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Sommertour 2013: US-Westküste – Fazit

von Robert 12. Oktober 2013 0 Kommentare

Eine gute Woche sind wir jetzt wieder im kalten Deutschland. Den Jetlag haben wir weitestgehend überwunden und uns auch wieder, etwas wehmütig, im Alltag eingefunden. Jetzt da etwas Zeit vergangen ist, um das Erlebte reflektieren zu können, möchte ich die Gelegenheit nutzen um ein Fazit zu unserer Tour abzugeben.

Statistik / Strecke
Reisedauer: 22 Tage
Strecke: ~14.000km (8.750 Meilen)
Spritverbrauch: ~8,7 L / 100km (27mpg)
Spritmenge: ca. 1220L (~320 Gallonen)
Bilder: ~3.000
GoPro-Material: ca. 1 TB
Länder: 3 gesehen
Staaten: 11 US-Bundesstaaten, 1 kanadischer Bundesstaat
Blogaufrufe: ~2.500
Temperaturdifferenz: 43°C! (von -1° im YellowStone National Park bis +42° in Kalifornien)

Ähnlich wie letztes Jahr möchte ich das Fazit wieder in Form eines FAQs ziehen:

Und, wie wars?
Einmalig! Wir haben wahnsinnig viele Eindrücke gesammelt, spannende Sachen gesehen und erlebt, interessante Gespräche geführt. Die Reise werden wir nicht vergessen und wir sind sehr froh, dass wir den Trip so durchgezogen haben :).

Habt ihr eure Ziele erreicht?
Mal schauen … wir sind die komplette Westküste der USA hochgefahren in einem Mustang Cabrio. Wir haben 3 Länder gesehen, 11 verschiedene US-Bundesstaaten und sind sogar ein Stückchen die Historic Route 66 langgefahren. Wir haben viele Gespräche mit den Amerikanern geführt die über „Hey, how are you?“ hinaus gingen und zumindest ich für meinen Teil habe nun einen deutlich differenzierteren, authentischeren und möchte sagen, ja auch besseren, Eindruck von den Amerikanern. Alles in allem, an unseren Ansprüchen vor der Reise gemessen, ziemlich gelungen :).

Welche war die coolste Stadt?
Uwe und ich sind uns hier ziemlich einig dass es sich hierbei eindeutig um San Diego handelt! Hier vereinen sich die Ruhe der historischen Viertel mit dem Weltflair einer Großstadt. Dazu kommt dass das Durchschnittsalter sehr jung ist und die Leute locker und freundlich. Im Vergleich zu LA ist es auch deutlich ruhiger und sauberer. Das in Kombination mit dem Nachtleben in einer südkalifornischen Spätersommernacht bleibt einem im Gedächtnis :).

Der zweite Platz geht meiner Meinung nach an San Francisco, die Stadt an der Bucht zwischen zwei Brücken, gefolgt von Vancouver. Sehr kanadisch – sauber, sicher, freundlich.

Und welche Stadt war am hässlichsten?
Ich tendiere hier schwer zu Los Angeles. Die Stadt ist total zugemüllt. Bis auf ein paar Blocks Downtown ist das überwiegende Stadtgebiet doch eher verarmt und am verfallen. Es gibt entsprechend viele Obdachlose. Der Verkehr ist eine Katastrophe, denn es gibt kein erwähnenswertes öffentliches Verkehrssystem. Die Kriminalitätsrate ist ziemlich hoch, man hört entsprechend viele Sirenen in der Nacht und hat vermehrt Polizeikontrollen. Außerdem ist die Luftverschmutzung eine der schlimmsten auf der Welt. An manchen Tagen sieht man die Berge nicht, die die Stadt umgeben. Platz 2 geht an Salt Lake City.

Was hat euch sonst am Besten gefallen?
Die Spritpreise 😀 ! Mit durschnittlich umgerechnet ca. 0,65€ / L macht das Volltanken Spaß und ist mit um die 40€ tut es auch nicht weh. Von den Events war sicherlich die Universal Studios VIP Tour am spannensten. Auch sehr cool war das ATV-Fahren in den Dünen von Oregeon. Das Breaking-Bad Finale in Albuquerque war aber auch eine einzigartige Story :).

Besonders spannende Tage:

Wie habt ihr die Amerikaner erlebt?
Die US-Amerikaner sind natürlich recht unterschiedlich je nach dem in welchem Teil des Landes und in was für einer Region (Großstadt, Kleinstadt, ländlich …) man sich aufhält. Generell sind sie etwas oberflächlich („Hi, how are you?“) aber wenn man tiefer ins Gespräch geht stellen sich die meisten als weltoffen, interessiert und freundlich heraus. Wir haben uns fast überall sehr willkommen und gut aufgenommen gefühlt. Der Durchschnittsamerikaner ist auch deutlich intelligenter und gebildeter als man es als Europäer so erwartet.

