Sommertour 2013Roadtrips

Tag 13: Flugmuseum, Seattle und Einreise nach Kanada

von Robert 24. September 2013 0 Kommentare

Nach dem Aufstehen und der Inspektion des – nur unwesentlich besseren – Wetters haben wir eruiert was es in Seattle so zu tun gibt. Erstaunlicherweise hat die Pazifikmetropole gar nicht mal sooo viel zu bieten wie man gemein hin denkt. Für sehenswert haben wir jedoch beide in jedem Fall das „Museum of Flight“ – das Luftfahrtmuseum von Boeing – erachtet und uns folglich auch umgehend auf den Weg dahin begeben … Museumswetter war ja eh.

Der Eintritt in das Museum beträgt 18$ pro Person und ist somit relativ überschaubar und für das Gebotene durchaus im vertretbaren Rahmen. Gegliedert ist die Ausstellung nach den verschiedenen Zeitepochen: vom Beginn der Luftfahrt über die beiden Weltkriege, den kalten Krieg mit der beginnenden Raumfahrt und natürlich die moderne Luftfahrt.

Im Übrigen ist man hier als Deutscher durchaus gern gesehen, da natürlich, neben amerikanischen Luftfahrtpionieren wie den Gebrüdern Wright oder Howard Hughes, vor allem deutsche Ingenieuere und Piloten wie Wernher von Braun, die Herren Messerschmidt oder Junker oder auch Manfred von Richthofen, der rote Baron, die Entwicklung der Luftfahrt entscheidend geprägt haben – und auch mit entsprechenden Exponaten bedacht sind.

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Neben den geschichtlichen Abrissen werden auch technisch äußerst interessante Exponate präsentiert, wie z.B. ein Kommandostand der NASA für das Apollo-Programm:

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… sowie andere, auch einzigartige, Ausstellungsstücke wie etwa echtes (?) Mondgestein:

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Allgemein nimmt die Raumfahrt, für mich sehr spannend, einen recht großen Teil der Ausstellung ein. Es wurde auch auf das Leben der Astronauten im Weltall eingegangen, z.B. auf die Nahrung, welche quasi Ewig haltbar ist, aber nicht direkt lecker aussieht (jedenfalls 40 Jahre später nicht).

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Auch damit verbundene Bedürfnisse und die Lösung derer wurden illustriert ;).

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Was mir bei vielen der Ausstellungsstücke aufgefallen ist: als groß gewachsener Mensch hat man doch eher schlechte Karten mit den ohnehin schon unkomfortablen Platzverhältnissen zurecht zu kommen. Hier zu sehen am Innenleben einer Apollokapsel:

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Einen signifikanten Teil, wie sollte es anders sein, nahm auch die militärische Nutzung ein. So waren etliche Flugzeuge der US Airforce und anderen Militärgattungen zu sehen, wie auch teilweise experimentelle Flugzeuge und Prototypen.

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Etwas enttäuschend war, dass das Museum einige nette Spielerein wie Flug- oder sogar Hurricane-Simulatoren bot, für die man allerdings hätte 8-10$ extra bezahlen müssen, wozu wir nicht unbedingt gewillt waren.

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Dafür konnte man allerdings – sehr nett – mal selbst auf dem Pilotensitz von US-Kampfjets Platz nehmen und bekam schön erklärt welches Instrument wofür da ist, wie man theoretisch fliegen würde und anderes mehr.

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Nach dieser spannenden Erfahrung haben wir noch einen Ausflug in die Anfänge der Luftfahrt, sowie die Zeit während und zwischen den Weltkriegen unternommen.

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Im Anschluss ging es über eine verglaste Brücke auf die andere Straßenseite, wo sich eine extra Ausstellung mit dem Spaceshuttleprogramm beschäftigte, das 2011 ja bekanntlich eingestellt wurde. Die Amerikaner brauchen ihr Haushaltsbudget wohl leider für … andere Ausgaben. Nichts desto trotz wird hier die Tradition und deren Ende spannend beleuchtet, insbesondere auch die letzte Spaceshuttle-Mission, die das Ende einer Ära markiert.

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Bis dato waren wir mit dem Preis/Leistungsverhältnis des Museums nur mäßig zufrieden – das ruder herumgerissen hat der „AirPark“ – die Außenausstellung mit höchstinteressanten Stücken. Als erstes ins Auge fällt da natürlich die Ikone der zivilen Luftfahrt – die Concorde.

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Da das Programm ja leider 2003, hauptsächlich aus finanziellen Gründen, eingestellt wurde und man als Normalsterblicher heutzutage keine Gelegenheit mehr hat Überschall zu fliegen kann man hier zumindest erahnen, welche Atmosphäre an Board geherrscht haben muss wenn die „Königin der Lüfte“ ihre Passagiere in 3 Stunden von London bzw. Paris nach New York geflogen hat.

