Sommertour 2015Roadtrips

Tag 6: Gespaltene Gefühle in Split

von Robert 29. September 2015 0 Kommentare

Die geniale Anreise

Nach dem üblichen Ausschlafen und unserem leckeren Frühstück haben wir uns aufgemacht, die Erkundung der Küste fortzusetzen. Eine der größten, und wie wir glaubten auch sehenswertesten, Städte im gut erreichbaren Umkreis unserer Ferienwohnung ist Split.

Von Drvenik aus kann und sollte man die D8 – direkt an der Adriaküste – nehmen, um die ca. 100km zurückzulegen. Man wird definitiv mit atemberaubenden Ausblicken und gleichermaßen anspruchsvollen wie genialen Kurven belohnt. Hier also in jedem Fall die vom Navi initial vorgeschlagene Route über die Autobahn rechts liegen lassen und die Landstraße wählen!

Allerdings sollte man mit dem teilweise recht rabiaten Fahrstil der Einheimischen rechnen. Da wird man schon mal trotz eigentlich sehr angemessener Geschwindigkeit, vor einem fahrenden Autos und Gegenverkehrs von einem 80-Jährigen Kroaten in einem 40-Tonner überholt …

LKW überholt auf der D8

Hohe Erwartungen an Split

Wenn man dann (hoffentlich) sicher angekommen ist, empfiehlt es sich, in Split selber etwas außerhalb des Zentrums zu parken, da in der historischen Altstadt die Parkplätze natürlich eher rar gesäht sind. In den bewachten Parkhäusern funktioniert das gut und ist mit 5 Kuna pro Stunde (ca. 0,65€) auch durchaus erschwinglich.

Wir sind mit relativ hohen Erwartungen nach Split gekommen  – hatten uns doch diverse Leute einen Besuch wärmstens an Herz gelegt und auch einige Reiseführer vom Flair der vermeintlichen Adriaschönheit geschwärmt. Nun gut. Das Gebiet außerhalb der Altstadt „glänzt“ eher mit verfallenen Hochhaussiedlungen als mit mediterranem Flair.

Das macht zum Glück die Hafenpromenade zunächst wett, die (sicherlich auch aufgrund des (endlich!) guten Wetters) zum Flanieren und Genießen einlädt. Es reihen sich kleine Cafés und Lädchen aneinander und man kann in aller Ruhe bei einem Cappuccino dem Treiben der Fischerboote und Ausflugsdampfer zusehen.

Palast & Altstadt – Weltkulturerbe … ?

Split ist ursprünglich der lokale Sitz des römischen Kaisers Diokletian gewesen, der der Region entstammte. Die Stadt als solche ging aus einem Palast hervor und ist im Laufe der Jahrhunderte zur zweitgrößten Stadt Kroatiens herangewachsen. Das Zentrum bildet also der kaiserliche Palast und die ihn umgebende, historische Altstadt.

So weit, so gut. Allerdings muss man leider feststellen, dass beides oft eher notdürftig geflickt als angemessen restauriert erscheint. An vielen Stellen scheinen die Gemäuer baufällig und teilweise lieblos mit so gar nicht historischem Material wie Ziegelsteinen oder Putz zusammengehalten zu werden. Vor diesem Hintergrund scheint es etwas fragwürdig, dass die UNESCO die Stadt als Weltkulturerbe listet – man entsinne sich an den Erbestreit wegen der Waldschlösschenbrücke im sehr viel liebevoller gepflegten Dresden.

Goldtor Diokletianspalast Split

Fairerweise muss man dazusagen, dass die Stadt im kroatischen Unabhängigkeitskrieg aber auch unter Granatenbeschuss stand. Inwieweit die Verfallserscheinungen damit einhergehen, vermag ich nicht zu beurteilen. Die Plätze um den Palast herum sind eher grau und auch nicht im besten Zustand – sie wirken daher wenig einladend, ja fast schon abweisend, und das trotz des sehr guten Wetters.

Innenstadt von Split

Die Einwohner und Händler – das muss man ihnen lassen – machen das Beste draus. Die kleinen Läden, Cafés und Restaurants, die man hier so vorfindet, sind überwiegend sehr liebevoll gestaltet und wirken deutlich freundlicher und einladender als die Stadt drumherum. Wer zu einem Shoppingbummel oder ein bisschen zum Schlemmen aufgelegt ist, ist daher hier nicht so verkehrt!