Die Mexikaner haben wir mal so und mal so erlebt. In der Grenzgegend auf Höhe Tijuana waren die Mexikaner sehr freundlich, aufgeschlossen und auch sehr hilfsbereit. In der Gegend um Ciudad Juarez findet man eher die gelangweilten, desinteressierten Mexikaner, die dem, von den konservativen Medien verbreiteten, Bild des „Lazy Mexicans“ gerecht werden. Da ist ne Frage an die Kassiererin im Supermarkt schon teilweise zuviel weil man dann mehr als unbedingt nötig machen muss.

Die Kanadier sind ein lustiges Völkchen. Sie sind nach unserer Erfahrung zunächst etwas reservierter als ihre US-Nachbarn, aber dafür authentischer und das Interesse wirkt weniger aufgesetzt. Außerdem strahlen sie mit ihrer friedliebenden Art eine angenehme Ruhe und Zufriedenheit aus – sehr sympathische Leute :).

Wie zufrieden wart ihr mit eurem Auto?
Nunja … diese Frage haben uns auch viele Amerikaner gestellt und wir waren nicht immer zu einer diplomatischen Antwort fähig. Man muss sehen dass der Mustang die Ikone des amerikanischen Autobaus ist und so ziemlich das Nonplusultra dort. Das ist das was die Leute hören wollen … allerdings aus europäischer Sicht ist das Auto äußerst mittelmäßig. Die Lenkung ist zu weich und indirekt, selbiges gilt für das schwammige Fahrwerk und das Getriebe ist eine Katastrophe. Kein Wunder dass die Autos alle viel Hubraum und moderat viel Leistung haben wenn der Antriebsstrang die Hälfte wieder frisst. Unser Exemplar hatte einen  3,7L V6 Motor mit 310PS und ich würde sagen die Leistungsentfaltung fühlt sich an wie bei einem deutschen Auto mit 180-200PS … ich denke das Spricht für sich.

Darüber hinaus sind viele Details und Mechanismen einfach entweder undurchdacht und/oder nicht auf der Höhe der Zeit. So hat das Cabrio zwar ein vollautomatisches Verdeck, dass aber manuell entriegelt werden muss. Der Knopf für die Warnblinkanlage befindet sich, in Gefahrensituation besonders günstig, zwischen dem Knopf der das ESP deaktiviert und dem Knopf der den Kofferraum öffnet. Und das schlimmste: Das Auto gibt einen ultranervigen Ton von sich wenn irgendwas nicht stimmt á la … Licht angelassen, Schlüssel steckt noch, Tür offen, Kofferraum offen, nicht angeschnallt etc. pp. alles was man thereotisch „falsch“ machen kann wird sofort mit Generve quittiert.

Nichts desto trotz hat uns das Pony einigermaßen sicher und zuverlässig durch die Prärie geführt und hat viel zu der „American Lifestyle“-Atmosphäre des Urlaubs beigetragen und war deswegen ein wichtiger und richtiger Bestandteil der Reise gewesen – wenn Amerika, dann richtig :D.

Wie ist der amerikanische Verkehr?
Erstaunlich ruhig. Die Amis haben auch so eine Einheitsgeschwindigkeit zwischen 55 und 60 die fast überall gefahren wird, egal ob auf Landstraße, Interstate oder Stadt. Der Verkehr ist auch in großen Städten erstaunlich ruhig und geordnet – man braucht sich da eigentliche keine Gedanken machen dass es zu hektisch wird. Es gibt einige Besonderheiten, z.B. dass die Ampeln in aller Regel hinter der Kreuzung stehen. D.h. man muss vor der Kreuzung anhalten wenn rot ist und den abbiegenden Verkehr vorbeilassen, darf aber in aller Regel (wie bei uns mit grünem Pfeil) generell rechts abbiegen auch bei Rot.

Eine andere Besonderheit ist der „4-way stop“ … dabei stehen an allen Straßen einer Kreuzung Stop-Schilder und jeder hat anzuhalten und dann gilt: wer zuerst angehalten hat darf auch zuerst weiterfahren. Das funktioniert erstaunlich gut, und ist irgendwo auch „fairer“ als rechts-vor-links, allerdings muss man genauer aufpassen wer wann wo fahren darf. Auch spannend ist, dass es kein Rechtsfahrgebot gibt und man auch rechts überholen darf. Dadurch eröffnen sich interessante fahrdynamische Möglichkeiten :D. Nichts desto trotz wäre es auf deutschen Autobahnen aufgrund der deutlich höheren Geschwindigkeiten nicht zu empfehlen kein Rechtsfahrgebot zu haben.

Die maximale Höchstgeschwindigkeit die wir gesehen haben waren 80mph (~130km/h) auf dem Freeway in Utah. Normalerweise liegt das aber eher bei 60-65mph und ist, gerade da es bei den Amis meist nur gerade aus geht (Rekord ca. 100 Meilen am Stück ohne jedwede Kurve), ist das sehr monoton. Dennoch sollte man sich in den Ballungsgebieten an die Limits halten, da überall die Highway Patrol lauert (gell, Team 2 :p?). Allerdings gibt es auch stellen wo man es mal krachen lassen kann (etwa dünn besiedelte Nationalparks, Wüsten oder halt Kanada ^^).