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Reisegeschwindigkeit und Flughöhe sind mit Mach 2, also etwa 2.400km/h und 55.500 ft, also 17km aus heutiger Sicht utopisch und unvorstellbar. Ich persönliche finde das Ende der Concorde sehr schade, zum einen weil sie die technische Machbarkeit von Passagierflügen mit Überschallgeschwindigkeit sehr gut illustriert hat und zum anderen weil ich einfach keinen Bock habe 12 Stunden von LA nach Berlin zu fliegen >_<.

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Wie uns der zuständige Museumsmitarbeiter erklärte lag dies aber wohl nich am Absturz im Jahr 2000, bei dem 113 Menschen gestorben sind, denn die Concorde hatte in ihrer Geschichte über 2,5 Millionen Passagiere ohne Zwischenfall erfolgreich transportiert. Ausschlaggebend war eher die mangelhafte Wirtschaftlichkeit, nicht zuletzt herbeigeführt durch die Flugangst nach 9/11 und die hohen Ticketpreise, die sich wohl zwischen 10.000 und 15.000$ je Strecke bewegten.

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Gegen Ende sind viele Concordes wohl halb leer gestartet und da die Preise aufgrund des exorbitanten Spritverbrauchs von über 25.000 L Kerosin in der Stunde eh schon relativ knapp kalkuliert waren, kam hier das Aus. Zusätzlich geht die Entwicklung mit zunehmendem Umweltbewusstsein sowieso weg von „schneller, höher, weiter“ hin zu sparsameren und effizenteren Maschinen – aus meiner Sicht wirklich schade.

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Neben dieser Schönheit umfasste der AirPark weitere Meilensteine der modernen Luftfahrt wie z.B. den allerersten in Dienst gestellten JumboJet der Luftfahrtgeschichte – die Boeing 747.

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Mit dem letzten, von uns besuchten, Exponat wartete wieder eine einmalige Gelegenheit auf uns – es handelte sich um die originale und erste „Air Force One“ – die diversen US-Präsidenten und Regierungsmitglieder von Dwight D. Eisenhower bis Richard Nixon als Dienstmaschine diente.

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Wir waren sehr froh dass man diese, wie die Concorde, auch von innen besichtigen konnte und so stelle sich z.B. die Frage: „Wer hat in meinem Bettchen geschlafen? Oh, John F. Kennedy.“

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Die Geschichtsträchtigkeit dringt buchstäblich aus jeder Pore der Boeing 707. Wer weiß welche Entscheidungen alle an diesem Konferenztisch gefällt wurden:

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Auch sehr beeindruckend war das Kommunikationsequipment, das bereits in den 60er Jahren, der Haupteinsatzzeit des Fliegers, z.B. mit Satellietentelefonie aufwarten konnte um den Präsidenten immer und überall kommunikationsfähig zu halten.

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Mit diesen überwältigenden Eindrücken haben wir dann das Musem of Flight verlassen – welches man für technik- und/oder geschichtsinteressierte Seattle-Besucher auf jeden Fall als „must-see“ ansehen muss.

Da wir aufgrund der langschläferfeindlichen Zeiten im Red Lion auf ein Frühstück dort verzichten mussten führte uns unser Weg auf dem schnellsten Wege, dem Highway, nach Downtown Seattle wo wir uns um eine baldige Nahrungsaufnahme bemühten. Die, für amerikanische Verhältnisse sehr übersichtliche, Stadt empfing uns mit ihrer schönen Skyline:

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Um langes Suchen und kulinarische Fragwürdigkeit zu vermeiden haben wir uns bei TripAdvisor über die Essensmöglichkeiten informiert und sind in „Tat’s Deli“ gelandet – einem authentischen, urigen, unscheinbaren Delikatessenladen der in erster Linie warme und kalte Sandwiches in fast allen erdenklichen Variationen kredenzt und das, wie wir zeitnah feststellen durften, sehr lecker. Tat ist mit seinem Deli in den TripAdvisor-Bewertungen auf Platz 3 von über 3.000 gelisteten Restaurants in Seattle – zu recht.

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Wenn das Reiseportal nicht wäre würde dies hier als absoluter Insider-Geheimtipp durchgehen. Bei mir gab es ein warmes 12″ Chicken-Parmesan Sandwich und für Uwe, den alten Gierschlund, sogar zwei 8″ Subs mit Roastbeef und extra Pommes … zugegeben auch aufgrund von leichten Misverstädnissen bei der Bestellung.

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Beides war extrem lecker, überaus zufriedenstellend im Volumen (heute brauchten wir sonst nichts mehr) und vernünftig bepreist. Wir waren beide so satt dass wir uns eine ganze Weile den Autoschlüssel hin und hergeschoben haben da die Hauptbeschäftigung der nächsten Stunde aus Verdauen bestand. Bei einem kurzen Spaziergang um eben das zu fördern haben wir noch einige Eindrücke der Stadt mitgenommen.

