheblich verbessern. Beruflich ging es nahtlos weiter, sogar mit etwas Bonus, und auch eine - deutliche schönere - Wohnung haben wir mit großem Einsatz und noch größerem Glück sehr schnell gefunden. Der eigentliche Umzug ging auch relativ flüssig über die Bühne und bis zum Jahresende sollten alle wesentlichen Arbeiten erledigt sein. Es war ein langer Weg, der viel Kraft und Nerven gekostet hat. Aber am Ende sind wir nun nicht nur wieder gut aufgestellt, sondern solider als vorher und allein das ist Grund, sich zu freuen! Gleichwohl haben wir eine stabile Basis für das kommende Jahr und blicken 2024 optimistisch entgegen. Zum Glück gab es trotz allem auch schöne Momente in 2023. Die Highlights waren wie immer die, wenn auch diesmal kleineren, Reisen - werfen wir einen Blick darauf!

Im Anagagebirge auf Teneriffa mit Blick aufs Meer am Mirador Bailadero

Als die Welt noch in Ordnung war - Eine Woche auf Teneriffa

Auch wenn sich im Februar kein Plan für eine größere Reise abgezeichnet hatte, war die letzte große Reise zu dem Zeitpunkt auch bereits vier Monate her. Vier Monate, in denen ein grauer, kalter Winter und eine Covid-Erkrankung lagen. Noch ewig auf Urlaub - und vor allem ein paar Sonnenstrahlen - zu warten, war trotz aller Unsicherheit keine Option. Eine Grobrecherche hat - wenig überraschend - ergeben, dass innerhalb von Europa im März kaum Ziele mit annähernd sonnigen Bedingungen im Angebot sind. Ausnahmen gibt es wenige - aber es gibt sie. Über 25° und eben auch sommerliches Wetter findet man nahezu ganzjährig vor der Küste Westsaharas - auf den Kanaren. Das klingt top! Da ich großer Spanien-Freund bin, aber die Inselkette noch nie bereist habe, begeben wir uns nach Frankfurt und von dort am 4. März nach Teneriffa.

Die Insel begrüßt uns, genau wie wir es erwartet haben, mit vergleichsweise paradiesischen Bedingungen. Aus den 6° bei Nieselregen am FRA sind auf einmal 27° und strahlend-blauer Himmel geworden. Schon beim ersten Schritt aus dem Terminal heraus spürt man, wie der Körper jedes Photon aufsaugt und sich zu entspannen beginnt. Ahh, genau so muss es sein. Die gute Laune setzt sich am Mietwagen-Counter fort, wo der äußert freundliche und motivierte Mitarbeiter alles gibt, um uns das schönste Auto der ganzen Insel zu organisieren - ein BMW Z4 M40i Cabrio. Mit dem Meereswind um die Nase und sechs Zylindern unter der Haube lässt sich die Insel gleich besser erkunden. Auch die Unterkunft ist angemessen. Wir residieren in einem Luxus-Apartment von Alberto Dorner in der Bucht von Icod de los Vinos. Von unserer großzügigen Terrasse aus haben wir einen fantastischen Blick auf das Meer und den Teide - besser könnte es nicht sein.

Mit diesem großartigen Setup lässt es sich eine Woche auf Teneriffa hervorragend leben. Sie ist geprägt von ausschließlich schönen und spannenden Erlebnissen. Wir sind zum Karnevalsumzug in Los Gigantes, erkunden das Teno- und das Anagagebirge sowie Strände aus schwarzem Vulkansand. Die Zeit reicht auch für das Exploren einiger Lost Places und den Besuch des besten Outdoor-Wasserparks in Europa. Hervorragendes Essen, vollmundiger Wein und das durchgängig ideale Wetter runden den Trip perfekt ab. Auf der Kanareninsel finden wir nicht nur die Entspannung, Ablenkung und Ration Vitamin D, die wir dringend gebraucht haben, sondern auch die Unbeschwertheit, die wir das restliche Jahr über schmerzlich vermissen werden.

