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Review: Mercedes-AMG GLE 63 S Coupé

von Uwe 6. September 2015 0 Kommentare

Kann das wirklich die genaue Bezeichnung des Fahrzeugs sein? Jawohl! Innerhalb des letzten Jahres wurden die Modellbezeichnungen stark überarbeitet. Alle AMG-Modelle laufen jetzt unter dem Namen „Mercedes-AMG“. Der GLE als eigenständiges Modell ist die Weiterführung des ML und soll das Bezugsmodell (E-Klasse) besser veranschaulichen. Vereinheitlicht und komplettiert entwickeln sich demnach GLA, GLC (vormals GLK), GLE (vormals ML), GLS (vormals GL).

Noch aufmerksam? Das war euch noch nicht zu viel des Guten? Gut! Denn mittlerweile gibt es für die meisten AMG-Modelle auch noch eine schärfere (S) Version. Desweiteren gibt es für den GLE auch noch eine Coupé-Variante, die dem „Marktbegleiter“ (Daimlerdeutsch) BMW X6 ordentlich Marktanteile streitig machen soll.

Nimmt man all diese Entwicklungen zusammen, erhält man das „Mercedes-AMG GLE 63 S Coupé“.

GLE 63 S Front

Braucht die Welt noch ein weiteres Off-road Coupé?

Brauchen? Wohl kaum. Aber fragen die Käufer die von BMW erschaffene Sparte „Sports Activity Coupé“ nach? Unbedingt! Mittlerweile existiert neben dem BMW X6 sogar schon der BMW X4 – zu lukrativ die Marktnische. Außerdem sieht das Coupé besser aus und ist zudem noch dynamischer unterwegs als der GLE.

Mercedes-Benz AMG Performance Tour - GLE 63 S Coupé

Kann man beim GLE Coupé von „dynamisch“ sprechen?

Nun, verbaut ist der „alte“, durchzugsstarke 5,5 Liter Biturbo V8, welcher einen einfach fabelhaften Job abliefert. Im unteren Drehzahlbereich surft man auf der 760 Nm starken Drehmomentwelle und im oberen sorgt die brachiale Leistung von 430 kW/585 PS selbst im 2350kg schweren Gelände-Coupé für einige Optionen auf der Überholspur – mit einer exzellenten Mischung aus Gelassenheit und V8-Bollern. Sobald der Fahrmodus auf „Sport“ oder das Getriebe auf „Manuell“ steht und die kontrollierten Fehlzündungen die optionale Sportabgasanlage in ein infernalisches Feuerrohr verwandeln, dreht sich auch der letzte Ungläubige um und blickt dem Heck noch eine Weile hinterher als wäre es der letzte Aufschrei des Verbrennungsmotors.

Übrigens ist die stark erhöhte Sitzposition bei so einigen Überholvorgängen ein nicht zu unterschätzender Vorteil! Gerade im Sport-Modus unterstützt das Getriebe potenzielle Überholmanöver grandios, da es den Zug quasi konstant bereithält. Den Rest erledigt die furchteinflößend prestigeträchtige Front wahrhaft meisterlich.

GLE 63 S Coupé Seitenlinie

Kann er um die Ecken geprügelt werden?

Völlig ungezügelt und trotzdem sicher. Und dafür bringt das „Coupé“ neben den 325/35 Reifen auf 22″ Felgen ordentlich Technik mit. Nicht nur die Luftfederung senkt sich bei höheren Geschwindigkeiten ab, auch unterstützen die adaptiven Dämpfer die ganz besondere Trägheit des Dicken. Dazu kommen noch Wankstabilisatoren (Active Curve System), die dazu führen, dass immer möglichst viel Auflagefläche der Reifen auf der Straße zur Verfügung steht.

Übertreibt man es am Kurveneingang, untersteuert das GLE 63 S Coupé ein wenig. Übertreibt man es im Kurvenverlauf, schaltet sich das sehr fein abgestimmte ESP im spürbar letztmöglichen Moment ein. Und mit etwas zu viel Gas am Kurvenausgang bekommt man sogar etwas Übersteuern zu spüren. Die sich einstellenden Kurvengeschwindigkeiten sind überraschend hoch. Allerdings fehlt es dem GLE 63 S Coupé für einen „echten“ Mercedes-AMG an direktem Feedback von der Straße, was im Angesicht der Bauart jedoch eingeschränkt verständlich erscheint.

GLE 63 S Reifen Felge

Der stilechte Proll?

Spätestens auf den zweiten Blick wirkt das Coupé nicht gerade schlecht gelungen, auch wenn es – wie der BMW X6 – stark polarisiert. Mercedes schafft es sogar, den Dicken deutlich kleiner und leichter aussehen zu lassen als er tatsächlich ist – ohne dabei auch nur annährend ins Understatement zu verfallen. Besonders die schlanken Heckleuchten, wie es bei den Mercedes-Coupés üblich ist, und die 22″ Räder bringen die persönliche Wahrnehmung ordentlich durcheinander.

GLE 63 S Coupé Seite

Man könnte meinen das GLE 63 S Coupé wirkt wie ein CLS SUV im Muscleshirt mit einem Resthauch Seriösität. Im Inneren geht es um so ruhiger zu Werke. Das Akustikglas lässt Geräusche von außen verstummen und die fünf möglichen Fahrmodi optimieren das Fahrgefühl auf nahezu jedem Untergrund mit stets komfortabeler Grundfederung.

GLE 63 S Fahrmodi 2

Und im Alltag so?

Probleme bereiten die mangelnde Übersichtlichkeit und die sehr hohe Ladekante. Abhilfe schaffen die serienmäßige Rückfahrkamera und die eigene Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Letztere ist für die stimmige Erscheinung Pflicht. Und hey – hierfür hält auch kein noch so hoher Bordstein auf.

GLE 63 S Innenraum

Das GLE Coupé macht für Leute Sinn, die eben keine GLE-Klasse benötigen, aber eine gewisse Geländegängigkeit voraussetzen. Diese bringt das Coupé sehr wohl mit – immerhin lässt es sich um 10 cm aus der Sportstellung erhöhen und die etablierten Fahrmodi lassen sich problemlos auf ziemlich jeden Untergrund anwenden. Zeitgleich müssen keine Kompromisse beim Kofferraum und Komfort eingegangen werden. Ebenso muss festgehalten werden, dass das GLE Coupé seinen ganz eigenen Charakter aufweist und keineswegs einen Abklatsch des BMW X6 darstellt.

GLE 63 S Coupé Heck

Wenn man allerdings kein SUV sucht, findet man im GLE Coupé die Antwort auf alles, was man vorher nicht gesucht hat. Was wir persönlich im GLE 63 S Coupé gefunden haben, seht ihr in unserem Video zum Fahrzeug. Und vergesst nicht – bereits nächsten Sonntag geht es mit dem Mercedes-AMG SL 63 in den zweiten Teil unserer dreiteiligen Serie!

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