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Seattle wirkt, im Gegensatz zu etwa LA, sehr sauber und aufgeräumt und gut strukturiert. Die Bevölkerung ist sehr bunt und freundlich sowie gut gelaunt. Mit gerade mal etwa 600.000 Einwohnern ist sie allerdings deutlich kleiner als man sie sich als unbedarfter Europäer so vorstellt – was sie aber nicht minder sehenswert macht.

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Gut gesättigt und mit urbanen Eindrücken haben wir uns dann auf den Weg nach Norden gemacht um Washington – und damit auch (ein paar Tage) die USA zu verlassen. Eines unserer erklärten Ziele ist es ja, alle drei Nationen in Nordamerika … naja sagen wir mal zumindest zu sehen :p. Zum Hattrick fehlt uns also noch Kanada. Die Fahrt dorthin ist in etwa 2 Stunden machbar sofern man auf der Insterstate bleibt, was wir auch taten.

Am frühen Abend erreichten wir dann den Grenzübergang, vor dem ein elektronisches Schild recht akkurat die ca. 35 minütige Wartezeit bei der Aus/Einreise ankündigte. Diese haben wir genutzt um noch einige Recherchen über die Übernachtungsmöglichkeiten und eventuellen besonderheiten des kanadischen Verkehrs anzustellen da unser mobiles Internet von AT&T nur in den Staaten funktioniert – wir sind also die nächsten Tage auch erstmal offline, zumindest unterwegs.

Der eigentliche Grenzübertritt war, im Gegensatz zu etwa der Einreise in die USA oder der Ausreise in Richtung Mexiko relativ unspektakulär. Allerdings werden die Kanadier ja immer als ultrafreundliche, zurückhaltende und entgegenkommende Menschen beschrieben – was sie auch absolut sind – aber der (für kanadische Verhältnisse) schlecht gelaunte Zollbeamte hat zunächst einen anderen Eindruck verbreitet. Die Pässe wurden natürlich gescannt und er hat uns gefühlt dutzende Fragen gestellt, u.a. was wir in Kanada wollen, womit wir unser Geld verdienen, woher wir uns kennen, wann wir denn wieder zu verschwinden gedenken u.a.m. Auch hat er sich sehr dafür interessiert ob wir größere Mengen Alkohol dabeihaben, aber das eine Corona vom Vorabend war wohl ok ;).

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Warum hier auf Halbmast geflaggt ist weiß ich nicht. Es kann sein dass es an dem Zugunglück in Ottawa vor ein paar Tagen liegt, oder möglicherweise auch aus Solidarität mit den Amerikanern wegen des Amoklaufs des Marines in Washington D.C.

Der Ersteindruck von Kanada entspricht den Vorstellungen – es ist wie Amerika, nur in gut und vernünftig. Die Straßen und Infrastruktur ist nahezug identisch, aber hier gibt es ein funktionieres Sozial- und Gesundheitssystem, die Leute sehen wesentlich gesünder und dünner aus und statt für Fastfood und Psychopharmaka wird an den Bushaltestellen etwa für Bildungsprogramme geworben. Außerdem ist alles sehr sauber und uns ist nicht ein Penner begegnet, was in den USA an der Tagesordnung ist.

Ein Manko haben wir dann aber doch entdeckt, im 7-11 wurden wir belehrt dass es in Kanada Alkohol nur in staatlich kontrollierten Liquor Stores zu kaufen gibt wo man gleich zwei Personaldokumente vorlegen muss auch um nur Bier zu kaufen. Außerdem ist der Spaß hier unglaublich teuer – was auch die Frage vom Zoll bei der Einreise erklärt. Mit einem Sixpack Corona für schlanke 16$ (am Tag zuvor hatten wir in Bellevue etwa die Hälfte bezahlt) im Gepäck sind wir dann in unser Hotel, dem Georgian Court in Vancouver, eingecheckt. Es liegt direkt gegebenüber vom architektonisch beeindruckenden BC Place Stadions, der Heimat der BC Lions und Vancouver Whitecaps, welches vor allem durch die Siegerehrungen der olypmpischen Winterspiele 2010 bekannt ist.

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Mit diesem langen Artikel für einen langen Tag schließe ich für heute die Berichterstattung und verweise die technikbegeisterten Leser noch auf die nachfolgende Galerie mit weiteren Bildern aus dem Seattle Museum of Flight :). Hier ist es jetzt kurz nach 2 und damit schon wieder ziemlich spät. Um für die morgige Erkundungstour durch Vancouver und den Südwesten Kanads fit zu sein heißt es jetzt für uns nachtinacht. Lasst euch das Mittagessen schmecken ;).

 

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