Da möchte man gleich gar nicht wieder weg. Allerdings sollte man hier, wie so oft im Leben, vorsichtig sein, was man sich wünscht. Aufgrund eines Streiks der französischen Luftraumsicherung konnten wir den Rückflug nicht antreten. Das wäre an sich schlimm genug gewesen. Dass sich allerdings Eurowings schlicht und einfach verkrümelt und uns sowie 100 andere Passagiere ohne Verpflegung, Transfer und Übernachtungsmöglichkeit am Flughafen stehen lässt, hat die Sache jetzt nicht besser gemacht. An einem Samstagabend zur Hauptreisesaison an einen Mietwagen und ein Hotelzimmer zu kommen, war alles andere als einfach. Zum Glück mussten wir nicht, wie viele andere, am Flughafen übernachten. Dennoch hat der Umstand die Urlaubsfreude etwas gemindert. Auch, dass sich die Lufthansa Group bis heute weigert, uns zu entschädigen, hinterlässt einen leicht faden Beigeschmack. Ungeachtet dessen war Teneriffa der schönste Urlaub des Jahres - so schön, dass wir ihn nochmal in einem Artikel beleuchten werden.

(Nicht nur) leise Töne - Ein Wochenende in Hamburg

Ende Mai war unsere Welt dann schon nicht mehr so unbeschwert und es wurde klar, dass das restliche Reisejahr eher aus spontaneren, kleineren Trips bestehen würde - wenn überhaupt. Also sind wir zunächst in der Nähe geblieben und haben die Metropole Norddeutschlands besucht. Auch wenn Hamburg immer einen Besuch wert ist, war die Fahrt nicht ganz anlasslos. Den Rahmen bildeten die Konzerte der Metal-Götter rund um James Hatfield und Lars Ulrich. Wir besuchen die beiden Shows der M72 World Tour von Metallica im Volksparkstadion. Wahnsinn, die lebenden Legenden nochmal live sehen zu dürfen. Obwohl naturgemäß die Akustik im Stadion nicht ideal ist, ist die Atmosphäre gigantisch gewesen. Wenn 50.000 Leute kurz nach Sonnenuntergang "Enter Sandman" anstimmen, ist Gänsehaut vorprogrammiert.

Da Hamburg als Stadt aber kulturell eine Menge zu bieten hat, würde man ihr unrecht tun, wenn man es beim Metal belässt. In der berühmt-berüchtigten Elbphilharmonie widmen wir uns dem anderen Ende der Bandbreite an Kulturereignissen. Wir besuchen ein Konzert des polnischen Pianisten Krystian Zimerman. Bei dem Medley aus klassischen Piano-Stücken von Bach, Szymanowski und Chopin zeigt der große Saal, was er akustisch drauf hat. Klangtreue, -schärfe und -qualität sind ein Fest für jeden HiFi-Freund und zweifelsfrei von Weltrang. Auch optisch wie architektonisch sind die geschwungenen Tribünen beeindruckend. Unsere Eindrücke vertiefen wir auch nochmal bei einer Hausführung am nächsten Tag.

Die Stadt an sich bietet aber auch ohne Kulturprogramm mehr als genug für einen Wochenendtrip. Wir wandern über den Rathausplatz an die Binnenalster, genießen die ausgelassene Stimmung im Portugiesischen Viertel und verspeisen ein leckeres Krabbenbrötchen an den Landungsbrücken. Dort fällt uns auch die U-434 ins Auge, ein U-Boot, ehemals betrieben von der Sowjetmarine. Eine Besichtigung lassen wir uns nicht nehmen und haben an dem Tag großes Glück mit unserem Guide, der selbst jahrelang aktiver U-Bootfahrer war. Der Ausflug an die Elbe war abwechslungsreich, eindrucksstark und genau das Richtige, um für ein paar Tage auf andere Gedanken zu kommen.

