Sommertour 2013Roadtrips

Tag 16: Yellowstone National Park

von Robert 27. September 2013 0 Kommentare

Nach dem Aufwachen im Best Western Hotel in Butte haben wir als Erstes natürlich die Wetterlage inspiziert. Es hat sich herausgestellt, dass diese nicht so kritisch war wie noch am Vorabend prognostiziert. Es hat noch leicht geschneit aber die Straßen waren weitestgehend frei und auch, mit unserem dafür etwas ungeeigneten, Vehikel gut befahrbar.

Für die morgentliche Stärkung hat es sich als gute Strategie erwiesen, die Locals um eine Empfehlung für ein vernünftiges Frühstück zu bitten. Die nette Rezeptionistin hat uns diesen Wunsch erfüllt und uns den „Montana Club“, ein paar Meter die Straße hinunter empfohlen.

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Die eigentliche Frühstückszeit war leider bereits vorbei uns so haben wir uns aus der normalen Karte bedient. In meinem Fall gab es einen original amerikanischen „Half-Pounder“ Burger und als Vorspeise eine Käse-Creme Suppe mit Hühnchen … extrem lecker :).

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Der Burger als Hauptgang hat ebenfalls seine Wirkung nicht verfehlt und sowohl gesättigt als auch kulinarisch befriedigt. Man merkt, dass das Gericht in Amerika auch als eben solches betrachtet wird und nicht nur als Fastfood für nebenbei – entsprechend liebevoll und qualitativ hochwertig ist auch die Zubereitung.

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Uwe hat sich Käse-Pommes genehmigt die auch sehr lecker waren, obschon die Bedienung etwas entsetzt war wie er denn keinen Bacon dazu bestellen kann :p.

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Mit dieser Stärkung im Magen haben wir dann unsere Reise auf der Interstate 90 Richtung Yellowstone im US-Bundesstaat Wyoming fortgesetzt. Da angekommen war für uns relativ schnell offensichtlich wie der Park zu seinem Namen gekommen ist. Das Steppengras, dass hier das Landschaftsbild vor allem am Rand des Parks dominiert, ist überwiegend gelblich und der Untergrund sehr steinig. Die Amis sind da wohl recht pragmatisch was die Namensgebung angeht.

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Kurz hinter dem großen, steinernen Torbogen, der den eigentlichen Beginn des Parks markiert, haben wir am Ranger-Häuslein unsere 25$ „Adminssion Fee“ beglichen, die uns, ähnlich wie im Olympic National Park in Washington, einen einwöchigen Aufenthalt im Park erlaubt.

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Bereits nach einigen Kilometern konnten wir die ersten Wildtiere bestaunen, von denen es im Park eine Vielzahl gibt. Neben Elchen, Steinböcken und Bisons gibt es hier auch Braun- und Schwarzbären. In unserem Fall wurden wir von Elchkühen begrüßt, die sehr freundlich waren und sich bereitwillig haben fotographieren lassen. Ob diese auch „muh“ machen vermag ich allerdings nicht zu sagen, mit uns reden wollten sie nämlich nicht :p.

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Trotzdem die Tiere in den allermeisten Fällen sehr friedlich sind wird seitens der Ranger und auf Schildern eindringlich darauf hingewiesen dass man es tunlichst unterlassen sollte, sich den Tieren zu sehr zu nähern und erst recht diese zu füttern und/oder zu streicheln.

Die erste Attraktion die wir uns angeschaut haben war der „Devil’s Thumb“ – eine Thermalquelle relativ nah an unserem Eingang des Parks. Hier weisen, wie an vielen Stellen des Parks, Hinweisschilder darauf hin, dass man es tunlichst vermeiden sollte die vorbestimmten Wege zu verlassen. Der Yellowstone Park bzw. das darunter liegende Vulkansystem ist einer der größten, noch aktiven, Supervulkane der Welt und birgt entsprechende Gefahren.

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Allerdings sorgt die geothermale Aktivität nicht nur für Risiken sondern auch für einzigartige Landschaften und Formationen, welche letztlich auch die Kernattraktionen des Parks ausmachen. So bilden sich auch um den Devil’s Thumb wunderschöne, terrassenartige Gesteinsgebilde:

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Bei der weiteren Erkundung fiel auf, dass die Hauptsaison auch hier bereits beendet ist. Die meisten Geschäfte, Läden und sogar Klohäusschen, die hier im Vergleich zum Umland zwar recht dicht, absolut gesehen aber immer noch recht dünn gesäht sind, hatten bereits geschlossen und waren winterdicht gemacht.

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Als nächste Station haben wir die beiden größten Wasserfälle im Park, die Lower & Upper Falls, angesteuert. Hier beeindruck insbesondere der leztere mit seiner schieren Kraft, denn das Wasser im sonst relativ ruhigen Fluss überwindet tosend einen Höhenunterschied von ca. 100m im freien Fall. Mit unseren Mitteln lies sich das fotographisch kaum einfangen, ein grober Eindruck lässt sich ggf. dennoch gewinnen. Zum Vergleich: die Niagarafälle sind mit ca. 60 Metern deutlich niedriger.

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Im Anschluss begaben wir uns an den „Artist Point“ wo heiße Quellen, die (immer noch sehr warmen) Flüsse speisen und schwefelhaltige Tümpel sowie dazugehörige, entsprechend bunte, Oberflächenzeichnungen das Landschaftsbild bestimmen.

