Sommertour 2013Roadtrips

Tag 8: Urban Safari & Alcatraz

von Robert 20. September 2013 0 Kommentare

Am Tag zuvor haben wir die Tagesplanung debattiert. Wir waren uns relativ schnell einig, das Alcatraz natürlich ein „must-see“ ist. Leider haben wir recht schnell ernüchtert festgestellt, dass die Tickets normalerweise 4-6 Wochen im Vorraus geordert werden müssen. Um doch noch an welche zu kommen haben wir den Concierge bemüht, welcher uns dann mitteilte, dass die einzige Möglichkeit welche zu bekommen ist, ein Package zu buchen zusammen mit einer Stadtrundfahrt.

Diese war mit 160$ p.P. rund 3-4 mal so teuer wie das eigentliche Alcatraz-Ticket, aber halt die einzige Möglichkeit, deswegen haben wir diese wahrgenommen. Leider mussten wir dafür mitten in der Nacht (gegen 7:30) aufstehen. Nach einem absolut enttäuschenden 23$-Frühstück im Mandarin haben wir den Startpunkt gesucht. Leider hat uns das Hotel, mal wieder, falsch geleitet und deswegen haben wir die Gruppe nicht gleich gefunden. Glücklicherweise hat das Unternehmen unsere Handynummer gehabt und so konnten wir zu einem späteren Punkt dazustoßen.

Eine Taxifahrt später sind wir dann am Treffpunkt, dem Palace of Fine Arts in San Francisco, angekommen. Dort haben wir eine Rastafari getroffen, der zur „Urban Safari“-Firma, welche die Tour ausrichtet, gehört und uns zur richtigen Gruppe leiten konnte. Er hatte auch die beeindruckensten Dreads ever, die er seit 33 Jahren pflegt!

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Unser Tourguide, Aaron oder „A-Money“, hat uns dann in Empfang genommen und wir haben uns der Gruppe, die hauptsächlich aus Australiern bestand angeschlossen um die Stadt zu erkunden. Die Tour war als „Urban Safari“, wie der Name schon sagt, angelegt. Man muss sich die Großstadt als Dschungel vorstellen und die Tourteilnehmer als Entdecker – an sich eine nette Aufmachung. Der Tour-Wagen war im Zebra-Stil gehalten was diesen Eindruck unterstützte.

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Die nächste Station war die Golden Gate Bridge und das dazugehörige Fort. Wir haben einige interessante Fakten zur Brücke mitgenommen, z.B. dass sie bei Wind bis zu 14 Fuß hin und her schwankt oder dass die Farbe nur der Tatsache geschuldet ist, dass die damals verwendet wurde um international zu verschiffenden Gegenstände zu kennzeichnen, daher auch der Name „International Orange“.

Golden Gate Bridge, San Francisco

Von dort aus hatte man auch einen herrlichen Blick auf die Skyline von Frisco, welcher vom morgentlichen Nebel in der Bay unterstützt wurde.

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Weiter ging es dann durch die City hoch zu Twin Peaks, einem Aussichtsort über der Stadt, an dem wir leider auch am Tag zuvor schon waren, daher war er für uns nichts neues, aber die Aussicht ist immer wieder einen Blick wert. Die Safari-Veranstalter waren mehr bemüht eine gute Stimmung an Board des Busses zu haben als Infos zu verbreiten, was im eigentlichen Sinne nicht unbedingt für die Stadtrundfahrt spricht. So hat Aaron, unser Guide, einige recht flache Witze gekloppt. (Zitat Uwe: „Einmal hätte ich fast gelacht“).

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Zum „Lunch“ das, bei dem Kurs erstaunlich, nicht im Preis inkludiert war ging es zu einem Market mit frischem Obst etc. Wir haben uns in ein kleineres Diner in der Nähe zurückgezogen und auch eine Kleinigkeit zu uns genommen. Nach einigen weiteren Streifzügen durch die urbane Wildness war das nächste Ziel endlich das Pier an dem die Fähre in Richtung Alcatraz ablegte.

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Nach einiger Wartezeit begann die ca. 15 minütige Überfahrt, welche sowohl einen tollen Blick auf die Insel selbst als auch auf die Stadt ermöglichte.