Lückenfüllen in Portugal - Eine Woche im Dourotal

Im Juli war dann nicht nur klar, dass wir umziehen müssen, sondern zum Glück auch wann und vor allem wohin. Der Umzug war für Anfang September geplant und damit fiel unser üblicher Sommereisezeitraum weg. Die Urlaubstage mussten aber dennoch verbraucht werden und auch mit Hinblick auf den bevorstehenden Kraftakt, hat etwas Erholung nicht geschadet. Im Aufwand und auch in den Kosten überschaubar sollte es allerdings bleiben. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, dem äußersten Südwesten Kontinentaleuropas mal wieder einen Besuch abzustatten. Portugal kannten wir von unseren Reisen nach Lissabon 2014 und von da nach Porto zwei Jahre später bereits, und es ist uns in hervorragender Erinnerung geblieben. Wir begeben uns nach Gondomar, einem niedlichen kleinen Ort östlich von Porto, und steigen eine Woche in einem AirBnB direkt am Douroufer ab.

Von unserer wunderschön gelegenen Unterkunft aus ist Porto inklusive seiner beeindruckenden Altstadt fußläufig zu erreichen. Wir genießen die sommerlichen Temperaturen, die bunte, dichte Architektur und das ein oder andere Glas exzellenten Portweins. Mit unserer gediegenen C-Klasse erkunden wir den Nordteil des Landes. Unsere Ausflüge führen uns nach Aveiro an die Küste, welche mit einem Bilderbuch-Sandstrand und Weltklasse-Meeresfrüchten überzeugt. Auch eine Fahrt durch das obere Dourotal mit seinen sanften Kurven, malerischen Weinbergen und ansprechenden Weingütern ("Quintas") war sehr lohnend. Highlight war aber vermutlich das Estrella-Gebirge, welches wir 2016 bereits mit dem 4er Cabrio erkundet haben - damals bei sehr schlechtem Wetter. Diesmal waren nicht nur die Wetterbedingungen ausgezeichnet. Rein zufällig haben wir uns auf einen nominell gesperrten, aber ansonsten komplett passierbaren Bergpass verirrt. Ohne jeden (Gegen-)Verkehr mal nach Herzenslust eine malerische Gebirgsstraße zur Verfügung zu haben, war schon lange ein kleiner Wunsch =).

Portugal ist als Reiseziel auch fast 10 Jahre nach unserem ersten Besuch immer noch ein Geheimtipp. Die Touristenmassen und damit auch die Preise halten sich schwer in Grenzen. Man kann in sehr soliden Restaurants ohne Probleme für 40€ zu zweit essen gehen, inklusive mehrerer Gänge und exzellentem Wein. Auch Preise für Unterkünfte und allgemeine Lebenshaltungskosten liegen spürbar unter dem deutschen Niveau, obwohl sie in der Qualität kaum zurückstehen - wenn überhaupt. Die Gastfreundschaft ist phänomenal und obwohl Portugal alles andere als riesig ist, ist es sehr abwechslungsreich. Auch wenn sich der Urlaub etwas "eingeschoben" angefühlt hat, das Reiseziel hat absolut abgeliefert und wir kommen ohne jeden Vorbehalt sehr gern wieder. Da die Details auch hier zu umfangreich für den Jahresrückblick sind, folgt demnächst nochmal ein eigener Artikel.

Selfmade ist im Trend ... - Vanlife light in Brandenburg

Anders als sonst hat das jährliche Familientreffen dieses Jahr nicht in Ostsachsen, sondern im dünn besiedelten Brandenburg stattgefunden. Dort waren wir an den Schwielochsee geladen. Die an sich tatsächlich malerische Gegend ist besonders bei Berlinern für die Naherholung sehr beliebt, aber vor allem auch bei den "Einheimischen". Ferienunterkünfte sind rar und oft lange im Voraus ausgebucht. Zelten wäre durchaus eine Alternative, aber relativ aufwändig und unkomfortabel. Die passende Gelegenheit, außerhalb der Box zu denken und mit einem neuen Reisekonzept zu experimentieren!