Was hat euch am meisten beunruhigt?
Der Zustand und die Entwicklung von Gesellschaft und Infrastruktur. Mit Amerika geht es ziemlich bergab. Das sieht man in den Großstädten an den vielen Obdachlosen und Bettlern, die alle irgendwie ihren Job verloren haben und/oder krank sind und die Krankenhausrechnungen nicht bezahlen können. Gerade in LA liegen die Leute auch einfach auf der Straße und es scheint für die Bewohner normal zu sein.

In den Vorstädten und ländlichen Gegenden verfallen oftmal die Häuser und öffentlichen Anlagen weil einfach kein Geld da ist, weder privat noch kommunal. Man sieht Häuser bei denen man sich denkt „oh, ich frag mich wie lange hier schon keiner mehr wohnt“, und im nächsten Moment bewegt sich die Gardine. Die soziale ungerechtigtkeit und die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Amerika noch sehr viel ausgerpägter als in Europa. Die Unterschied vegitiert am Existenzminimum vor sich hin ohne die Chance durch Bildung in besser verdienende Schichten aufzusteigen, da Bildung wiederrum durch sehr hohe Kosten denen vorbehalten ist, die bereits wohlhabend sind. Ein sozioökonomischer Puffer in Form eines soliden Mittelstandes ist quasi nicht existent.

Die Arbeitslosenquote in den USA ist zwar relativ gering, aber das liegt zum großen Teil daran, dass die Leute für relativ geringqualifizerte Jobs im Staatsdienst gebraucht werden wie etwa beim Militär oder haben andere „sinnlos“-Jobs, die im Prinzip völlig unnötig sind und auch so schlecht bezahlt dass die Arbeiter von einem Job in den seltensten Fällen leben können. Ein gutes Beispiel hierfür ist der „Flagman“, der bei Wind und Wetter den Ganzen Tag an Autobahnbaustellen steht und rote Fahnen hält um die Leute (nebst 20 anderen Schildern und Blinklichtern) auf Gefahren hinzuweisen. Oder der Alamo-Mitarbeiter der einzig dafür da ist den Leuten zu sagen in welche Spur sie fahren müssen bei der Abgabe des Mietwagen. Das hätte ein Schild auch getan. Auch wenn die Statistik für Amerika noch ganz gut aussieht – wenn man genauer hinschaut ist die wirtschaftliche und soziale Lage im Land hochgradig bedenklich.

Dass das auf Dauer nicht gut geht, demonstrieren unser amerikanischen Freunde sehr Eindrucksvoll mit dem „Shutdown“, dem wir gerade so entgehen konnten. Eine Gesellschaft die nicht mehr in der Lage ist Nationalparks, Museen oder ihre eigenen Beamten zu finanzieren, wohl aber die größte Militärmaschinerie der Welt, sollte dann doch vielleicht mal die Prioritäten überdenken.

Was ist ungünstig gelaufen? Was würdet ihr beim nächsten Trip anders machen?
Im großen und ganzen lief der Trip aufgrund der intensiven Vorbereitung (vor allem durch das Engagement von Uwe) hervorragend. Wir hatten immer eine grobe Vorstellung und Kenntnis von den Möglichkeiten um uns herum, waren aber fast nie zu irgendwas gezwungen oder mussten übermäßige Kompromisse machen. Einzig das tagesimmanente Micro-Management, das bei der ein, oder anderen Gelegenheit für Unstimmigkeiten gesorgt hat, könnte noch besser abgestimmt werden.

Wie ist euer Gesamtfazit?
Unsere, doch recht hohen, Erwartungen sind nicht enttäuscht wurden. Wir hatten drei Hammer-Wochen und haben in einer Dichte neue Sachen erlebt und gesehen, die vorher unerreicht war. Der Westcoast-Roadtrip 2013 wird eine unvergessliche und vor allem sehr positive Erinnerung bleiben und auch wenn die Reise sehr teuer war, haben wir nicht eine Minute lang bereut die Tour angetreten zu haben. Wir haben eindrücksvolle neue Länder gesehen, neue Leute kennengelernt und haben spannende Geschichten erlebt und zu erzählen – und das ist schließlich mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen :).

Wir möchten uns abschließend bedanken bei

  • Thomas, der uns von und nach Berlin chauffiert hat
  • meinem Kollegen Frank für die Bereitstellung des 300mm Objektivs 🙂
  • Jens von CubeTravel für die wertvollen Tipps
  • dem freundlichen Team von AirBerlin
  • General Manager Donald Bowman vom Mandarin Oriental San Francisco für die äußerst freundliche und zuvorkommende Konfliktbehandlung
  • dem Team vom Mandarin Oriental Las Vegas für den besten Hotelaufenthalt ever

… und natürlich allen Freunden, Bekannten und Verwanden die sich mit viel Interesse und spannenden Anregungen über den Blog, Social Networks oder auch persönlich am Urlaub beteiligt haben. Wir freuen uns wirklich über das rege Interesse und freuen uns über den weiteren Austausch mit allen Reiseinteressierten :).

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