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Dort angekommen liesen sich viele sehr spannende Eindrücke sammeln. Leider kann von einem „Lost Place“, der Alcatraz ja eigentlich ist, nicht so die Rede sein, da die touristische Erschliesung und die damit einhergehenden Menschenmassen sehr dicht ist. Das erste Gebäude das einem nach dem Anlegen der Fähre ins Auge fällt ist das Wohnhaus der Wärter und Bediensteten gewesen:

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Die Insel selbst wird ohne Tourguide erkundet, allerdings stehen überall Leute vom National Park Service, der die Insel als solchen betreibt, bereit um Fragen zu beantworten. Zusätzlich gibt es eine Audio Tour und natürlich viele Schilder und weitere schriftliche Erläuterungen. Das Gefängnis war damals als eigene kleine Stadt konzipiert, mit eigenem Laden, eigenen Wohnungen für die Wärter und sogar einem eigenen Kraftwerk.

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Der Hauptzellenblock ist ziemlich gut erhalten und wird auch renoviert um dem Verfall, der letzte Gefangene hat die Insel 1963 verlassen, entgegenzuwirken. Andere Teile sind bereits recht verfallen. Ich weiß nicht ob ich das Schade finden soll oder gut, jedenfalls ist es sehr spannend die alten Gebäude zu betrachten und sich zu Fragen welche Geschichten und Schicksale sich in ihnen abgespielt haben.

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Auch sehr spannend ist der Wasserturm, der natürlich in erster Linie eine unabhängige Trinkwasserversorgung der Insel sicherstellen sollte. Hier haben sich die Indianer verewigt, die die Insel zwischen 1969 und 1971 aus Protest gegen gebrochene Verträge seitens der Regierung besetzt hielten.

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Im Keller des Hauptzellengebäudes beginnt die Audio Tour, welche in diversen Sprachen, darunter deutsch, zur Verfügung steht. Ich entschied mich dennoch für die englische Variante um zu verhindern, dass mir Informationen aufgrund mangelhafter Übersetzung verloren gingen. Die Tour an sich war sehr gut gemacht. Sie wurde von ehemaligern Wärtern und Insassen gesprochen, die authentische Geschichten zu erzählen wussten, die je nachdem, wo man sich gerade befindet, erzählt wurden. Zusätzlich wurde durch Soundeffekte und Hintergrundgeräusche die Stimmung die damals dort herrschte so gut wie möglich transportiert.

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Das Leben auf Alcatraz war sicher kein Zuckerschlecken, aber das sollte es natürlich auch nicht sein, da dort nur die schwersten Jungs einsaßen, und die, die in anderen Gefängnissen nicht zu halten waren. Am Anfang wurde dies verdeutlich durch ein Zitat des ersten Gefängnisdirektors:

„Break the rules and you go to prison. Break the rules of prison and you go to Alcatraz.“

Zu deutsch: brich die Regeln und du gehst in den Knast. Brich die Regeln vom Knast und du kommst nach Alcatraz. Entsprechend klein und spartanisch waren die Zellen eingerichtet. Es gab nichts außer einem Bett, einem kleinen Tisch und einem Klo. Allerdings wurde den Gefangenen, je nach Führung, teilwese das Privilig eingeräumt die eigenen Zellen etwas zu individualisieren und aufzuhübschen.

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Die größte Strafe für die Häftlinge war vermutlich der grandiose Blick auf San Francisco und das damit verbundene Gefühl, dass die Freiheit und alles was man sich damit ersehnt, nur anderthalb Meilen entfernt – und doch unerreichbar weit weg ist.

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Den Wärtern stand es natürlich frei die Insel zu verlassen, wobei die meisten von Ihnen direkt, auch mit ihren Frauen und Kindern, da gelebt haben.

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An den Zellenblock angeschlossen war das „Administration Building“, welches den Kontrollraum, das Büro des Direktors und andere Einrichtung beherbergte, welche zum Betrieb des Gefängnisses, das vorher im Übrigen eine Militärfestung war, notwendig gewesen sind.

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Über die Jahre gab es etliche Fluchtversuche von der Insel, welche sich allerdings Aufgrund des sehr kalten Pazifikwassers und der fiesen Strömungen beizeiten wieder erledigt hatten. Bei einem haben 5-6 Gefangene mehrere Wärter als Geiseln genommen und halb die Kontrolle über das Gefängnis erungen. Der Aufstand konnte erst gebrochen werden als das Marine Corps mehrere Tag am Stück die Insel bombardierte. Bei dieser sogenannten „Schlacht von Alcatraz“ kamen 1946 drei Insassen und zwei Wärter ums Leben.

Der zweite und einzige als erfolgreich bekannte Ausbruch, fand 1962 statt. Drei Insassen hatten sich über ein Jahr hinweg mit abgebrochenen Stahllöffeln beginnend an den Lüftungsschächten ihrer Zellen durch den Mörtel, der durch die allgegenwärtige Feuchtigkeit stark angegriffen war, nach außen gegraben.