Schwielochsee in BrandenburgVan-Life ist seit Jahren im Trend und der Reiz nachvollziehbar. Weitgehende Unabhängigkeit von lokaler Infrastruktur, verbunden mit Mobilität und einem gewissen Standard, sind gute Argumente. Die Ausprägungen gehen dabei von der Matratze im Pritschenwagen über liebevoll selbst ausgebaute Sprinter bis hin zum millionenteuren Luxus-Wohnwagen auf LKW-Basis. Wir entscheiden uns zunächst für den simplen Einstieg und organisieren einen einfachen Vito von Sixt. Mit 160 PS, vernünftiger Ausstattung und Sportlenkrad ist er sogar besser als erwartet, allerdings interessiert uns vor allem die Ladefläche. Diese kleiden wir zunächst mit Umzugsteppich und Panzertape improvisiert so aus, dass die Kabine etwas isoliert ist - und unser Zeug halbwegs sauber leibt.

Das gilt vor allem für die Kingsize-Matratze, die wir beziehen und so die komplette Ladefläche in ein großzügiges, mobiles Bett verwandeln. Eine Kühlbox mit Proviant, Campingtisch und -stühle und ein paar Essentials wie Ladekabel, eine Bluetooth-Box usw. reichen für die Vanlife-Minimalvariante aus. So begeben wir uns mit unserem Luxuszelt auf Rädern nach Goyatz. Dort besteht die Herausforderung nur noch darin, eine einigermaßen ebene Stellfläche zu finden - man will ja nachts nicht im Bett wegrollen ;). Die Nacht verläuft dann auch, gemessen an den Umständen, überaus bequem, wenn man von ein paar Mücken absieht. Verglichen mit dem Zelten klar die bessere Alternative und auch ein Konzept, das wir durchaus in der Zukunft weiterverfolgen würden!

Sixt Vito im Wald in Brandenburg

Kunst & Kultur an der Amstel - Kurztrip nach Amsterdam

Die Elbe ist nicht der einzige Fluss, an dem eine europäische Kulturmetropole liegt. Wir setzen das Unterhaltungsprogramm einige hundert Kilometer westlich fort und besuchen die niederländische Hauptstadt. Aufgrund der sehr zuvorkommenden KLM-Direktverbindung ab Dresden und dem sehr reichhaltigen Angebot an quasi allem, was Spaß machen könnte, gehört Amsterdam schon seit Jahrzehnten zu unserem jährlichen Reisekalender. Auch wenn wir öfter schon ohne spezifischen Anlass in die Niederlande gereist sind, war 2023 vor allem wieder ein Konzert ausschlaggebend. Wir besuchen eine Show der World Tour von blink-182 im Ziggo Dome.

Hier konnte man sich einen Abend lang wie 16 fühlen und nachholen, was damals unvorstellbar gewesen wäre: Rocklegenden "mal eben so" live sehen. Das beeindruckende Konzert hat also nicht nur für Ablenkung vom Stress beim ersten Trip nach dem Umzug gesorgt. Es hat auch einen kleinen Jugendwunsch erfüllt. Kulturell deckt Amsterdam, ähnlich wie Hamburg, eine sehr große Bandbreite ab. Am anderen Ende der Skala befassen wir uns mit dem großen niederländischen Impressionisten Vincent van Gogh. Nachdem wir in den Jahren zuvor bereits einige Werke von ihm im Rijksmuseum in Amsterdam oder dem MOMA in New York bewundern konnten, gab es nun im Van Gogh Museum das volle Programm. Der Besuch ist für Kunstinteressierte klar empfehlenswert, muss allerdings Wochen im Voraus online gebucht werden!

Ab von der Kultur lädt Amsterdam, sofern es das Wetter zulässt, auch prädestiniert dazu ein, die Kanäle und Gässchen zu Fuß zu erkunden - eine Tätigkeit, derer wir auch 20 Jahre nach dem ersten Besuch nicht müde werden. Exklusive, internationale Restaurants, niedliche, niederländische Cafés, die charakteristischen, schiefen Häuser: Amsterdam ist schon optisch unverwechselbar. Die Grachten, der entspannte Vibe und das verhältnismäßig viele Grün machen die Stadt nicht nur sehr lebenswert, sondern auch von der Atmosphäre her einzigartig. Auch dieser Trip hat nicht enttäuscht und es würde mich schwer wundern, wenn es der letzte gewesen sein sollte.