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Hier trifft man immer wieder auf Löcher aus denen Schwefeldampf aufsteigt, entsprechende Kalkablagerungen und warme Miniseen, die beeindruckende Formationen bilden.

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Wenn es nicht so unglaublich kalt (um die 0°C) gewesen wäre hätte man durchaus der Gedanke des Badensaufkommen können (Schwefel ist ja bekanntlich angeblich gut für Haut und Gelenke) aber natürlich ist dies strengstens untersagt, um die Natur möglichst unberührt zu lassen :).

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Die letzte Station, für die wir uns durch eine Bisonherde auf der Straße kämpfen mussten :p, auf unserer Parktour war das „Midway Geyser Basin“. Hier handelt es sich, wie der um Name schon sagt, um einen riesigen Geysirkrater. Erstaunlicherweise ist er verglichen mit den anderen Geysiren entlang des „Firehole River“, der von diesen zum Teil gespeist und aufgewärmt wird, noch relativ klein.

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Auch hier gibt es einzigartige Landschaftsbilder zu bestaunen, die zum Teil durch geothermische Prozesse, zum Teil aber auch durch Bakterien die sich hier heimisch fühlen, geschaffen wurden.

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Mit diesen einmaligen Eindrücken haben wir den Park dann langsam, auch aufgrund der bereits einsetzenden Dunkelheit, wieder verlassen und unsere Reise nach einer kurzen Abendmahlzeit noch ein Stückchen Richtung Süden fortgesetzt. Unser Lager haben wir in der Stadt „Idaho Falls“ im US-Bundesstaat … richtig geraten … Idaho aufgeschlagen, in den wir somit zurückgekehrt sind. Aufgrund der guten Erfahrungen und des vernünftigen Preis/Leistungsverhältnisses haben wir nach der über 600km langen Tagesetappe abermals in ein Best Western Hotel eingecheckt.

Auf die Frage an der Rezeption hin ob es hier irgendwo ein 7-11 gibt um noch ein Feierabend-Bierchen erwerben zu können wurden wir halb ausgelacht und an die auf der anderen Straßenseite liegende Tanke verwiesen.

Hier hat uns ein, nun sagen wir mal etwas unbedarft aussehender, Mann mittleren Alters begrüßt. Nach dem üblichen „Hey, how are you?“ entwickelte sich an der Kasse ein hochspannendes, etwa halbstündiges Gespräch, dass wir dem Herren seiner optischen Erscheinung nach nie zugetraut hätten. Es ging hauptsächlich darum welchen Einfluss das Christentum auf Amerika und die restliche Welt hat. Der Herr stellte sich als ziemlich gebildet heraus. Er hat vor einigen Jahren aufgrund von Scheidung und Sorgerechtsstreitigkeiten seine College-Pläne beerdigen müssen und eine sehr schwere Zeit durchgemacht, aus der ihm sein Glauben herausgeholfen hat.

Er hat sehr interessante Standpunkte vertreten, wie z.B. dass die Evolutionslehre durchaus als Methodik des Kreationismus interpretiert werden kann und auch die Entstehungsgeschichte nach Genesis nicht unvereinbar sein muss mit den Lehren der Wissenschaft. „Es werde Licht“ ist in seiner Weltsicht z.B. nur eine Metapher für den Urknall, genau wie die komplette Entstehungsgeschichte – nur eben auf einer anderen Zeitskala. Der Herr konnte uns mit geschichtlichem Wissen über die Ausbreitung der Reformation, die Einigung der deutschen Staaten unter Bismark 1871 sowie fundierten Einschätzungen zu den komplexen Zusammenhängen von Religion, Gesellschaft und Politik im Kontext Amerikas im Vergleich zu Europa verblüffen. Außerdem hatte sprach er sogar, gar nicht mal schlecht, einige Worte deutsch, das er sich selbst beigebracht hatte.

Beeindruckt haben wir nach diesem Gespräch die Tanke nicht nur um Bier, sondern auch um neue Blickwinkel auf die Dinge bereichert, wieder verlassen und sind unserer Mission Land und vor allem Leute besser kennenzulernen hier ein gutes Stück näher gekommen. Es ist ein beruhigendes Zeichen für die amerikanische Bevölkerung, dass sie die Bildung, die ihnen vom Staat durch das äußerst bescheidene und hochgradig selektive und entlang der Gesellschaftsschichten kaum durchlässige Schul- bzw. Hochschulsystem verwehrt wird selber nacholen wollen und sich entsprechend informieren und weiterbilden – ähnlich wie Marc aus Minnesota, den wir in Forks kennengelernt haben.

Auf der anderen Seite ist es wirklich traurig, dass die Regierung hier das breite Potential der Bürger einfach brach liegen lässt, und das – wie man inzwischen vermuten muss beabsichtigter Weise – denn ungebildete Bürger stellen weniger kritische Fragen und lassen sich leichter etwa im Militärdienst verheizen.

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Wir haben an diesem Abend noch lange über das Gespräch nachgedacht, dass uns zwar in unseren Ansichten nicht grundlegend geändert – aber doch zumindest einige neue Sichtweisen für diese bereitgestellt hat, auf die man sich hier als überheblicher Europäer wohl normal nicht einlassen würde. Vielen Dank dafür!

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