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Um einen Zeitvorsprung zu gewinnen hatten sich diese Kopfattrappen und ins Bett gelegt, so dass das Verschwinden der drei erst einige Stunde später überhaupt bermerkt wurde.

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Es heißt, sie hätten dann mit einem selbstgebauten Schlauchboot aus aufgeblasenen Regenmänteln die Flucht durch die Bay angetreten und seien dabei ertrunken, verifiziert wurde dies jedoch nie. Um die Flucht ranken sich wilde Mythen, einige behaupten sie hätten sich nach Südafrika abgesetzt, andere wiederrum meinen wenn Sie noch am Leben wären hätten sie versucht mit der Story Geld zu verdienen … man weiß es nicht.

Zu meinem Erstaunen ging die, ansonsten recht umfangreiche, Audiotour mit keiner Silbe auf den berühmtesten Insassen der Gefängnisinsel ein – den Chicagoer Gangster Al Capone, der von 1934 an fünf Jahre lang dort inhaftiert war.

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Eine Sonderbehandlung wurde ihm nicht zu Teil, er fristete genau wie der Rest der Insassen ein einsames Leben in seiner Zelle – der Nummer 181 (offene Tür).

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Sehr spannend war auch, dass an diesem Tag der Autor Mark Brown, der sich in seinem Buch „Capone“ mit dessen Zeit auf dem Felsen beschäftigte, an diesem Tag eine Lesung mit anschliesendem Vortrag in der Dining Hall hielt, dem wir leider aufgrund der zeitlich eng gesteckten Rahmenbedingungen nur teilweise beiwohnen konnten.

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Wie bereits erwähnt sind weite Teile der Insel und der dortigen Gebäude dem Verfall preisgegeben, so auch das Haus des Direktors, welches vormals die Offiziermesse des Militärs war.

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Andere Gebäude, wie z.B. der Leuchtturm, sind noch sehr gut erhalten und in weiten Teilen auch noch funktional.

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Noch andere wiederrum wurden absichtlich abgerissen, da im Laufe der Jahre immer wieder neue Nutzungskonzepte erwogen wurden oder die Baufälligkeit dies geboten hatte.

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Am Ende des Zellenblocks befand sich der Exerzierhof, wo die Gefangenen, insofern sie denn sich gut genug geführt hatte, Baseball, oder das Lieblingsspiel Bridge spielen konnten. Das war von den Wärtern auch durchaus gern gesehen und gefördert, denn wer sich beim Sport auspowert wendet keine geistige und körperliche Energie für eine Flucht auf.

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So wurde selbst bei eisigsten Temperaturen die Abwechslung von der grauen Zellenwand genutzt um frische Luft zu schnappen und auf andere Gedanken zu kommen bevor es wieder in den Zellenblock ging.

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Eine weitere Aktivität die manchen gestattet wurde war das Anlegen von kleinen Gärten, von denen aus man einen fantastischen Blick auf die Golden Gate Bridge und die Bay geniest – sicherlich ein schwacher, aber überhaupt erstmal ein Trost.

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Der Offiziersclub wurde wohl schon zu Zeiten des Gefängnisses kaum mehr genutzt und war somit das am wenigsten gut erhaltene Gebäude – wobei die Ruine vor der Bay zumindest eine Augenweide von Fotomotiv abgibt :).

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Ich für meinen Teil bin sehr froh, den Besuch auf Alcatraz oder „The Rock“ gemacht zu haben und habe mit wahnsinnig vielen, hochspannenden und einmaligen Eindrücken die Insel wieder verlassen – den allgegenwärtigen Wachturm immer schön im Rücken.

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Eine Besichtigung der Anlage kann ich für jeden, der sich nur ein bisschen für Geschichte, Architektur, Gefängnisse oder allgemein für interessante Orte interessiert uneingeschränkt empfehlen, allerdings sollte man dringend 1-2 Monate im Vorraus Tickets organisieren, da diese sonst nur in Verbindung mit einer Stadtrundfahrt, oder Ähnlichem, zu bekommen sind, deren Preis-Leistungsverhältnis in Frage gestellt werden muss. Nichts desto trotz vielen Dank an den National Park Service für die Erschliesung der Insel für die Öffentlichkeit!

Abschließend konnten wir noch den Blick auf die Piers von der Fähre aus genießen und waren froh wieder aus dem Knast zu sein :p.

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