Action, nass und trocken - Ein paar Tage im Schwarzwald

Neben der ganzen Hochkultur darf aber auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Unter dem Motto stand auch ein relativ spontaner Trip in den Schwarzwald. Hier beziehen wir ins Ringsheim Quartier und kommen in einem zunächst unscheinbaren Gewerbegebiet unter. Unser günstiger Bungalow entpuppt sich als Vier-Sterne-Unterkunft und in fußläufiger Entfernung finden wir mit "The Italian" einen der besten Italiener, bei dem wir außerhalb des Mutterlandes zu Gast sein durften. Die unmittelbare Nähe zum Nachbarn Frankreich machen wir uns zudem für einen Tagesausflug nach Straßburg zunutze. Nach einem Frühstück mit französischer Finesse im Café Julia erkunden wir die Altstadt. Diese überzeugt nicht nur mit liebevoll erhaltener Fachwerksubtanz, sondern auch mit ihrer wechselhaften Geschichte. Einen schönen Überblick bekommt man von "Notre-Dame", zu Deutsch dem Straßburger Münster, sofern man einigermaßen gut zu Fuß ist und 6€ übrig hat.

Der eigentliche Grund des Besuchs im Südwesten war jedoch jener eingangs erwähnte Wunsch nach Spaß und Action. Geografisch Kundigen dürfte das Ziel somit klar sein - wir verbringen einen Tag im Europapark. Der größte Freizeitpark Deutschlands bietet Attraktionen für Unterhaltungsfreunde jeden Alters. Wir konzentrieren uns dabei auf die extremsten Fahrgeschäfte und werden nicht enttäuscht. Vor allem der Launch-Coaster Blue Fire, der uns vom Start weg in 2.5 Sekunden auf über 100 km/h beschleunigt, hat es uns angetan. Aber auch die gemeinsam mit Mercedes betriebene Achterbahn "Silverstar" mit ihren 20 Sekunden Schwerelosigkeit und die extreme Holzachterbahn "Vodan", welche ein sehr ungefiltertes Geschwindigkeitsgefühl vermittelt, sind weit oben auf der Liste und weltweit bei Achterbahnfreunden geschätzt.

Entspannter, möglicherweise sogar etwas zu entspannt, geht es in der neuesten Errungenschaft der Betreiber zu. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Europapark wurde Ende 2019 das Spaßbad "Rulantica" eröffnet. Vor dem Hintergrund nordischer Mythologie versucht die durchgängig sehr liebevoll und durchdacht gestaltete Anlage den Spagat zwischen Familienbad und Indoor-Wasserpark. Dieser gelingt allerdings leider nur bedingt. Bis auf einige, wenige Rutschen, die für Actionfreunde interessant sein können, etwa die Falltür-Rutschen "Dugdrob" und "Vildfal", ist für erwachsenes Publikum nicht allzu viel geboten, von der Swim-Up-Bar vielleicht abgesehen. Familien mit Kindern bis ca. 12 Jahre kommen hier allerdings voll auf ihre Kosten, und wenn zumindest etwas Entspannung auf dem Programm steht, ist der Besuch empfehlenswert. Wenn es wirklich rein um Rutschenspaß gehen soll, empfehlen wir aber stattdessen einen Ausflug in den Galaxy-Wasserpark der Therme Erding. Ungeachtet dessen, war der Trip in den Schwarzwald sehr lohnenswert!

Mit der Sonne im Rücken - Würdiger Abschluss auf Mallorca

Das Reisejahr endete spannenderweise, wie es angefangen hat - auf einer spanischen Insel. Es ging allerdings nicht zurück auf die Kanaren, sondern ganz klassisch nach Mallorca. Anlass war dieses Mal nicht primär die Reise an sich, sondern Nachwuchs im engsten Freundeskreis. Da man dieses freudige Ereignis nur persönlich angemessen feiern kann, haben wir uns auf direktem Wege von Dresden nach Palma begeben. Da es gleichzeitig die letzte Reise für dieses Jahr sein würde, nutzen wir natürlich die Gelegenheit, um die Akkus vor dem Winter noch mal etwas aufzufüllen.