Insgesamt hinterlässt die Altstadt von Split einen sehr gespaltenen Eindruck. Auf der einen Seite ist sie beeindruckend. Von Jahrhunderten wechselhafter Geschichte geprägt, werden auch hier viele Stile vereint und architektonische Epochen widergespiegelt. Auf der anderen Seite ist der oftmals schlechte Zustand deprimierend, denn die Stadt mit ihren verspielten Bauten hätte das Potential, richtig gut auszusehen. Da muss sich jeder selber ein Urteil bilden – uns hat sie nicht überzeugt.

Split Altstadt

Todesmut im Bell Tower …

Um einen abschließenden Überblick über die Stadt zu bekommen, eignet sich das Besteigen des Glockenturms der Kathedrale des heiligen Domnius. Laut Tripadvisor soll man ja hier eine ganz hervorragende Aussicht über die Stadt genießen können. Für etwa 2€ darf man sich an den Aufstieg des ca. 60m hohen Turms wagen.

Glockenturm (Bell Tower) von Split

Was einem allerdings im Vorfeld nicht gesagt wird – und das ist wohl besser so – ist, dass der Aufstieg mit eher fragwürdigen Bedingungen verbunden ist. Die untere Ebene bis zu den Glocken ist extrem eng, dunkel, niedrig und mit hohen Treppen verbunden. Ok das ist machbar. Dass der größere Teil des Weges allerdings über eine rostige, wackelige und schlecht gesicherte Stahltreppe zurückgelegt wird, ist dann doch eher unlustig.

Split Glockenturm Treppe

Die eigentliche Plattform unter dem Dach des Turms bestand aus dem selben, fragwürdigen Material und machte in Kombination mit Wind und fehlenden Geländern den Aufenthalt eher abenteuerlich. Ich bin eigentlich bei größeren Höhen nicht überaus zimperlich, aber das muss nicht sein. Der Ausblick hingegen war schon sehenswert, entschädigt aber nur bedingt für die verlorenen Nerven.

Ausblick auf die Altstadt von Split vom Glockenturm

Split – ein durchwachsenes Erlebnis, selbst im Restaurant

Nach diesem unerwartet fordernden Abenteuer bedarf es einer angemessenen Stärkung. Hier an der Adriaküste stehen – wie sollte es anders sein – Fisch und Meeresfrüchte hoch im Kurs. Da sie das auch bei uns tun, folgen wir der Empfehlung eines unserer Reiseführer und begeben uns ins Restaurant Nostromo – direkt am Fischmarkt.

Der kleine Laden beherbergt unten eine Bar und oben drüber das eigentliche Restaurant. Von einem mürrischen Kellner werden wir platziert und bekommen Karten überreicht. Das Restaurant hat eine eher wohnliche Atmosphäre und erinnert mehr an eine Kunstgalerie denn an ein Lokal.

Restaurant Nostromo Split

Wir beide entschieden uns für Risotti – einmal mit Garnelen und einmal mit allgemeinen Meeresfrüchten, dazu je eine Fisch- bzw. Tomatensuppe als Vorspeise. Die Suppen waren recht dünn und schwach gewürzt – nicht überzeugend. Die Reisgerichte allerdings waren sehr gut. Da der Fischmarkt direkt vor der Tür ist, schmeckte alles fangfrisch und aromatisch nach Meer – so soll es sein!

Seafood Risotto Restaurant Nostromo Split

Der Kellner allerdings hat sich wirklich nicht mit Ruhm bekleckert. Unfreundlich, genervt, unaufmerksam. Es wurden weder neue Getränke angeboten, noch gefragt ob wir zufrieden sind, nichts dergleichen. Am Nachbartisch wurde z.B. auch erst das Essen weggeräumt und dann gefragt, ob der Gast überhaupt fertig war. Als uns dann auch noch ungefragt der Käse entwendet wurde, hatte er sein Trinkgeld entgültig verspielt. Schade, wenn sich ein Restaurant auf dem guten Essen ausruht.

Insgesamt hatten wir also einen sehr erlebnis- und facettenreichen Tag in Split, aber halt auch einen recht durchwachsenen. Als Fazit kann man stehen lassen, dass Split durchaus einen Besuch wert ist, sollte man zufällig in der Gegend sein, eine explizite Reise dorthin jedoch keinesfalls.

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