Die Rahmenlogistik ist hier zum Glück um Einiges günstiger als auf Teneriffa. Mietwagen und Unterkünfte sind reichhaltig verfügbar und Ende Oktober auch recht günstig. Da der von Sixt vorgesehene C220d, wie wir aus Portugal wissen, zwar solide, aber nicht übermäßig aufregend ist, und klar war, dass es vor dem Winter keine Gelegenheit für Fahrspaß mehr geben würde, haben wir uns für ein kleines Upgrade entschieden. Aus dem Parkhaus rollen wir mit einem Audi RS4 Avant, der uns im wohlbekannten Tramuntanagebirge zur nötigen Endorphinspritze verhilft. Leider wurde das Vergnügen durch einen unverschuldeten Reifenschaden frühzeitig beendet. Aber auch der "Werkstattersatz" in Form eines M440i Cabrio konnte sich mehr als sehen lassen. Dieses war auch besonders spannend, weil wir vor zwei Jahre mit meinem alten 440i M-Coupé dieselbe Strecke abgefahren sind - und mit etlichen anderen Fahrzeugen zuvor. Trotz Fahrzeugwechsels eine Woche, die fahrspaßtechnisch nur schwer zu übertreffen sein dürfte.

Die genialen Straßen der Insel, die teils weltweit ihres Gleichen suchen, sind aber bei weitem nicht der einzige Vorteil. Wir genießen abermals die deftige, spanische Küche, schwere, regionale Rotweine und auch einfach nur den gechillten Nachmittag am Strand. Vor allem aber viel Wert sind die endlosen, lauen, spanischen Abende mit guten Gesprächen, viel Lachen und unzähligen San Miguel. Gerade in diesem Jahr voller Unsicherheit und Veränderung war Mallorca, das wir auch bereits seit Jahrzehnten immer wieder als "Happy Place" besuchen, letztlich genau das, was man zum Aufbauen brauchte - auch wenn es nicht geplant war.

Mehr Musik und ein wenig Entspannung - Lokale Events

Neben etlichen Besuchen in Baumärkten, Dates mit Handwerkern und der Jobsuche war zum Glück über das Jahr doch hier und da noch Zeit, um bei Events in der Gegend ein bisschen aus dem doch sehr tristen Alltag auszubrechen. Begonnen hatte das Konzertjahr unmittelbar vor der Teneriffareise Anfang März. Wir haben das Leipzig-Konzert des  irischen Künstlers Dermot Kennedy im Haus Auensee besucht. Der Sänger kombiniert viele Elemente wie elektronische Musik, Akustikgitarren und auch Hiphop, zu einem sehr individuellen, gefühlvollen Stil. Auch als Kontrast zu den "großen" Bands, die wir dieses Jahr sehen durften, eine sehr nette Ergänzung im Kulturkalender.

Das gilt zweifelsfrei auch für einen anderen, eher nationalen Künstler. In der "Jungen Garde" in Dresden besuchen wir im Juni ein Freiluft-Konzert des Berliner Rappers Peter Fox. Das Seeed-Urgestein brennt eine beeindruckende Show auf der Bühne ab und sorgt im Amphitheater für ausgelassene Stimmung. Auch hier ist ein kleiner Wunsch in Erfüllung gegangen, denn nicht nur Seeed, sondern auch das Solo-Album Stadtaffe, von dem umfangreich Lieder gespielt werden, haben unsere Jugend geprägt. Ein äußerst gelungenes Event!

Die Entspannung stand nur sehr wenig im Fokus, auch wenn mehr gut getan hätte. Für ein komplettes Wellness-Wochenende hat es leider nicht gereicht. Einen Spa-Nachmittag haben wir uns jedoch nicht nehmen lassen. Der war dafür im wahrsten Sinne des Wortes sehr exklusiv. Wir verbringen ein paar Stunden im "Private Spa" des Henricus Spa in Dresden. Hier hat man einen eigenen Whirpool, eine Sauna, Duschen und auch ein Daybed zur privaten Nutzung zur Verfügung. Das ist nicht ganz günstig, aber besonders für Paare, die eine kleine Pause vom Alltag brauchen, ideal. Ein paar Snacks und eine Flasche Sekt gehören ebenfalls zum Arrangement. Trotz des gehobenen Preisniveaus klare Empfehlung.

Düsterer Rückspiegel und sonnige Aussichten - Fazit & Ausblick

Er ist dieses Jahr nicht leicht gefallen, der Blick zurück. Dass privat so viel unverschuldet schief geht, hatten wir uns letztes Jahr um die Zeit nicht träumen lassen. Einfach nur den Status Quo zu erhalten, hat viel Zeit, Kraft und Geld gekostet. Zwischenzeitlich waren wir aber fast schon froh, dass die ganzen Katastrophen alle in einem Jahr stattgefunden haben, das sowieso schon verloren war. Das Ende ist zum Glück versöhnlich, da alle wichtigen Themen nicht nur geklärt sind, sondern sich letztlich sogar zum Positiven entwickelt haben.

Befüllter Umzugslaster, September 2023Auch reisetechnisch lief es rückblickend deutlich besser, als es sich zunächst (nicht) abgezeichnet hat. Den epischen Roadtrip durch die südwestlichen USA aus dem Vorjahr konnten wir natürlich nicht toppen. Trotzdem die persönlichen Rahmenbedingungen schöne Reisen stark erschwert haben, haben wir auch hier aus der Situation das Beste gemacht und sind damit zufrieden. Mehrere kleine Reisen und auch Aktivitäten in Deutschland haben hier den einen, großen Trip ersetzt. Das hat zwar nicht so sehr zur Gesamterholung beigetragen, sich dafür aber hervorragend ins Jahr eingefügt und ihm die nötigen Highlights verliehen. Da kein Raum für große Experimente da war, haben wir uns auf eher bekannte Reiseziele fokussiert, diese dafür aber teilweise neu entdeckt wie einige Seiten Portugals. Highlight war dennoch ganz klar das einzige, mir vorab gänzlich unbekannte Reiseziel - Teneriffa.

Zudem hat es uns das Konzept angetan, zumindest Teile des kalten Halbjahres in freundlicheren Gefilden als Zentraleuropa zu überwintern. Um dem neuen Jahr - anders als 2023, in das wir regelrecht hineinvegetiert sind - einen fulminanten Start zu verpassen, tun wir auch genau das. Nach all den gemeisterten, aber energiezehrenden Herausforderungen und Entbehrungen in den letzten 12 Monaten gönnen wir uns direkt im Januar ein richtiges Highlight. Wohin genau es geht und was so geplant ist, wird in den kommenden Tagen auf Facebook verraten. Bis dahin sei aber so viel angeteasert: Wir werden unsere "3-Jahres-Regel" etwas aufweichen. Geben wird es jede Menge "Sunshine" und wir hoffen es wird, anders als bei Peter Fox, nicht "nen Ticken zu Disney" - sondern genau im richtigen Maße. Auch Schlangen sollen wohl eine Rolle spielen. Hoffentlich finden wir nicht nur Pythons, sondern auch eine tief fauchende Cobra ... wir werden sehen ;D.

Steigflug in Airbus A320 von Eurowings Discover über FrankfurtAngetrieben von Vorfreude und der Hoffnung, dass dieses Event genau so positiv auf das kommende Jahr ausstrahlt, wie der Corona-Start negativ auf das letzte, verabschieden wir 2023. Keines der letzten fünf Jahre werden wir weniger vermissen und in seiner Gesamtheit hoffentlich schnell vergessen. Zum Glück ist wirklich selten alles schlecht. In Erinnerung bleiben werden einige Highlights, kulturell oder auch, was diverse Trips angeht. In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern einen guten Rutsch und einen gesundes, erfolgreiches und freudiges Jahr 2024!

BMW Z4 M40 Cabrio in Lomo de las Bodegas, Anagagebirge, Teneriffa

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